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Die demokratische Partei steuert auf die grosse Katastrophe zu

Bloomberg, Warren, Sanders, Biden, Buttigieg und Klobuchar: Fünf von ihnen stehen hinter den Super-Delegierten. Bild: EPA

Analyse

Die demokratische Partei steuert auf die grosse Katastrophe zu

Wird am Ende gar nicht derjenige Kandidat nominiert, der die meisten Stimmen holt? Dieses Szenario ist gut möglich. Trump reibt sich bereits die Hände.

Die USA befinden sich im Vorwahl-Fieber. Sowohl die Demokraten als auch die Republikaner bestimmen in den kommenden Wochen ihren Kandidaten für die Wahlen im Herbst. Auf beiden Seiten sind die Wahlbeteiligungen bisher hoch.

Bei den Republikanern ist der Fall klar: Donald Trump hat die Parteibasis hinter sich vereint. Im Bundesstaat New Hampshire erzielte er ein Top-Ergebnis. Obschon er gar keinen ernstzunehmenden Gegenkandidaten hat, strömten die Republikaner für ihn an die Urne. Noch nie konnte ein amtierender US-Präsident seine Basis derart gut mobilisieren. Wenn es einen Beweis brauchte, dass es schwierig wird, Trump zu schlagen, dann wurde er spätestens jetzt geliefert.

Sanders mit grossem Vorsprung – doch ist er gross genug?

Deutlich weniger einig sind sich die Demokraten. Das Feld ist nach wie vor gross, nicht weniger als sechs Kandidaten dürfen sich noch Chancen ausrechnen. Dennoch kristallisiert sich so langsam aber sicher ein Favorit heraus: Es ist Bernie Sanders.

Der unverwüstliche Senator aus Vermont hat nicht nur bei den ersten beiden Vorwahlen gut abgeschnitten, er liegt auch bei den nationalen Umfragen vorne. Mittlerweile gar mit deutlich mehr als zehn Prozentpunkten. Stand heute ist Sanders der beliebteste Kandidat unter den demokratischen Wählern. Dies dürfte auch nach den Vorwahlen in Nevada, welche am Samstag stattfinden, so bleiben. Der 78-Jährige hat auch hier überzeugende Umfragewerte.

Führt die Umfragen deutlich an: Bernie Sanders. Bild: AP

Die Chancen, dass Sanders nach den Vorwahlen die meisten Stimmen und die meisten Delegierten für sich verbuchen kann, stehen gut. Doch das heisst noch nicht, dass er gegen Trump antreten darf.

Denn der Kandidat der Demokraten wird erst Mitte Juni an der «Democratic National Convention» in Milwaukee bestimmt. Und dort könnte auf Sanders eine böse Überraschung warten. Wobei: Überraschen dürfte es ihn nicht wirklich, da er das Nominations-System bestens kennt.

Und das funktioniert so:

Der Konvent könnte Sanders übersgehen

Aufgrund dieses Systems ist es möglich, dass am Ende ein Kandidat nominiert wird, der gar nicht die meisten Stimmen in den Vorwahlen geholt hat. Dann nämlich, wenn sich die Super-Delegierten absprechen und den gleichen Kandidaten unterstützen.

Bereits 2016 wurde an diesem Vorgehen Kritik laut. Sanders-Anhänger befürchteten, dass die Super-Delegierten Hillary Clinton wählen würden. In der Folge wurde das System angepasst: Dieses Jahr dürfen die Super-Delegierten erst in einem zweiten Wahlgang antreten, nicht bereits im ersten.

Obschon die Macht der Super-Delegierten etwas eingeschränkt wurde, fürchten sich die Sanders-Anhänger auch dieses Jahr wieder vor ihnen. Natürlich, es dauert noch lange, bis alle Staaten gewählt haben, doch das Szenario, dass Sanders die meisten Stimmen holt, aber nicht die nötigen 50 Prozent, ist derzeit durchaus wahrscheinlich.

Und über eines, da waren sich die demokratischen Kandidaten – ausser Sanders – bei ihrer letzten TV-Debatte einig: Derjenige mit den meisten Stimmen soll nicht automatisch nominiert werden. Sprich: Die Super-Delegierten sollen gemäss Klobuchar, Biden, Buttigieg, Bloomberg und Warren ein Wörtchen mitreden dürfen. Letztere hat ihre Meinung dazu übrigens plötzlich um 180 gedreht.

Grosser Bruch droht

Die demokratische Partei steuert so auf eine Katastrophe zu. Wird Sanders vom Konvent nicht nominiert, obschon er die meisten Unterstützer hat, könnte es zum grossen Bruch in der Partei kommen. Die Sanders-Unterstützer, welche sich bereits im Jahr 2016 von der Partei-Elite verraten gefühlt haben, dürften den Demokraten endgültig den Rücken zuwenden. «Die Partei bräuchte Jahrzehnte, um sich davon zu erholen», mutmasst Barack Obamas ehemaliger Kampagnen-Manager David Plouffe.

Der einflussreiche linke Podcast-Moderator Kyle Kulinski kündigte bereits an, dass sich Millionen von Sanders-Fans auf die Strasse begeben würden, falls der Konvent ihm die Nomination wegnehmen würde.

Trump freut sich

Donald Trump reibt sich derweil genüsslich die Hände und schlachtet die Uneinigkeit in der demokratischen Partei aus. Auf Twitter schrieb er, dass die demokratischen Vorwahlen «manipuliert» seien. Der Konvent schiebe Überstunden, um die Nomination von Sanders wegzunehmen.

Trump sieht eine Win-Win-Situation: Wird Sanders am Konvent übergangen, bleiben wohl viele seiner Fans bei den Wahlen im November der Urne fern. Wird Sanders nominiert, freut sich Trump sowieso. Der Präsident würde liebend gerne gegen Sanders antreten, zumal er dem linken Senatoren aus Vermont deutlich weniger Kreidt gibt als einem moderaten Kandidaten.

Ob Sanders wirklich keine Chance gegen Trump hätte, darf angezweifelt werden. Klar hingegen ist: Die Demokraten steuern auf ein Horror-Szenario zu – es droht der grosse Bruch – und der Präsident ist momentan der Profiteur.

So schimpft Bernie Sanders über Donald Trump

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