Switzerland

Die Berner Handball-Clubs: Geteiltes Leid

Wacker Thun und der BSV trennen sich in einem spannenden, aber keineswegs hochklassigen Derby 26:26. Die Partie offenbart die Defizite der Berner Teams.

Greifen nach dem Ball – aber noch nicht nach den Sternen: Samuel Weingartner und Janick Sorgen (rechts).

Greifen nach dem Ball – aber noch nicht nach den Sternen: Samuel Weingartner und Janick Sorgen (rechts).

Foto: Markus Grunder

Es ist bloss eine Aktion. Aber sie sagt eine ganze Menge aus.

Nach 40 Minuten ist Lukas von Deschwanden dabei, das Feld zu verlassen. Er läuft auf die Bank zu, wird langsamer und registriert, dass sich keiner erhebt, der ihn ersetzen soll. Er macht kehrt und spielt weiter.

Es handelt sich um ein Missverständnis, der Urner deutet ein Zeichen falsch, wie er später aufklären wird. In einer Begegnung zweier formsuchender Mannschaften hat die Szene in vielerlei Hinsicht Symbolcharakter. Wenig glückt – und zwar beiden Equipen.

Der Rückkehrer macht eine gute Partie; mit acht Treffern ist er Wackers bester Skorer. Aber in jener Phase benötigte er eine Pause, gerade gelingt ihm wenig. Doch die Bank enthält kaum einsetzbare Akteure. In der 3. Minute fiel Ivan Chernov verletzt aus. Das Talent aus dem eigenen Nachwuchs hatte beginnen dürfen, weil mit Nicolas Raemy, Ron Delhees und Damien Guignet gleich drei Leute nicht zur Verfügung standen, welche ihm im rechten Rückraum vorgezogen würden. Nun fehlen Martin Rubins Team insgesamt sechs Spieler, darunter vier Linkshänder.

Ihr in der jüngeren Vergangenheit grösstes Problem sind die Thuner nicht losgeworden. Viel hatten sie im Sommer investiert, damit sie nicht länger auf einen beträchtlichen Teil des Kaders verzichten müssen. Mithilfe einer App etwa wird die Belastung gesteuert, sodass keiner mehr tut, als er sollte. Der Effekt – er bleibt bislang aus.

Das Berner Derby war in den letzten Jahren oftmals nicht bloss das Duell der Kantonsrivalen, sondern auch gleich Spitzenkampf. Gegenwärtig werden die meistbeachteten Begegnungen woanders ausgetragen, in Schaffhausen und Winterthur natürlich, neu aber auch in Aarau und Kriens. Zumindest die vier betreffenden Clubs sind momentan stärker als die hiesigen.

Das Aufeinandertreffen offenbart, weshalb sich Wacker und der BSV schwertun. Die Thuner spielen in der ersten Hälfte gross auf, sie dominieren bisweilen, auch weil mit von Deschwanden, Marc Winkler, Jonas Dähler, Luca Linder und Reto Friedli die Granden des Ensembles überzeugen. Einen 5-Tore-Vorsprung geben die Hausherren nach der Pause vor 420 Zuschauern im Nu preis. Ihre Deckung funktioniert nicht länger, immer wieder können die Stadtberner aus nächster Nähe abschliessen. Zudem vermögen diese insgesamt zehn Penaltys zu provozieren.

Simon Schelling, Schlussmann des BSV, findet in die Partie, die Oberländer scheitern nun häufig an ihm. Die Wurfquote beider Teams liegt unter 60 Prozent. Das ist zu wenig. Von Deschwanden sagt, es sei auch nach der Pause gelungen, gute Chancen zu kreieren. Bloss hätten sie diese nicht mehr oft genug genutzt.

Simon Getzmann schiesst in der Schlussminute den Ausgleich – abermals behält der frühere Wacker-Spieler in der finalen Phase eines innerkantonalen Duells als Siebenmeterschütze die Nerven. Im Grunde sei der eine Punkt für beide Clubs nach dem schlechten Saisonstart zu wenig, sagt er. Laut dem Linkshänder hat sich das Derby nicht immer wie eines angefühlt, möglicherweise auch wegen der pandemiebedingten Umstände. Die Thuner nimmt er als nicht mehr ganz so bissig wahr wie in früheren Jahren; er meint das aber nicht wertend.

Auch von Deschwanden weiss nicht recht, wie er einzuordnen hat, was während der 60 Minuten passiert ist. Hätten zwei Punkte resultiert, würde er von einem geglückten Saisonauftakt sprechen, erzählt der 31-Jährige. Nun, da einer fehle, sei es nicht automatisch ein schlechter.

Das triffts ganz ordentlich: Schlecht sind die Berner Teams nicht. Aber eben auch nicht gut genug.

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