Switzerland

«Die Chancen auf Mietentschädigung fürs Home Office stehen gut»

Haben Arbeitnehmer im Home Office Anspruch auf Entschädigung? bild: shutterstock

Interview

«Die Chancen auf Mietentschädigung fürs Home Office stehen gut»

Ein Bundesgerichtsentscheid von 2019 sorgt momentan für Aufsehen: Ein Arbeitgeber wurde dazu verdonnert, einem Angestellten einen Teil seiner Miete zu bezahlen, weil dieser im Home Office tätig war. Arbeitsrechtlerin Romina Carcagni sieht durchaus Chancen für eine Entschädigung in Coronazeiten.

Frau Carcagni, ich arbeite wie viele andere auch Corona-bedingt seit März im Home-Office. Kann ich meinem Arbeitgeber nun einen Teil meiner Wohnungsmiete in Rechnung stellen?
Romina Carcagni:
Das ist nicht ganz klar, auch nicht mit dem Bundesgerichtsurteil vom letzten Jahr. Denn der besagte Fall, der in den letzten Tagen in den Medien diskutiert wurde, unterscheidet sich stark von der jetzigen Corona-Situation.

Inwiefern?
Es ging damals um einen Arbeitnehmer, der über gar keinen Arbeitsplatz im Unternehmen verfügte. Es war von Anfang an klar, dass er nur von Zuhause aus arbeiten wird und das war nicht nur vorübergehend, sondern dauerhaft. Heute ist es aber so, dass das «Corona-Home-Office» neben dem Arbeitsplatz im Betrieb besteht. Zudem stellen es viele Arbeitgeber den Angestellten frei, ob sie in ihren eigenen vier Wänden oder am Arbeitsplatz im Büro arbeiten wollen.

Empfiehlt der Bundesrat nicht allen, die Home Office machen können, dies auch zu tun?
Es gibt eine offizielle Empfehlung des Bundesamtes für Gesundheit, ja. In der Notverordnung des Bundesrates gibt es jedoch keinen Home-Office-Zwang. Lediglich besonders gefährdete Personen können unter Umständen einen Anspruch auf Home Office geltend machen.

Trotzdem gibt es Arbeitgeber, die vorübergehend eine Home-Office-Pflicht eingeführt haben.
Das stimmt. In solchen Fällen ist es sicher vertretbar, über eine Entschädigung für den Arbeitnehmer zu sprechen.

Was müsste man tun, um eine solche Entschädigung zu erhalten?
Man sollte in einem ersten Schritt das Gespräch mit den Vorgesetzten suchen. Ich wäre allerdings vorsichtig mit der Forderung eines bestimmten Betrags. Man kann das Anliegen beim Chef platzieren, und dann warten, was zurückkommt.

Romina Carcagni Roesler ist Partnerin der Streiff von Kaenel AG. Sie ist seit 2004 als Rechtsanwältin tätig, mit Spezialisierung im Arbeitsrecht und öffentlichen Personalrecht. bild: zvg

Die Erfolgsaussichten dürften wahrscheinlich nicht sehr rosig sein.
Doch, Erfolgsaussichten bestehen durchaus. Bezahlt der Arbeitgeber bis jetzt keinerlei Entschädigung fürs Home Office, verlangt aber, dass die Angestellten von Zuhause aus arbeiten, dann stehen die Chancen gut. Dem Arbeitnehmer wird schliesslich einiges abverlangt.

Kann ich auch einen richtigen Schreibtisch und einen Bürostuhl vom Chef fordern?
Das hängt von den Umständen ab. Wird längerfristig im Home Office gearbeitet, muss vermehrt darauf geachtet werden, dass der private Arbeitsplatz ergonomisch eingerichtet ist. Hier ist aber auch Eigenverantwortung der Angestellten gefragt, denn der Arbeitgeber kann ja keine Kontrollen bei ihnen zuhause durchführen. Wenn neues Mobiliar angeschafft werden muss, weil der private Arbeitsplatz – vor allem bei intensiver und längerfristigen Nutzung – nicht den Gesundheitsvorschriften entspricht, sollte sich der Arbeitgeber an den Kosten beteiligen. Trotzdem: Der Arbeitgeber ist nicht dazu verpflichtet, jedem ein ideales Büro bereitzustellen.

Nichtsdestotrotz sagen Sie, dass die Chancen auf Mietentschädigung gut stehen. Von welchen Beträgen sprechen wir hier?
Von sehr Bescheidenen. Im Bundesgerichtsentscheid vom letzten Jahr musste der Arbeitgeber 150 Franken monatliche Entschädigung bezahlen. Wie die Gerichte allerdings zu diesem geschätzten Betrag gekommen sind, bleibt unklar. Ich würde also davon abraten, ein sonst gutes Verhältnis zum Arbeitgeber aufgrund dieser doch eher kleinen Summe aufs Spiel zu setzen.

Es droht nun also keine Klagewelle in der Schweiz.
Wahrscheinlich nicht, nein.

Ändert sich mit diesem Gerichtsentscheid etwas für die gross vorausgesagte Zukunft des Home Office?
Der Entscheid und die Diskussionen dazu bewirken sicher ein höheres Bewusstsein für die rechtlichen Fragen rund um das Home Office. Viele Arbeitgeber sehen, dass Klärungsbedarf besteht und führen neue Regelungen ein. Zu bedenken ist allerdings, dass wenn das Corona-bedingte Home Office vorbei ist und Arbeitnehmer, die im Betrieb einen Arbeitsplatz haben, aus eigenem Wunsch im Home Office arbeiten, auch der Anspruch auf Mietentschädigung vom Tisch ist.

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Nicht mehr anzeigen

Anti-Lockdown-Proteste in Spanien

So wirkt sich eine Maske auf die Verbreitung von Viren aus

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Landesweite Störung bei der Swisscom – Mobilnetz war mehrere Stunden down

Auf dem Swisscom-Netz ist es am Dienstagmittag zu einer gravierenden Panne gekommen. Ab dem frühen Mittag war das Telefonieren über das Mobil- und Festnetz beeinträchtigt, wie die Swisscom am Dienstagmittag bestätigte.

Die Services des Telekomunternehmens stünden seit 14.55 Uhr wieder zur Verfügung, teilte die Swisscom am Dienstagnachmittag mit. Das Telefonieren über das Swisscom-Mobil- und Festnetz war am Dienstag ab etwa 11.50 Uhr in vielen Regionen der Schweiz beeinträchtigt gewesen.

Die …

Link zum Artikel

Football news:

Mario Gomez, Pizarro, Emre, lomberts und andere Helden, die in diesem Sommer Ihre Karriere beendet haben
Dyer disqualifiziert für 4 Spiele für einen Kampf mit einem Fan auf der Tribüne
Georginho ist unzufrieden, dass er in Chelsea wenig spielt. Sarri will ihn zu Juventus einladen
Die verrückte Geschichte eines Schiedsrichters, der die Regeln vergessen hat und 16 zusätzliche Elfmeter gesetzt hat. Alles wegen der neuen Regeln der Serie
Havertz hat Bayer mitgeteilt, dass er gehen will. Chelsea ist bereit, dafür 70+30 Millionen Euro zu zahlen
Spartak Moskau-Lokomotive: wer gewinnt?
Raphael Leau über den Sieg gegen Juve: alle Milan-Spieler kämpften um jeden Ball