Switzerland

Die Corona-Krise versetzt der Modebranche einen harten Schlag – Rabattschlacht erwartet

In Deutschland geraten Modeketten in Nöte. Auch im Internet wird derzeit weniger Kleidung bestellt. Wie trifft die Krise Schweizer Modegeschäfte?

Die Modebranche hatte schon vor der Corona-Krise zu kämpfen und ist in der gegenwärtigen Ausnahmesituation besonders exponiert.

Die Modebranche hatte schon vor der Corona-Krise zu kämpfen und ist in der gegenwärtigen Ausnahmesituation besonders exponiert. 

Annick Ramp / NZZ

Die Zürcher Modekette Chicorée hat einen internen TV-Kanal aufgebaut, um den Sorgen und dem Informationsbedürfnis der Mitarbeiter zu begegnen. Kommunikation sei das Wichtigste in der Krise, sagt Jörg Weber, Chef und Gründer der Discount-Modekette. Gleich nachdem die Läden geschlossen werden mussten, habe er seinen 850 Angestellten versichert, dass der Lohn im April garantiert sei und es während des Lockdowns keine Entlassungen gebe.

Der Firmenchef, der das Unternehmen mit seinen beiden Söhnen führt, blickt auf eine turbulente Zeit zurück. Er hat Notfallpläne ausgearbeitet, mit Banken verhandelt, Kurzarbeit beantragt und Verhandlungen mit Vermietern geführt. Rund ein Drittel der Vermieter habe die Miete erlassen, sagt Weber. Nur ein paar wenige hätten zurückhaltende Bereitschaft zur Verhandlung gezeigt.

Preisnachlässe auf Frühjahrskollektion 

Die Miete macht einen grossen Teil der Fixkosten aus, die der Modehändler in diesen Wochen weiterhin tragen muss, ohne auch nur einen Franken einzunehmen. Zudem stapelt sich in den Lagern die gelieferte Frühlingskollektion, die nun in diesem Jahr nur noch teilweise verkauft werden kann. Der Warenfluss funktioniere aber nach wie vor, sagt Weber. Das Familienunternehmen nutzt die Zeit, um einige der 164 Filialen umzubauen. Man habe genügend Reserven gebildet, um noch eine längere Periode durchstehen zu können, sagt Weber. Er hofft, dass die Geschäfte bald wieder öffnen können.

Sobald in den Läden wieder schrittweise Normalität einkehrt, dürften viele Modegeschäfte auf Preisnachlässe setzen. Denn die gelieferten Frühjahrskollektionen, die sich in den Lagern anhäufen, verlieren rasch an Wert. «Wir müssen mit einer nie da gewesenen Rabattschlacht rechnen», sagt Michael Goldener, Mitglied der Geschäftsleitung von Goldener Mode in Appenzell. Schon jetzt seien die Rabatte in den Online-Shops zum Teil erheblich. Wenn die Geschäfte die Preise stark reduzierten, um nicht zuletzt Liquiditätsengpässen zu begegnen, schmälere dies die ohnehin niedrigen Margen in der Branche.

Esprit und Tom Tailor in Schwierigkeiten

Die Modebranche hatte bereits vor der Corona-Krise zu kämpfen. Grosse und kleine Ketten, Discounter und Anbieter von Luxusmode – sie alle stehen mehr oder weniger stark im Gegenwind. In der Schweiz sind Modefirmen wie Charles Vögele, Yendi oder Blackout verschwunden. Der seit Jahren anhaltende Strukturwandel dürfte sich weiter verschärfen, beschleunigt durch die temporären Zwangsschliessungen und die verschlechterte Konsumentenstimmung. Das Hilfspaket des Bundesrats soll verhindern, dass Firmen in Liquiditätsprobleme geraten. Wie gut dies gelingt, hängt vor allem davon ab, wie lange die Ausnahmesituation anhalten wird.

In Deutschland häufen sich bereits Meldungen von Modeketten, die in Schwierigkeiten stecken. Die Corona-Krise bringt die seit Jahren schwächelnde Modefirma Tom Tailor erneut in Bedrängnis. Das Unternehmen teilte mit, es stehe vor erheblichen Liquiditäts- und Finanzierungsrisiken und wolle staatliche Hilfe beantragen. Esprit flüchtet sich in ein Schutzschirmverfahren, um eine Insolvenz zu vermeiden und das Unternehmen zu sanieren. Der deutsche Filialist Colloseum schliesslich hat diese Woche einen Insolvenzantrag gestellt. 

Die Modekette H&M gab am Freitag bekannt, dass der Umsatz im März währungsbereinigt um fast die Hälfte eingebrochen ist. Weltweit waren per Ende März drei Viertel der über 5000 Läden geschlossen. Für das zweite Quartal rechnet die Gruppe mit einem Verlust. Laut einer Umfrage der Unternehmensberatung Boston Consulting Group unter 25 Managern grosser Modefirmen wird ein Umsatzrückgang in diesem Jahr um 20 bis 25% erwartet; das operative Ergebnis dürfte um 35 bis 40% einbrechen. Im Online-Geschäft seien immerhin Umsatzsteigerungen von 10% möglich, was aber nicht ausreiche, die generellen Ausfälle wettzumachen. 

Auch Zalando spürt die Krise

Auch die Online-Modehändler werden von der Krise erfasst. Bei Zalando heisst es, die Massnahmen der Regierungen hätten sich in mehreren Ländern negativ auf das Geschäft ausgewirkt, weil die Konsumenten kurzfristig ihre Konsumausgaben einschränkten. Dass die Menschen weniger ausgeben und die Lust gering ist, sich in Zeiten von Social Distancing neu einzukleiden, zeigt sich auch an den rückläufigen Google-Suchanfragen nach Mode-Online-Shops.

Gleichzeitig suchen Modefirmen in der gegenwärtigen Lage verstärkt nach Möglichkeiten, um das Geschäft digital zu betreiben. Das in vierter Generation geführte Familienunternehmen Goldener Mode, das 130 Mitarbeiter in 13 Filialen beschäftigt, hat die Social-Media-Aktivitäten ausgebaut und bietet neu Online-Beratungen an. «Die Krise hat uns den nötigen Druck aufgesetzt, um im digitalen Bereich vorwärtszumachen», sagt Goldener. Das Verkaufspersonal berät die Kunden jetzt per Video, und die Kleidungsstücke werden nach Hause geliefert.

Gutscheinaktionen haben dem Unternehmen zusätzliche Liquidität verschafft. Mit diesen Massnahmen wurden je nach Filiale 10 bis 25% des Umsatzes gerettet. Dies reicht zwar längst nicht aus, um die hohen Fixkosten zu decken, doch das Modehaus hat genügend Liquidität, um bis August durchhalten zu können. Goldener erwartet, dass das Jahr für die Branche rabenschwarz ausfallen und die Konsumenten noch längere Zeit wenig ausgeben werden. Einfach hinnehmen will er dies allerdings nicht: «Wir müssen die Kunden mit viel positiver und kreativer Energie in Kaufstimmung versetzen.»

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