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Die grüne Überfliegerin von Hamburg

Unverdrossen fröhlich stapft Katharina Fegebank durch den berüchtigten Hamburger Nieselregen. «Das war früher meine Hood», sagt sie und meint damit, dass sie im politisch linken Schanzenviertel lange gewohnt habe. Jedenfalls kennt man sie hier. Alle naselang spricht sie jemand an, umarmt sie, nimmt ihr einen grünen Flyer ab, auf dem ihr Gesicht gedruckt ist und steht: «Die Zeit ist jetzt.»

«Mehr Kretschmann wagen», hat sie vor einiger Zeit ihr politisches Credo überschrieben. Deutschland brauche keine Grünen, meinte sie, die den Wählern ständig auf die Schulter tippten und sie belehrten, wie sie besser leben könnten. Grün ohne Zeigefinger und Verzicht: Fegebank nahm vorweg, was Robert Habeck und Annalena Baerbock für die Bundespartei zuletzt zum Erfolgsmodell entwickelten.

Und jetzt will Fegebank siegen und regieren. Nach den Enttäuschungen in den ostdeutschen Landtagswahlen brauchen die Grünen in Hamburg dringend einen Erfolg. Entsprechend legen sich Baerbock und Habeck für ihre Hamburger Überfliegerin ins Zeug. Zwei Tage vor der Wahl reist auch noch Kretsch­mann an, ihr Idol. Am gleichen Tag lädt die Klimabewegung zur Demo und zum Streitgespräch mit der Grünen. «Jetzt mal Butter bei die Fische!», steht auf der Einladung, was auf Norddeutsch so viel heisst wie: «Zur Sache jetzt!» oder «Keine halben Sachen mehr!»

Autofreiheit sei «irre»

Die klimabewegten Jugendlichen haben die Grünen auch in Hamburg sehr beflügelt. Gleichzeitig hat Fegebank Hoffnungen geweckt, die sie nicht erfüllen kann: Klimaneutralität subito, autofreie Stadt, Flüge verbieten. Das ist selbst den Grünen zu radikal, Fegebank sowieso. Totale Autofreiheit nannte sie «irre». Lieber spricht sie über den Klimaplan 2050, den sie mit der SPD gerade umsetzt und verschärfen will, und eine «autoarme» City. Viele Aktivisten reagieren enttäuscht. Wähler aus der Arbeiterschaft und dem Bürgertum hingegen hat sie schon damit mächtig erschreckt. Im Zweifelsfall wählen die wohl eher die vorsichtigen Sozialdemokraten.

Richtig gut ist der Wahlkampf für die Grünen jedenfalls nicht gelaufen. Fegebank wurde davon überrumpelt, dass ihr Chef in der Regierung, der smarte SPD-Bürgermeister Peter Tschentscher, sie auf einmal als Träumerin angriff, der jeder Realitätssinn fehle. «Wollen genügt nicht», kanzelte er sie ab, «man muss auch können.» Einige besonders forsche Vorschläge nahm Fegebank danach wieder zurück, was ihr erst recht schadete.

SPD legt wieder zu

Auch Fehler der Vergangenheit – ihre Unterstützung für die gescheiterte Olympiakandidatur, für den desaströsen G-20-Gipfel oder eine Schulreform – hält man ihr genüsslich vor. Die Strategie der SPD scheint zu wirken: In den Umfragen, in denen die Rivalen zu Beginn des Wahlkampfs bei 30 Prozent gleichauf lagen, ist die SPD in den letzten Wochen kontinuierlich gestiegen. Die Grünen sind getaucht.

Die «Bild»-Zeitung hat den Ersten und die Zweite Bürgermeisterin zum Rededuell auf eine Barkasse geladen, die bei stürmischem Winterwetter durch den Hafen schlingert. Das Dilemma der Herausforderin enthüllt sich sofort, nicht nur, weil ihr die Schaukelei fast den Magen umdreht. Sobald Fegebank Visionen von einer blühenden Hamburger Zukunft skizziert, wirft Tschentscher ihr vor, dass in den letzten zehn Jahren keine Partei die Entwicklung des Hafens so behindert habe wie die Grünen. Wenn Fegebank die gemeinsame Regierungsarbeit der letzten fünf Jahre als «sehr erfolgreich» lobt, antwortet Tschen­tscher: «Danke!»

