Switzerland

Deutsche «Schliessungsdiskussionsorgie»: Es wäre falsch, das Skifahren in der Schweiz oder in Österreich zu verbieten

Aus Deutschland und anderen europäischen Ländern kommt Druck, die Skigebiete im Alpenraum bis Mitte Januar geschlossen zu halten. Aber der Wintertourismus hat eine Chance verdient.

Der Skitourismus ist in der Schweiz und in Österreich ein wichtiger Wirtschaftszweig.

Der Skitourismus ist in der Schweiz und in Österreich ein wichtiger Wirtschaftszweig.

Denis Balibouse / Reuters

Die Skipiste ist zum neuen Kampfgebiet für die «richtige» Corona-Politik geworden. In Deutschland drängen führende Politiker wie Bundeskanzlerin Merkel oder der bayrische Ministerpräsident Söder darauf, dass im ganzen Alpenraum die Skigebiete über die Weihnachtsferien zubleiben. Sie sind damit nicht allein. Vor Skiferien ihrer Landsleute fürchten sich auch der französische Präsident Macron und der italienische Regierungschef Conte. Über die EU will man jetzt ein Verbot koordinieren. Und in diesen Strudel könnte auch der Schweizer Wintertourismus hineingezogen werden.

Nach dem ersten Lockdown im Frühling hatte Kanzlerin Merkel das Wort von der «Öffnungsdiskussionsorgie» geprägt: Die Lockerungen gingen ihr zu schnell. Jetzt könnte man umgekehrt von einer «Schliessungsdiskussionsorgie» sprechen. Neu an ihr ist, dass man anderen Ländern sagen will, was sie zu tun oder zu lassen haben. Betroffen ist vorerst vor allem Österreich, das die Skipisten offen halten möchte. Kritik aus der EU wäre in diesem Fall fehl am Platz. So hat der EU-Abgesandte in Österreich erfrischend deutlich erklärt, Brüssel habe «keine Skifahrkompetenz» und könne und wolle hier nichts verbieten. Zuständig seien allein die Nationalstaaten.

Es geht also um ein nachbarschaftliches Powerplay: das grosse Deutschland sowie die ebenso gewichtigen Frankreich und Italien gegen das kleine Österreich – und womöglich bald auch gegen die kleine Schweiz. Die Druckversuche sind nicht nur anmassend, sie sind auch falsch. In der Corona-Pandemie hat sich mittlerweile hinreichend klar gezeigt, dass das Infektionsgeschehen auf lokaler Ebene bekämpft werden muss und kann. Gegenwärtig beweist dies etwa der Schweizer Föderalismus. Die besonders betroffenen Westschweizer Kantone haben schärfere Corona-Beschränkungen erlassen als die Deutschschweizer, und sie haben die Fallzahlen dadurch wieder deutlich heruntergebracht. Wissen und Handeln vor Ort sind entscheidend.

In Deutschland verkennt man wohl, dass Österreichs Regierung sehr wohl gehandelt hat. Mit einem neuerlichen «harten» Lockdown und Massentests will man die Pandemie bis Weihnachten wieder unter Kontrolle bringen. Der mehr oder weniger ausgesprochene Hintergedanke ist dabei, dass man die Wintersaison retten möchte. Der Skitourismus hat vor allem in Westösterreich wirtschaftlich eine viel grössere Bedeutung als in Deutschland und auch als in der Schweiz. Es wäre ein wenig, wie wenn man in Deutschland plötzlich die Automobilindustrie schliessen wollte.

Zudem haben die Wintertouristiker und die Behörden viel Aufwand in die Entwicklung von Schutzkonzepten gesteckt – das gilt sowohl für Österreich wie die Schweiz. Man sollte diesen Effort nicht kleinreden. Deutschland leidet zwar unter dem «Ischgl-Trauma», weil sich im Winter viele Landsleute im österreichischen Après-Ski-Ort mit dem Coronavirus ansteckten. Aber Après-Ski wird es dieses Jahr nicht geben, und auch Bergrestaurants werden heuer anders organisiert sein. Ferner dürfte eine Fahrt mit Maske in einer Gondel kaum gefährlicher sein, als sich in einen vollen Pendlerzug zu setzen. Dies tun auch in Deutschland gegenwärtig viele Menschen regelmässig.

Natürlich wird die deutsche Politik ihren Bürgern faktisch verbieten können, nach Österreich oder in die Schweiz in die Skiferien zu fahren, auch wenn die dortigen Skigebiete offen bleiben. Quarantänelisten reichen dazu als Hebel aus. Aber auch ein solches einseitiges «Verbot» wäre übertrieben. Die Winterferien erscheinen relativ sicher, und man kann es der Selbstverantwortung der Menschen überlassen, ob ihnen solche Ferien in dieser bedrückenden Corona-Zeit vielleicht auch guttun. Die deutsche Politik sollte sich wieder auf ein liberales Leitprinzip besinnen: So viele Freiheiten wie möglich und nur so viele Einschränkungen wie nötig.

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