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Die Igel von Napoli – und 8 weitere Dinge, die in der Champions League aufgefallen sind

Napoli stellt gegen Barcelona lange alles hinten rein – doch am Ende geht Gattusos Taktik nicht auf. bild: sky

Die Igel von Napoli – und 8 weitere Dinge, die in der Champions League aufgefallen sind

Thiagos Wiedergeburt

Champions League bei Chelsea. Überragender Mann bei der erfolgreichen Revanche für das verlorene «Finale dahoam» von 2012 war Thiago Alcantara. Der spanische Regissuer gab über 90 Minuten den Takt im Spiel vor, bereitete das 3:0 mit einem Zuckerpass auf Robert Lewandowski vor und kam am Ende auf überragende Werte:

Aber was macht Thiago, der auch in der Bundesliga aufgeblüht ist, derzeit so stark? Anders als unter Niko Kovac, wo er oft als einziger Sechser agieren musste, stellt Hansi Flick dem Spanier im defensiven Mittelfeld mit Joshua Kimmich einen zweiten Abräumer zur Seite. So lastet nicht mehr die ganze defensive Verantwortung auf seinen Schultern und er kann befreiter aufspielen. Wozu ein von der Leine gelassener Thiago fähig ist, musste Chelsea gestern schmerzhaft erfahren.

Lewy, der Vorbereiter

735 Tage oder 597 Minuten – so lange war Robert Lewandowski vor dem Duell gegen Chelsea in der K.o.-Phase der Champions League ohne Treffer geblieben. Natürlich wurde er im Vorfeld des Achtelfinal-Hinspiels immer wieder darauf angesprochen. Wie wenig sich der Pole von seinem K.o.-Runden-Fluch beeindrucken liess, bewies er an der Stamford Bridge in den zehn Minuten nach der Pause.

Statt selbst unbedingt den erlösenden Treffer zu suchen, zeigte sich Lewandowski mannschaftsdienlich und legte zweimal mustergültig für Serge Gnabry auf. Zwei Assists in einem CL-Spiel waren dem 31-jährigen Torjäger zuvor noch nie gelungen.

15 Minuten vor Schluss wurde «Lewy» für seine Uneigennützigkeit gar noch belohnt: Alphonso Davies legte bei einem Konter quer und der Pole brauchte nur noch zum 3:0 einzuschieben. Nach 673 Minuten endlich wieder ein Erfolgserlebnis in der K.o.-Phase! Es war sein 11. Champions-League-Treffer in dieser Saison, damit liegt er vor Erling Haaland vom BVB wieder allein an der Spitze.

Lewandowski trifft zum 3:0 für die Bayern – es ist sein 11. Champions-League-Treffer in dieser Saison. Video: streamable

London ist Rot

London scheint Serge Gnabry zu liegen. Nach seinen vier Treffern in der Gruppenphase bei Tottenham Hotspur legte der 24-jährige Flügelstürmer bei Chelsea einen Doppelpack nach. Damit hat er in zwei Spielen in der englischen Metropole sechs Tore erzielt. Gegen zwei Londoner Klubs in einer Champions-League-Saison hatte zuvor nur Luis Figo 1999/2000 getroffen.

«Es tut immer gut, nach London zurückzukommen, ich habe hier noch viele Freunde. Die verleihen mir auch Kraft und daher lief es so gut», erklärte der Doppel-Torschütze nach dem Spiel. Gnabry wechselte 2012 als 17-Jähriger vom VfB Stuttgart nach London zu Arsenal, schaffte dort den Durchbruch aber nicht, worauf er 2016 in die Bundesliga zurückkehrte.

Müller über Gnabry:

«Ich bin glücklich, trifft er jetzt so oft in London und nicht schon vor fünf Jahren. Wenn das der Fall gewesen wäre, würde er nicht bei uns spielen.»

Seinen Freunden von damals schickte Gnabry nach dem Schlusspfiff noch einen kleinen Gruss. «London still red», twitterte er in Anlehnung an die Klubfarben seines einstigen Arbeitgebers Arsenal.

Coman mit Glück im Unglück

Und wieder sass Kingsley Coman mit leeren Augen am Boden. Der Bayern-Flügel hatte sich in der zweiten Halbzeit bei einer harmlosen Aktion verletzt und musste ausgewechselt werden. Die Szene erinnerte stark an das Spiel gegen Tottenham, als sich der Franzose an der Seitenlinie übel das Knie verdrehte.

Dezember 2019: Coman verletzt sich gegen Tottenham am Knie. Video: streamable

Damals fiel Coman mit einem Kapselriss für den Rest der Vorrunde aus. Dieses Mal hatte er mehr Glück, die Bayern gaben schon kurz nach dem Sieg gegen Chelsea Entwarnung: «Er hat eine leichte Zerrung und wird etwa fünf Tage pausieren», erklärte Trainer Hansi Flick an der Pressekonferenz.

Chelsea nur noch Mittelmass

Und was war eigentlich mit Chelsea? Das Team von Frank Lampard hatte den starken Bayern nur wenig entgegenzusetzen, vor allem in der Offensive blieben die «Blues» extrem blass. Mason Mount hatte gegen den pfeilschnellen Alphonso Davies keine Chance und im Sturmzentrum gab es für den komplett isolierten Olivier Giroud, der immer wieder mit langen Bällen gesucht wurde, kein Durchkommen.

