Switzerland

Der Wald der Zukunft beherbergt vor allem kleine Bäume

Alte Baumbestände leiden unter dem Druck des Klimawandels, dabei sind sie unter anderem für die Speicherung von CO2 im Boden wertvoll: Garajonay National Park auf La Gomera (Spanien). Bild: keystone

Der Wald der Zukunft beherbergt vor allem kleine Bäume

Waldbrände, Insektenschäden und Dürren setzen den Bäumen im Zuge des Klimawandels stärker und häufiger zu. Ältere Pflanzen sind vom zunehmendem Baumsterben besonders bedroht.

Kleinere Bäume, offenere Bestände und niedrigere Biomasse: So sollen die Wälder Mitteleuropas laut einer neuen Studie künftig aussehen. Das wirkt sich auf das Klima aus. Weniger Biomasse heisst nämlich auch, dass weniger Kohlenstoff im Wald gespeichert wird.

Einerseits setzen Hitze, Trockenheit und Brände den Wäldern in Mitteleuropa immer häufiger zu. Andererseits zeugen Satellitendaten und Langzeitbeobachtungen von einem Ergrünen des Planeten. Nicht zuletzt aufgrund des steigenden Kohlenstoffdioxid-Gehaltes in der Atmosphäre wachsen Wälder heute schneller als noch vor einigen Jahren, wie die Technische Universität München (TUM) am Freitag mitteilte.

Doch die positiven Effekte werden die negativen in Zukunft nicht mehr aufwiegen können. Das zeigt eine Studie unter Beteiligung der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL, die am Freitag im Fachmagazin «Science» erschienen ist.

Die Biomasse der mitteleuropäischen Bäume wird in Zukunft vermutlich weiter abnehmen – mit Folgen für Flora, Fauna und die Menschen. Bild: AP

Negative Effekte überwiegen auch in Schweizer Wäldern

Das internationale Wissenschaftlerteam konzentrierte sich in der Literaturstudie auf verschiedene Faktoren, die die Altersstruktur von Wäldern beeinflussen. Dazu gehören Temperatur, der Kohlenstoffdioxidgehalt in der Atmosphäre, Luftfeuchtigkeit, Dürre, Waldbrände, Windwurf, Schädlinge und Landnutzung.

«Unsere Analysen zeigen, dass wir gerade einen Wechsel von überwiegend positiven Effekten des globalen Wandels hin zu einer Periode der wachsenden Limitierungen für Bäume erleben», sagte Rupert Seidl, Professor für Ökosystemdynamik und Waldmanagement an der TUM, in der Mitteilung.

Die WSL-Ökophysiologin Charlotte Grossiord, Co-Autorin der Studie, bestätigte die Einschätzung ihres Kollegen. «Auch im Falle der Schweiz ist das sehr zutreffend», sagte sie zur Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Beispielhaft würden dies die Hitzesommer 2018 und 2019 zeigen. Die extrem heissen und trockenen Perioden hätten Bäume in der ganzen Schweiz absterben lassen.

Die Wälder sind nicht nur Naherholungsgebiete, sondern sie produzieren auch Sauerstoff, säubern Trinkwasser und speicher Kohlendioxid im Boden mit ihren Wurzeln. Bild: AP/AP

Baumsterben geht weiter

Weil Störungen wie Waldbrände, Insektenschäden, Windwurfereignisse und Dürren im Zuge des Klimawandels stärker und häufiger vorkommen werden, gehe auch das Baumsterben weiter, sagte Seidl in der Mitteilung. Grosse und alte Bäume würden dabei besonders betroffen sein, weil sie etwa dem Wind stärker ausgesetzt seien und es für sie schwieriger sei, ihre Blätter kontinuierlich mit Wasser aus dem Boden zu versorgen.

Unter diesen Entwicklungen sinkt laut den Forschenden die Klimaschutzwirkung des Waldes. Aber auch andere Waldleistungen wie die Filterung von Trinkwasser oder der Schutz vor Naturgefahren wird nicht mehr gewährleistet sein.

«Die Veränderungen machen deutlich, dass wir radikale Lösungen brauchen, um unsere Wälder zu schützen», schloss Grossiord. «Dazu gehört auch und vor allem, unsere Emissionen fossiler Brennstoffe zu reduzieren.» (sda)

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Nicht mehr anzeigen

Natur schluckt Dorf

Feuer zerstört Zehntausende Hektar Land

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Für alle Skeptiker: Diese 6 neuen Grafiken zeigen die Klimaerwärmung

In der Arktis wüten derzeit aufgrund einer aussergewöhnlichen Hitzewelle die grössten Brände der Welt – auf einer Fläche von insgesamt mehr als 100'000 Hektaren. In der nördlichsten dauerhaft bewohnten Siedlung der Erde, dem nordkanadischen Alert, das weniger als 900 Kilometer vom Nordpol entfernt liegt, wurden am Sonntag 21 Grad Celsius gemessen. Die Durchschnittstemperatur für Juli liegt gewöhnlicherweise bei 3.4 Grad.

Auch die Schweizer Bauern jammern über die Folgen der Wetterextreme: Die …

Link zum Artikel

Football news:

Hakimi hatte in Dortmund eine Super Saison absolviert, gehörte zu Real Madrid und landete schließlich in Inter
Wenn Sie sich ausziehen, Essen Sie mit uns. Caramba darüber, wie Real-Spieler über Casillas scherzten
Hakimi wechselte von Real Madrid zu Inter Mailand
Icardi über Abgang von Inter: PSG ist ein Schritt nach vorne. Ich will Trophäen gewinnen
Giress über die Best-of-2019-Auszeichnung: Mané musste sich Messi geschlagen geben
Lovestory Totti und Hilari blazi: er widmete Ihr die Tore im Derby, Sie hielt ihn vom Wechsel zu Real ab (und skandalisierte mit Spalletti)
Eric Djemba-Djemba: Pogba und Brunu würden bei Scholze und Keane auf Lager sitzen