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Die Aarauer SP hat die Qual der Wahl: Wer zieht in den Aarauer Stadtrat ein?

Die Stunde der Wahrheit im Aar­auer Stadtratswahlkampf ist näher, als viele glauben. Weil der Sitzanspruch der SP unbestritten scheint und nur unverbesserliche bürgerliche Optimisten glauben, die SVP könne an der Partei-Zusammensetzung der Stadtregierung etwas ändern, dürfte der faktische Entscheid schon am Donnerstag, 25. März, fallen. Für dann ist die Generalversammlung geplant, an der die SP ihre Kandidatinnen und Kandidaten nominieren wird.

Die Bisherige Franziska Graf (49) gilt als gesetzt. Um den zweiten Sitz bewerben sich offiziell Silvia Dell’Aquila (44) und Oliver Bachman (42). Und es soll einen dritten Interessenten geben, der sich selber noch nicht geoutet hat.

Die Ausgangslage: Im Herbst 2017 gab’s im Stadtrat erstmals eine Mitte-links-Mehrheit. Mit einem freisinnigen Stadtpräsidenten. Unter Hanspeter Hilfiker hat sich der Stadtrat, so sagen mehrere Mitglieder, gut entwickelt. Wohl darum scheint auch in der SP niemand Lust zu haben, den Stadtpräsidenten anzugreifen – es wäre wohl auch chancenlos.

Die SP Aarau hatte in den letzten Jahren einen Lauf. Im Herbst schaffte sie bei den Grossratswahlen einen Stimmenanteil von 24,9 Prozent.

Die Regelung der Nachfolge von Daniel Siegenthaler sei vom aktuellen Sektionsvorstand sehr transparent angegangen worden, heisst es. Als Nächstes finden Gespräche der Interessenten mit der Findungskommission statt. Vier Wochen vor der GV muss der Vorstand einen Antrag formuliert haben. Ob er neben Franziska Graf einen oder zwei Kandidaten für wählbar erklären wird, ist offen.

Fest steht, dass am 24. März die Nomination erfolgen soll. Wegen Corona wird es möglicherweise eine hybride Veranstaltung geben (nur Vorstand und Kandidaten physisch präsent). Denkbar ist auch eine schriftliche Abstimmung. Die Partei steht nicht unter Zeitdruck. Die Wahlvorschläge für den ersten Wahlgang (26. September) können bis am Freitag, 13. August, 12 Uhr, eingereicht werden.

Vor einer Woche hat Oliver Bachmann mittels Medienmitteilung seine Ambitionen offen gelegt. Mit diesem ungewohnt forschen Vorgehen hat er sich in der Partei nicht nur Freunde geschaffen. Die AZ hat sich auf die Suche nach weiteren Interessenten gemacht. Grossrätin Lelia Hunziker winkte ab: «In einer Exekutive müssen die Entscheide und Haltungen kollegial getragen werden. Klare, pointierte, linke Politik liegt und reizt mich.»

Nie haben Parteimitglieder mehr Macht

Grossrätin Silvia Dell’Aqulia würde dagegen gerne Stadträtin: «Ja, ich habe bei der SP Aarau mein Interesse für eine Kandidatur angemeldet.» Sie hat bei den Grossratswahlen im Herbst überraschend das Spitzenresultat in der Stadt gemacht. Ihre Hypothek: 2017 hatte sie wild kandidiert, nachdem sie im parteiinternen Auswahlverfahren ausgebootet worden war. Seither war sie bei Parteianlässen, so sagen Genossen, kaum mehr präsent.

Für Oliver Bachmann spricht neben seiner politischen Vergangenheit sein beruflicher Rucksack. Und vor allem seine Herkunft. Er wohnt mit seiner Familie in einem Eigenheim in der Telli, einem grossen Quartier, das aber bei der Verteilung von Exekutivämtern regelmässig zu kurz kommt. Und: Bachmann könnte aufgebaut werden für eine allfällige Stadtpräsidenten-Kandidatur in vier oder acht Jahren – also für die Zeit nach Hilfiker (55).

Nie haben die Parteimitglieder (die SP Aarau hat 221) mehr Macht als bei Nominationen. Darum sind solche Prozesse anfällig für Eigendynamiken. Darum gibt es immer wieder Überraschungen. Für Spannung ist gesorgt.

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