Switzerland

Die älteste Buchhandlung von Zürich schliesst ihre Türen

Das Lädelisterben in Zürich fordert ein prominentes Opfer: die traditionsreiche Buchhandlung Beer. Die Inhaberin musste den Standort an der St. Peterhofstatt aufgeben.

Die verschneite St. Peterhofstatt am Samstag: Die Gittertüre der seit mindestens 1832 bestehenden Buchhandlung Beer bleibt unten.

Die verschneite St. Peterhofstatt am Samstag: Die Gittertüre der seit mindestens 1832 bestehenden Buchhandlung Beer bleibt unten.

Christoph Ruckstuhl / NZZ

Goethe traf im Jahr 1799 an diesem lauschigen Ort Johann Caspar Lavater. Und es ist kein Zufall, dass hier die Robert-Walser-Gasse beginnt. Der Zürcher Schriftsteller war der Spaziergänger schlechthin. Wo, wenn nicht an der St. Peterhofstatt, kann der Flaneur seine Bestimmung erfüllen? Sein Blick schweift vom idyllischen Platz durch die pittoresken Gassen; kein Wunder, dienten sie dem Film «Oberstadtgass» von 1956 als Kulisse. Vielleicht bleibt der Blick an einem Plakat der Buchhandlung Beer hängen, das hier einst angebracht war: «Man kann im Leben auf vieles verzichten, aber nicht auf Katzen und Literatur.»

Doch nun muss man ausgerechnet an einem solch poetischen Ort ohne Lektürenachschub auskommen. Die Buchhandlung Beer, die zum Inventar der Altstadt gehört hat, ist zu. Sie konnte bis Ende Dezember den Titel der wohl ältesten, am selben Ort noch bestehenden Bücherei in der Stadt für sich in Anspruch nehmen.

In den letzten Tagen des Jahres 2020, weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit, musste die Traditionsbuchhandlung ihre Türen an der St. Peterhofstatt schliessen. Damit gehört sie zu einer Reihe von Buchhandlungen und Geschäften in Zürich, welche dem Lädelisterben anheimgefallen sind. Schon vor 15 Jahren verschwand etwa die vis-à-vis gelegene Kleinbuchhandlung mit Märchen- und Sagenbüchern.

Vor der Gründung der Universität eröffnet

Der altehrwürdige Laden an der St. Peterhofstatt 10 ging aus der 1791 gegründeten Verlagsbuchhandlung Schulthess hervor. Bei Schulthess veröffentlichten etwa der Gestalter der Quai-Anlagen Arnold Bürkli, Gottfried Semper oder Richard Wagner. 1832 nannte Friedrich Schulthess seine Firma «Schulthess’sche Buchhandlung und Buckdruckerei», einige Zeit später sollte er an der Entstehung des Schweizerischen Buchhändlervereins beteiligt sein. Im selben Jahr trat der Buchhändler Salomon Höhr als Teilhaber in das Geschäft ein, ab 1836 führte er es allein.

Neben der von Orell, Gessner, Füssli & Co. im Haus Elsässer im Niederdorf betriebenen Buchhandlung gehörte es zu den frühen Läden dieser Art in Zürich. Es lebte von der Nähe zur 1833 im einstigen Augustinerkloster am Fröschengraben gegründeten Universität. Professoren und Studenten kauften hier ein. Höhr verlegte ebenfalls Bücher, und so publizierte etwa die Schriftstellerin Ricarda Huch in diesem Verlag 1892 ihre Dissertation. 1893 übernahm Robert Beer die Buchhandlung und gab ihr 1909 den heutigen Namen. So ist es im literarischen Stadtführer «Zürich, du mein blaues Wunder» nachzulesen.

Die elegante Buchhandlung Beer an der St. Peterhofstatt ist Geschichte.

Die elegante Buchhandlung Beer an der St. Peterhofstatt ist Geschichte.

PD

Doch zurück in die Gegenwart: Die Inhaberin des Bücherladens, Ursula Piffaretti, bedauert, dass sie ihr Geschäft an dem angestammten Ort schliessen musste. «Ich finde es sehr schade», sagt sie. «Es war eine speziell schöne Buchhandlung – eine Oase am schönsten Platz von Zürich, mit friedlicher und doch anregender Atmosphäre –, dem Geistesleben verpflichtet.» Aber sie sei nun über achtzig Jahre alt und erleichtert, die Verantwortung nicht mehr tragen zu müssen.

Die Schliessung habe nichts mit den Anti-Coronavirus-Massnahmen zu tun, sagt Piffaretti. Während des Shutdowns im Frühling war das Geschäft zwar geschlossen. Jedoch konnten die Buchhändlerinnen täglich Bücherpakete versenden. Auch unter schwierigen Umständen habe man Umsatz machen können, betont Piffaretti. Der Entscheid, das Geschäft zu übergeben, sei schon vor zwei Jahren gefallen.

Die Suche nach einer Nachfolge habe sich als schwierig erwiesen. Nun wurde mit der Buchhandlung am Goetheanum in Dornach eine Lösung gefunden; die Buchhandlung Beer wird nun dieser als Zürcher Filiale angegliedert. Von dem ursprünglich breiten Sortiment, angefangen bei Belletristik über Lehrmittel und Kinderbücher bist zu touristischen Erscheinungen, wird einzig die anthroposophische Abteilung in einem neuen Lokal weitergeführt.

Das Personal musste sich anderweitig umsehen. Zwei der einstigen Buchhändlerinnen haben schon vor einiger Zeit eine neue Stelle gefunden, zwei weitere Mitarbeiter musste Piffaretti per Ende 2020 entlassen. Der Standort der neuen Buchhandlung unter dem alten Namen Beer befindet sich an der Napfgasse im Niederdorf, direkt neben dem Café Schober. Dort sei die Passantenlage attraktiv, was einen Vorteil gegenüber vorher darstelle.

Miete zu hoch

Der Standort des Ladens an dem verwunschenen Platz mitten in der Altstadt sei zwar sehr lauschig gewesen, aber für potenzielle Kunden nicht leicht sichtbar, sagt Piffaretti. Auch deshalb sei die Miete an der St. Peterhofstatt für eine klassische Buchhandlung, die sowieso unter der Online-Konkurrenz leide, zu hoch gewesen.

Das Lokal am ursprünglichen Standort wird wieder vermietet, noch ist aber unklar, an wen. Fest steht jedoch: Piffaretti muss das Ladenlokal auf Ende März räumen und verlassen. Sie hofft, dass sich die neue Buchhandlung im Niederdorf bis dahin etabliert haben wird.

Das dürfte nicht einfach werden. Die am neuen Ort zuständige Buchhändlerin Annett Bieli sagt, man werde ab dem 21. Januar wie geplant im Rahmen von Bestellungen und Versand für die Kundschaft zur Verfügung stehen. Doch angesichts des zweiten Shutdowns ist die für den 20. Januar geplante offizielle Eröffnung auf unbestimmte Zeit verschoben.

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