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Die Expertin bestätigt: Es trennen sich wirklich gerade viele Paare – das sind die Gründe

«You Are So Not Invited to My Bat Mitzvah» ist leider genauso platt wie alle Filme des Schauspielers, Produzenten und Vaters.

13 ist ein fieses Alter. Ich weiss das, weil ich mit 13 immer das Mädchen war, das im Turnen übrig blieb. Und auf dem Pausenplatz. Das Mädchen, dessen beste Freundin sich immer in Rekordzeit einer anderen besten Freundin zuwandte. 13 ist sowas wie die Vorhut jenes Mädchen-Mainstreams, für den Amerika das Maskottchen des Cheerleaders erfunden hat. Cheerleader sind der Horror schlechthin: sportlich, gut gelaunt, laut und gern in Gruppen unterwegs. Meine Vorstellung von Hölle.

Statt Liebe scheint zurzeit gerade Herzschmerz in der Luft zu liegen. Ob in Hollywood oder im persönlichen Umfeld: Alle scheinen sich gerade zu trennen. Die Beziehungsexpertin erklärt, woran das liegen könnte.

Kein Herz scheint momentan sicher zu sein: Dein bester Freund und seine Verlobte haben sich nach zehn Jahren getrennt, das Hollywood-Traumpaar schlechthin, Sofía Vergara und Joe Manganiello, will auch getrennte Wege gehen und vielleicht hast du sogar selbst Zweifel daran, ob deine Beziehung wirklich das Richtige ist für dich. Weil es einfacher ist, Emotionen zu rationalisieren, als sie wirklich zu fühlen, haben wir bei der Beziehungsexpertin nachgefragt, was gerade los ist.

Zur Person

Martina Rissi ist seit über zehn Jahren als Psychosoziale Beraterin tätig und führt ihre eigene Praxis namens «Liebesagentur» in Zürich. Ihr Hauptthema sind Liebesbeziehungen – in der Partnerschaft und zu sich selbst.

Zurzeit scheinen sich alle zu trennen. Liegt etwas in der Luft?
Martina Rissi: Diesen Eindruck teile ich. Bei mir in der Praxis sehe ich viele langjährige Pärchen, die sich aktuell trennen möchten. Und auch wenn es nicht gerade eine Trennung bedeuten muss, stellten die letzten Wochen viele romantische Beziehungen auf eine harte Probe.

Woran liegt das?
Hier können viele verschiedene Faktoren hineinspielen - aber es ist tatsächlich ein «klassischer» Moment, um Beziehungen zu beenden.

Wie meinen Sie das?
Ich beobachte, dass es im Jahresverlauf immer wieder Zeiten gibt, in welchen Paare sich vermehrt trennen wollen. So beispielsweise nach den Festtagen – im Januar und Februar – und auch im September und Oktober, wenn die gemeinsamen Sommerferien vorbei sind.

Wieso genau dann?
Ein Familienvater oder eine Mutter wird wahrscheinlich nicht direkt vor Weihnachten oder den gemeinsamen Sommerferien die Trennung aussprechen wollen. Hinzu kommt, dass Weihnachts- sowie Sommerferien mehr Stress für eine Paarbeziehung bedeuten, weil man mehr und intensiver Zeit miteinander verbringt – damit treten auch Probleme deutlicher hervor.

Lässt man sich von solchen «Trennungswellen» anstecken?
Ich glaube nicht, dass eine intakte Beziehung scheitert, weil rundherum viele Paare den Schlussstrich ziehen. Ich bin aber der Überzeugung, dass es Mut und Hoffnung machen kann, wenn man in seinem Umfeld oder in der Öffentlichkeit viele Menschen beobachtet, die sich gerade trennen. Das kann dann der letzte «Push» sein, die Entscheidung zu fällen, die einem davor schwerfiel.

Was sind in Ihren Expertinnenaugen erste Anzeichen dafür, dass ein Paar nicht längerfristig zusammenpasst?
Wenn die Werthaltungen, Lebenspläne und Ansprüche an die Beziehung weit auseinanderliegen, steht die Beziehung auf einem eher wackligen Fundament.

Was sind hingegen Zeichen dafür, dass es klappen könnte?
Förderlich für eine funktionierende Beziehung ist es, sich selber gut zu kennen und zu wissen, was einen glücklich macht sowie die Fähigkeit, sich dies auch selber zu geben. Unterstützend wirkt zudem, wenn beide Partner bereit und fähig sind, offen zu kommunizieren und an der Beziehung sowie sich selbst zu arbeiten.

Das sind aber einige Punkte...
Einfacher ausgedrückt braucht es zwei Menschen, die verstanden haben, dass eine Beziehung Arbeit erfordert und auch bereit sowie in der Lage dazu sind, etwas dafür zu tun.

Was sind die häufigsten Gründe für eine Trennung?
In der Praxis bekomme ich oft Dinge zu hören wie: «Er liebt mich zu wenig», «Sie versteht mich nicht» oder «Würde er mich lieben, würde er das doch anders machen.» Hier gilt es meiner Meinung nach etwas tiefer zu forschen: Wenn Themen, die unter dem Frust liegen, nicht frühzeitig und gründlich angesprochen und bearbeitet werden, können sich die Probleme bei zusätzlichem Beziehungsdruck – wie beispielsweise durch gemeinsame Kinder und fehlende Paarzeit – weiter zuspitzen. Was viele auch nicht wissen: Oftmals geht das Scheitern einer Beziehung viel mehr auf die eigenen Prägungsthemen zurück als auf den Partner.

Wie meinen Sie das?
Unbewusste Denk-, Beziehungs- und Verhaltensmuster aus unserer Vergangenheit – vor allem aus der Kindheit oder Ex-Beziehungen – beeinflussen unser Leben und ganz besonders unser Liebesleben. Wir wiederholen diese Muster unbewusst so lange, bis sie uns endlich bewusst werden und wir idealerweise aktiv an ihnen arbeiten. Ohne dies zu tun, ist es sehr wahrscheinlich, dass wir auch beim nächsten Partner wieder mit denselben oder ähnlichen Themen konfrontiert werden.

Wie ändert man diese Muster nachhaltig?
Grundsätzlich ist die Selbstbeobachtung und das damit verbundene Bewusstwerden von eigenen Verhaltensmustern im Zusammenhang mit negativen Emotionen unerlässlich. Hierbei kann die Begleitung durch eine Fachperson hilfreich sein, um auch sogenannte «blinde Flecken» aufzuspüren. Das Erkennen und Stillen unerfüllter Bedürfnisse aus der Vergangenheit ist sehr wirkungsvoll für die Selbstliebe - was die Basis einer jeden glücklichen Paarbeziehung bildet.

Und falls es doch nicht klappen will: Wie beendet man eine Beziehung?
Idealerweise kommt die Trennung ja nicht aus dem Nichts und es wurde bereits im Vorfeld ausgiebig und mehrfach über die Probleme und unerfüllten Bedürfnisse gesprochen, das Paar hat Veränderungen ausprobiert und diese auch nachbesprochen. Wenn trotz allen Bemühungen ein gemeinsamer Weg für eine Person unmöglich wird, ist es wichtig, in Ruhe das Gespräch zu suchen. Die Trennungsabsicht soll und darf darin klar zum Ausdruck kommen. Über die Umsetzung der Trennung sollen beiden Partner mitreden dürfen. Nicht selten lohnt sich auch eine Trennungsberatung – gerade, wenn Kinder involviert sind.