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Die Aargauer Schulpflege ist angezählt – darum kämpft ein überparteiliches Komitee für die Abschaffung

Es war gedrängt am Rednertisch im Aarauer Gasthof Schützen am Mittwochmorgen. Elf Co-Präsidentinnen und Co-Präsidenten des Komitees «2 x Ja zu einer zeitgemässen Schulführung» haben zur Medienkonferenz eingeladen. Für einmal werden in einem Abstimmungskampf in den kommenden Wochen und Monaten die Fronten nicht entlang der Parteigrenzen verlaufen, ausser der BDP und der EDU sind alle Grossratsparteien im Komitee vertreten. «2 x Ja zu einer zeitgemässen Schulführung» wirbt für den Umbau der Führungsstruktur an den Volksschulen, umstritten ist insbesondere die Abschaffung der Schulpflege. Die Vorlage kommt am 17. Mai vors Stimmvolk.

Die Gegenseite lanciert den Abstimmungskampf vor den Medien am 3. März. Das Komitee ist ebenfalls breit aufgestellt, Mitglieder sind unter anderem die Grossrätinnen Colette Basler (SP) und Maya Bally (BDP).

Der Gemeinderat soll die Aufgaben übernehmen

Anhand dreier Beispiele zeigte Ruth Müri die Schwerfälligkeit der heutigen Strukturen auf. «In der Praxis können sie durchaus funktionieren, sie bergen aber grosse Konfliktpotenziale», sagte sie. Die Schulpflegen nicht weiter zu führen ist denn auch kein neues Anliegen. Bereits bei der Einführung der Schulleitungen vor 14 Jahren sei vorgesehen gewesen, dass sie abgeschafft werden, sobald sich das neue Modell bewährt hat. «Wir müssen akzeptieren, dass sich die Schule über die Jahre entwickelt hat und sollten deshalb nicht an überholten Strukturen festhalten», sagte SP-Grossrat Thomas Leitch. Es sei höchste Zeit, den Schritt Richtung zeitgemässes Führungsmodell zu machen. Die professionellen Schulleitungen nähmen heute all die Tätigkeiten wahr, die bei der Schulpflege waren. «Der Schulpflege verbleiben strategische Aufgaben, die genauso gut vom Gemeinderat übernommen werden können», so Leitch.

Der Gemeinderat soll in Zukunft die Aufgaben der traditionellen Schulpflege übernehmen. Dadurch, dass Schulleitung und Gemeinderat zusammen die Schule vor Ort führten, würden die Entscheidungswege kürzer und  effizienter, führte Alfons P. Kaufmann, CVP-Fraktionspräsident im Grossen Rat aus.  «Wir sind überzeugt davon, dass sich der Gemeinderat für die Schulen einsetzen wird», sagte er.  Dies wohl nicht zuletzt weil mit den neuen Strukturen die gleiche Behörde, welche über die Schulstrategie entscheidet, auch die Kompetenzen über deren Finanzierung hat, wie der Grossrat der Grünliberalen Dominik Peter erklärte. Die Schulpflege hat keine Budgetkompetenz und der Gemeinderat entscheidet bis jetzt nicht über schulstrategische Fragen. «Dieses Dilemma kann zu Pattsituationen führen, die es zukünftig weniger geben wird», so Peter. Strategie und Finanzen bei der gleichen Stelle anzusiedeln funktioniere in der Privatwirtschaft seit langem und motiviere die Menschen, sich entsprechend zu engagieren.

Dennoch würde der Gemeinderat die Möglichkeit bekommen, Aufgaben zu delegieren. Vieles davon werde schon heute von den Schulleitungen übernommen, sagte Grossrätin Michaela Huser (SVP). Die Führungsstrukturen könnten in Zukunft  individuell und vor Ort angepasst werden, was ein wichtiger Schritt in Richtung effiziente und zeitgemässe Schulführung sei.

Kein Demokratieabbau – im Gegenteil

Die Gegner der Abschaffung der Schulpflege befürchten einen Demokratieabbau. Das Gegenteil werde geschehen, sagte Sabina Freiermuth, FDP-Fraktionspräsidentin im Grossen Rat. Schulpflegen würden mangels Interessierter häufig in Stiller Wahl gewählt. «Das ist aus unserer Sicht nicht besonders demokratisch.» Zudem müsse der Gemeinderat an jeder Gemeindeversammlung oder Einwohnerratssitzung Rechenschaft über sein Wirken ablegen. Auch die Befürchtungen, dass Mehrkosten entstünden, seien nicht berechtigt. «Es wird keine einzige neue Aufgabe geschaffen», sagte Freiermuth. Die Schulpflegen hingegen kosteten Geld, das zielgerichtet für die Schulen vor Ort eingesetzt werden könnte.

«Wir brauchen wirkungsvolle und effiziente Strukturen», sagte schliesslich Grossrätin Simona Brizzi (SP). Gelder sollen wirkungsvoll eingesetzt werden und der direkte Austausch zwischen Gemeinderat und Schulleitung gefördert werden. Denn: «Bildung ist unsere wichtigste Ressource», fasste die Jungfreisinnige Anna Staub schliesslich die Anliegen der Befürworter zusammen.

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