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Die Fremdenlegion war für Flüchtlinge genauso attraktiv wie für Nazi-Kollaborateure

Schon seit fast 200 Jahren gibt es die Fremdenlegion. In Frankreich war sie von Anfang an ein Symbol für Offenheit, andere Länder sahen in den Truppen den Inbegriff unzivilisierter Kriegsführung. Mitglieder aber zog sie von überallher an.

Ein Fremdenlegionär in Vietnam, 1954.

Ein Fremdenlegionär in Vietnam, 1954.

PD

Am Anfang stand ein Missverständnis. Als infolge der europäischen Revolutionen 1830 die Zahl der Flüchtlinge in Frankreich rapide anstieg, suchte man in Paris nach Wegen, die als Unruhestifter erachteten Ausländer rasch wieder ausser Landes zu schaffen. Das Resultat war das am 8. März 1831 verabschiedete «Gesetz betreffend die Aufstellung einer Legion von Fremden in Frankreich». Die Geflüchteten träumten von einer internationalen Exilarmee, mit der sie siegreich in ihre Heimatländer zurückzukehren und dort den Umsturz herbeizuführen hofften. Da jedoch nicht die europäische Revolution, sondern die Niederschlagung regionaler Aufstände in Algerien auf sie wartete, liess ihr Enthusiasmus schnell wieder nach.

Die Fremdenlegion aber war ins Leben gerufen. Sie hat trotz ihrer wechselvollen Geschichte, in der sich die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Umwälzungen des 19. und 20. Jahrhunderts mitunter wie in einem Brennglas bündeln, bis heute Bestand.

Der Londoner Historiker Eckard Michels hat diese Geschichte in einem Überblickswerk ebenso lesenswert wie differenziert aufgeschrieben. Und dabei nicht nur Entwicklung und Selbstverständnis der Fremdenlegion berücksichtigt, sondern auch ihre Wahrnehmung, insbesondere im deutschsprachigen Raum. Denn während in Frankreich die Söldnertruppe von Beginn an mehrheitlich als Symbol für die Offenheit und den Integrationswillen der Nation gesehen wurde, wurde sie in Deutschland und auch in der Schweiz seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts zu einem Inbegriff grausamer und unzivilisierter Kriegsführung; ein Image, das ihr bis heute anhängt.

Deutsche stellten grösstes Kontingent

Die Ablehnung war insbesondere auf deutscher Seite auf antifranzösische und rassistische Ressentiments zurückzuführen, sie lag aber auch darin begründet, dass das Konzept der Fremdenlegion dem Geist des nationalen Zeitalters widersprach, welcher auf den Bürgersoldaten und die national homogene Armee abzielte. Allerdings weist Michels zu Recht darauf hin, dass es damit in der Praxis der meisten europäischen Gesellschaften nicht weit her war, da man sich relativ einfach von der Wehrpflicht freikaufen konnte, vorausgesetzt, man verfügte über die nötigen Mittel.

In ihrer sozialen Zusammensetzung unterschieden sich die reguläre Armee und die Fremdenlegion daher kaum voneinander. In beiden Organisationen überwog, sieht man von den Offiziersrängen ab, der Anteil der Unterprivilegierten und Abgehängten. Daran dürfte sich bis heute kaum etwas geändert haben, auch wenn es nicht populär ist, das zu konstatieren.

Tatsächlich stellten bis in die frühen 1960er Jahre Deutsche meist das grösste Kontingent der Fremdenlegion. Wobei die Beweggründe zeitbedingt variierten. Verpflichteten sich in den 1930er Jahren vor allem aus Deutschland Geflüchtete, die ab 1939 gegen das Naziregime und seine Verbündeten zu den Waffen griffen, war die Truppe nach 1945 ein Sammelbecken kampferprobter ehemaliger Wehrmacht- und SS-Soldaten sowie sonstiger NS-Kollaborateure, denen der Einsatz in den französischen Kriegen in Vietnam (1946–1954) und Algerien (1954–1962) nicht nur ein Einkommen sicherte, sondern auch die Strafverfolgung in der Heimat ersparte.

Dass man sich allerdings auch hier vor Schablonendenken hüten sollte, zeigt das von Michels angeführte Beispiel eines ehemaligen Konzentrationslagerhäftlings, der nach 1945 seine Heimat in der Fremdenlegion fand, da ihm eine mit aller Kraft nach Normalisierung strebende Nachkriegsgesellschaft nicht als der richtige Platz erschien.

Ein Modell mit Zukunft

Das Ende des französischen Kolonialreiches bedeutete nicht das Ende der Fremdenlegion. Ausgerechnet die Regierungsjahre des sozialistischen französischen Präsidenten Mitterrand brachten ihre personelle und materielle Stabilisierung. Zwar ist die Truppe heute mit rund 7000 Mann nur noch ein Bruchteil dessen, was sie während ihrer «goldenen Jahre» von 1920 bis 1950 darstellte – zur Hochphase des Indochinakriegs hatte die Fremdenlegion rund 36 000 Soldaten umfasst. Doch kommt ihr weiterhin ein fester Platz im Gefüge der französischen Armee und auch der Nation zu, nicht zuletzt aufgrund ihrer Einsätze im Ersten Irakkrieg 1990/91, in Afghanistan (bis 2012) oder gegenwärtig in Mali und der Sahelzone im Kampf gegen al-Kaida.

Für die Zukunft hat das Modell Fremdenlegion in Michels Augen somit alles andere als ausgedient. Bietet es doch insbesondere hinsichtlich seiner internationalen Rekrutierungsmechanismen – das Gros der Fremdenlegionäre stammt heute aus Mittel- und Osteuropa sowie Lateinamerika – Antworten auf die militärischen Herausforderungen, mit denen sich die postheroischen Wohlstandsgesellschaften des Westens in einer zunehmend konfliktgeladenen Welt konfrontiert sehen.

Und noch in einem weiteren Punkt lässt sich die Modernität des Prinzips Fremdenlegion konstatieren, wenngleich Michels darauf nicht ausdrücklich eingeht. Die Zahl derjenigen Staaten, die ihre Kriege und bewaffneten Konflikte von privaten beziehungsweise semistaatlichen Söldnertruppen mehr oder weniger verdeckt durchführen lassen, nimmt seit Jahren zu. Jüngste Beispiele sind die von Russland und der Türkei gesteuerten Söldnerverbände in Syrien und Libyen. Auch in dieser Hinsicht erweist sich das knapp zwei Jahrhunderte alte Modell der Fremdenlegion heute als erschreckend zeitgemäss.

Eckard Michels: Fremdenlegion. Geschichte und Gegenwart einer einzigartigen militärischen Organisation. Herder-Verlag, Freiburg im Breisgau 2020. 463 S., Fr. 56.90.

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