Fegebank wirbt leidenschaftlich für Mut und Experimentierlust. Mit «Trippelschrittchen» komme man nicht mehr voran. Gross müsse man jetzt denken, Hamburg müsse ein Labor der Zukunft werden. «Ich will aber keine Laborratte der Grünen sein», gab darauf ein prominenter Autor in der «Hamburger Morgenpost» zurück. Er drückte ein Gefühl aus, das in der Stadt womöglich verbreiteter ist, als die Grünen meinen.

Fegebank ist eine jener Politikerinnen, die gleich strahlt, wenn sie Kontakt aufnimmt. Sie menschelt nicht, weil gerade Wahlkampf ist, sondern weil sie so ist. Freunde wie Gegner halten die Mutter von kleinen Zwillingsmädchen für ein aussergewöhnliches kommunikatives ­Talent. Selbst der frühere CDU-Bürgermeister Ole von Beust ist richtig vernarrt in sie: Jeder möge sie. Dabei sei sie nicht nur offen und herzlich – sie setze sich auch durch.

Katharina Fegebank wäre die erste Frau in 700 Jahren Stadtgeschichte – nach 199 Männern. 

Als sich die 42-Jährige im Büro der Grünen Jugend – weiss getünchte Backsteinwände, grüne Lichtkegel, Topfpflanzen, die von der Decke baumeln – auf ein königsrotes Sofa setzt und für einen live übertragenen Podcast zu reden beginnt, hört man ihr Charisma auch. Ihre Stimme ist kräftig und dunkel gefärbt. Sie spricht nicht zu langsam, nicht zu schnell, wirkt lebhaft und dennoch entspannt. Zum Punkt kommt sie immer.

Stimmenanteil verdoppelt

Katharina Fegebank, seit 2015 Zweite Bürgermeisterin des Stadtstaates Hamburg, möchte nach der Wahl vom 23. Februar Erste Bürgermeisterin werden. Sie wäre die erste Frau in 700 Jahren Stadtgeschichte, nach 199 Männern. Und sie wäre nach dem Baden-Württemberger Winfried Kretschmann erst die zweite Grüne, die ein deutsches Bundesland regiert. Wegen ihr verzichtete die Partei sogar auf die Doppelkandidatur von Frau und Mann. Die Grünen seien bloss noch ein «Team Fegebank», stichelte die Konkurrenz.

Bei den Europawahlen im vergangenen Mai hatten die Hamburger Grünen bewiesen, dass sie zur Machtübernahme bereit sind. Sie verdoppelten ihren Anteil, gewannen fast ein Drittel der Stimmen und waren stärkste Partei. Vier von sieben Bezirken knöpften sie den Platzhirschen der SPD ab.

Deutschland brauche keine Grünen, meinte sie, die den Wählern ständig auf die Schulter tippten und sie belehrten, wie sie besser leben könnten.

Seither träumen sie davon, auch das prächtige Rathaus der 1,8-Millionen-Einwohner-Stadt zu erobern. Fegebank hat dafür ein geeignetes politisches Profil. Sie sagt, sie sei grün und liberal, progressiv und konservativ, visionär und pragmatisch, alles zugleich. Sie sieht sich als «Brückenbauerin» zwischen Lagern und Milieus. Diese Kunst habe sie vermutlich im Streit mit ihren Eltern gelernt, beide Lehrer. Als junge Linke stand sie zwischen der «sehr progressiven Mutter» und dem «extrem konservativen Vater» und bemühte sich, etwas Verbindendes aus der Auseinandersetzung zu retten. Fegebank studierte Politik, trat aber erst mit 27 Jahren den Grünen bei. Vier Jahre später war sie schon Chefin der Hamburger Partei.

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