Switzerland

Die Homeoffice-Empfehlung des Bundes verpuffte – doch schon bald könnten Strassen und öV wieder leer sein

Der Bundesrat empfiehlt seit dem 18. Oktober wieder das Arbeiten im Homeoffice. Der Appell schien aber zu verhallen. Das zeigt eine Auswertung von aktuellen Verkehrsdaten und Beobachtungen der Verkehrsbetriebe.

In der Stadt Zürich sind zurzeit zwar weniger Autos unterwegs als im Vorjahr. Im Durchschnitt der letzten sieben Tage betrug das Aufkommen am 24. Oktober 93 Prozent gegenüber 2019. Doch der Rückgang setzte bereits anfangs Oktober ein und damit weit vor den Empfehlungen des Bundesrats. Seither verharrt der Autoverkehr etwa auf demselben Niveau.

«Es gab sogar eine leichte Erholung»

Eine ähnliche Beobachtung machen die Berner Verkehrsbetriebe Bernmobil. In der Woche nach den Herbstferien und vor den Empfehlungen des Bundesrats sei die Auslastung im Vergleich zum Vorjahr von knapp über 85 Prozent auf 73 Prozent gesunken, sagt ein Sprecher. Aktuell liege die Auslastung wieder bei 75 Prozent. «In der letzten Woche fand also kein weiterer Rückgang statt, sondern sogar eine ganz kleine Erholung», so der Sprecher. «Warum das so ist, ist schwierig zu sagen.»

Die Verkehrsbetriebe Zürich messen an der Haltestelle Hardbrücke mit drei Bus- und einer Tramlinie die Passagierzahlen. In der Woche nach den Herbstferien, die in Zürich am Sonntag der Bundesrats-Pressekonferenz endeten, stiegen die Passagierzahlen wieder, aber nicht auf das Niveau vor den Ferien. «Wir gehen aktuell davon aus, dass dies bereits eine Auswirkung der verschärften Massnahmen respektive der gestiegenen Infektionszahlen ist», sagt eine Sprecherin. Aktuell liege die Auslastung im Vergleich zu den ersten neun Wochen des Jahres bei 75 bis 85 Prozent.

Nach den Ferien blieben viele zu Hause

Tiefer war die Auslastung zuletzt bei den SBB. Zwischen dem 12. und 18. Oktober lag sie im Fernverkehr bei 65 Prozent, im Regionalverkehr bei 75 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Welchen Einfluss die bundesrätliche Homeoffice-Empfehlung und Simonetta Sommarugas «Fünf vor Zwölf»-Rede drei Tage zuvor hatten, können die SBB noch nicht sagen. Von einem nur leichten Rückgang der Auslastung in den letzten beiden Wochen wiederum geht Postauto aus.

Insgesamt zeigt sich ein uneinheitliches Bild: Der Verkehr ging zwar seit den Herbstferien zurück, doch der Aufruf, im Homeoffice zu arbeiten, scheint nicht entscheidend gewesen zu sein. Viele kehrten wohl schon nach den Herbstferien und angesichts steigender Infektionszahlen nicht mehr an den Arbeitsort zurück.

Drastischer Einbruch am vergangenen Montag

Dass bereits nach den Herbstferien ein Umdenken einsetzte, legen auch Daten des Bundesamts für Strassen (Astra) zum Verkehr auf den Autobahnen nahe. Zwischen dem 12. und dem 18. Oktober waren beispielsweise auf der A6 beim Berner Ostring 0,4 Prozent weniger Autos unterwegs als in der gleichen Woche des Vorjahres, auf der A2 bei der Schwarzwaldbrücke in Basel betrug das Minus über 5 Prozent und auf der A1 bei Würenlos gar über 6 Prozent. Aktuellere Daten liegen noch nicht vor.

Im Vergleich zum Frühling sind die Einbrüche allerdings bescheiden. Damals nahmen die Passagierzahlen im ÖV teils um 80 Prozent ab. In der Stadt Zürich ging der Autoverkehr teils um über 40 Prozent zurück, auf stark belasteten Autobahnabschnitten wurden an gewissen Tagen Einbrüche von über 70 Prozent registriert. Davon scheint die Schweiz weit entfernt – noch.

Denn nun könnte sich der Rückgang beschleunigen. Am Mittwoch dürfte der Bundesrat neue Massnahmen beschliessen. Erste Vorboten machen sich bereits bemerkbar: In Zürich-Hardbrücke wurden am Montag nicht einmal mehr 47'000 Pendler registriert. Das sind fast 10 Prozent weniger als am Montag zuvor und der tiefste Wert eines Werktags seit Mitte August.

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