Chelsea war mindestens eine Klasse schlechter und bekam gnadenlos aufgezeigt, dass man weit davon entfernt ist, zu den europäischen Spitzenteams zu gehören. Schuld daran ist auch die Transfersperre von letztem Sommer. Den Abgang von Eden Hazard konnten die «Blues» nicht ersetzen, stattdessen musste Trainer Lampard junge Eigengewächse ins Team einbauen.

Diese zeigen zwar immer wieder gute Ansätze, doch noch fehlt ihnen auf internationalem Topniveau die Durchschlagskraft. Nur der bei Real Madrid durchgefallene Routinier Mateo Kovacic konnte gestern halbwegs überzeugen. «Es war ein harter Abend», erklärte Lampard nach dem Spiel. «Aber das ist Fussball auf diesem Niveau. Es war eine harte Lektion für uns.»

Die Igel von Napoli

War Gennaro Gattuso bei José Mourinho in der Nachhilfestunde? Beim 1:1 gegen Barcelona setzte der Napoli-Trainer auf eine ultra-defensive Taktik und liess den eigenen Strafraum von allen zehn Feldspielern komplett verbarrikadieren.

Für Lionel Messi und Co. gab es so kein Durchkommen. Bis zur Pause spielte Barça zwar 458 Pässe und kam auf 70 Prozent Ballbesitz, schoss aber kein einziges Mal aufs Tor. Napoli kam kaum einmal aus der eigenen Halbzeit, führte nach einer halben Stunde dank eines Treffers von Dries Mertens aber dennoch mit 1:0.

30. Minute: Mertens herrlicher Schlenzer in den Winkel. Video: streamable

Dass Gattusos Matchplan am Ende doch nicht ganz aufging, lag am 1:1-Ausgleich durch Antoine Griezmann in der 57. Minute. Danach musste Napoli mehr riskieren und hätte in der 63. Minute beinahe wieder vorlegen können. Doch Barça-Keeper Marc-André ter Stegen verhinderte mit einer Glanzparade, dass sich Napoli sechs Minuten nach dem Ausgleich erneut einigeln konnte.

63. Minute: Ter Stegens Parade gegen Calléjon. Video: streamable

Mertens zieht mit Hamsik gleich

Diego Maradona wird in Napoli als Fussball-Gott verehrt, längst ist der «Pibe de Oro» aber nicht mehr Napolis Rekordtorschütze. Marek Hamsik hatte ihn 2018 an der Spitze abgelöst – dort thront der Slowake seit gestern aber nicht mehr alleine. Mit seinem sechsten Champions-League-Treffer in dieser Saison ist Dries Mertens mit dem vor einem Jahr nach China abgewanderten Hamsik gleichgezogen.

Bald wird der belgische Nationalspieler alleine an der Spitze stehen. Zum Fussball-Gott kann Mertens aber nur aufsteigen, wenn er Napoli zu einem Titel ballert. Nach dem 1:1 im Achtelfinal-Hinspiel gegen Barcelona und Zwischenrang 6 in der Serie A sieht es momentan nicht danach aus, als könnte Mertens Maradona bald vergessen machen.

Messi bleibt in Maradonas Schatten

Noch einer, der gestern im ausverkauften Stadion auflief, wird ständig mit Diego Maradona verglichen: Lionel Messi. «Ich hoffe, er macht kein grosses Spiel in Neapel», sagte Maradona vor dem Spiel über seinen designierten Nachfolger als argentinischer Fussball-Gott und der kam der Bitte seines ehemaligen Nationaltrainers nach.

Am Ort von Maradonas grössten Erfolgen konnte Messi nicht wirklich überzeugen – obwohl er sich jüngst mit vier Toren gegen Eibar warm geschossen hatte. Der Barça-Superstar hatte in 90 Minuten nur zwei nennenswerte Aktionen: In der 9. Minute flog sein Distanzschuss deutlich übers Tor und in der 66. Minute wurde er für gefährliches Spiel verwarnt.

Messi schaut verzweifelt in den neapolitanischen Nachthimmel. bild: Ap

Beim 1:1-Ausgleich durch Griezmann hatte Messi zwar auch kurz seine Füsse im Spiel, der Hauptanteil am Treffer ging aber auf das Konto von Sergio Busquets, der die Aktion mit einem herrlichen Pass in die Tiefe einleitete. Messi kann immerhin zugute gehalten werden, dass er mit seiner Abwesenheit in der Sturmspitze für den nötigen Raum für Assistgeber Nelson Semedo sorgte.

Insigne und der Running Gag

Es scheint zu einem Running Gag zu werden: Napoli-Captain Lorenzo Insigne ist nur 1,63 Meter gross und kriegt von der UEFA stets das grösste Einlaufkind zugeteilt. Auch beim Duell gegen Barcelona. Weil der Dreikäsehoch fast gleich gross war wie er selbst, positionierte ihn Insigne während der Champions-League-Hymne nicht wie üblich vor, sondern neben sich. Was der italienische Nationalspieler vom Running Gag hielt, zeigte dabei sein Gesichtsausdruck ziemlich eindeutig.

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