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Der Schalke-Krisenreport: «Die Mannschaft hat Gross hintergangen»

Am Sonntagmorgen knallts auf Schalke. Trainer Christian Gross ist nach nur zwei Monaten schon wieder weg. Alles dazu lesen Sie hier. Sonntagsblick hat schon zuvor die miserable Lage auf Schalke erfasst. Hier lesen Sie den Krisenreport!

Dieser Mann hat Nerven! Statt das schonungslos zu analysieren, redet Shkodran Mustafi (28) den Untergang auch noch schön. Er habe nicht das Gefühl gehabt, dass der VfB «seiner Mannschaft Probleme kreiert» habe. Und dass es kein Spiel gewesen sei, dass man 1:5 hätte verlieren müssen. Wie bitte?

Vor allem in der inferioren, ersten Halbzeit hätte Schalke sich nicht über vier, fünf, sechs Gegentore beklagen können. Und Mustafi, der Weltmeister von 2014, ist der Gockel im defensiven Hühnerhaufen, kräht auf dem Platz bloss lauthals rum, statt sich gegen die sich anbahnende Ohrfeige zu wehren.

Auch vor dem Spiel reisst Mustafi seinen Schnabel auf, laut BILD sei er zusammen mit Arsenal-Leihgabe Sead Kolasinac und Klaas-Jan Huntelaar zu den Bossen gerannt und habe die Absetzung von Coach Christian Gross gefordert. Unter anderem hätten sich die Spieler laut Sky darüber beschwert, dass sich Gross die Namen seiner Spieler nicht habe merken können. An einer Pressekonferenz sprach der Erfolgstrainer (16 Titel) von Massimo Schüpp statt von Alessandro Schöpf und er nannte seinen Mittelfeldspieler Can Bozdogan Erdogan. Zudem habe der Schweizer zum Teil in der falschen Sprache mit seinen Profis gesprochen, auch die Kompetenz des Trainers sei infrage gestellt worden! Sowohl die Trainingsinhalte und die taktische Ausrichtung von Gross seien kritisiert worden.

«Die Mannschaft hat Gross hintergangen»

Dieser weiss bis zum Spieltag nichts von der Spielerrevolte. Er habe die Mannschaft ganz normal auf das Spiel vorbereitet und sei überrascht von den Schlagzeilen gewesen, so Gross. Auf die Meuterei angesprochen, antwortet der 66-Jährige, dass er sich «Offenheit» und «Direktheit» wünsche von seiner Mannschaft: «Wenn mir etwas nicht passt, dann regle ich das direkt. Und dasselbe erwarte ich auch von meinen Spielern. Dass, wenn sie etwas stört, sie zu mir kommen. » Dies sei aber nicht geschehen.

Für Didi Hamann, den Champions-League-Sieger mit Liverpool und aktuellen Sky-Experten, ein absolutes No-Go. «Das hat mit Respekt zu tun gegenüber einem erfahrenen Mann wie Christian Gross. Wenn ich ein Problem mit dem Trainer habe, dann gehe ich direkt zu ihm. Und wenn das nicht passiert, dann muss ich den Charakter der Spieler infrage stellen.»

Er selbst sei unter anderem von Otto Rehhagel und Giovanni Trapattoni gecoacht worden, «zwei der grössten Trainer überhaupt», so Hamann. «Glauben Sie mal nicht, dass die nicht auch mal Namen verdreht haben, als sie älter wurden. Mir kommt es so vor, als würde man zwanghaft Ausreden suchen», so Hamann. Es sei kein Zufall, dass Schalke erst neun Punkte auf dem Konto habe und wehrlos dem Untergang, dem Abstieg entgegen schlittert. «Wenn jetzt einer sagt, dass Gross das Problem ist, dann hat er die letzten zwölf Monate nicht verfolgt.»

Er habe «Mitgefühl mit Gross», sagt Hamann zum Abschluss. «Weil er von der Mannschaft hintergangen und im Stich gelassen wurde. Weil die Mannschaft gegen Stuttgart die Chance hatte, zu zeigen, dass man es auch ohne Trainer regeln kann.» Das sei nicht gelungen. Im Gegenteil.

Stümperhaftes Abwehrverhalten

Beim 0:1 und beim 0:2 steht VfB-Japaner Wataru Endo derart frei, er hätte den Ball jeweils noch annehmen und jonglieren können. Die Zuordnung bei Schalke unter Abwehrchef Mustafi? Ein schlechter Witz. Beim 0:3 verliert Kolasinac, auch er einer der Rädelsführer gegen Gross, das Kopfballduell gegen Kalajdzic. Hätten die Stuttgarter ihre Chancen besser genutzt und hätte der Schiri einen berechtigen Elfmeter für den VfB gegeben, Schalke wäre schon zur Pause ins Debakel geschlittert.

Stattdessen kommt die Elf um ein Haar noch einmal ran, Kolasinac trifft kurz vor der Pause zum 1:3, dann haben die Knappen per Penalty die Chance zum Anschluss. Bentaleb läuft an … und scheitert mit seinem sackschwachen Versuch an Ex-GC-Junior Gregor Kobel. In der Schlussphase fällt Schalke dann komplett auseinander, 1:5. Und draussen schüttelt Gross bloss noch den Kopf.

Ans Aufgeben denkt der Trainer aber trotz aussichtsloser Lage nicht. Solange es rechnerisch möglich sei, glaube er an die Wende. An Rücktritt? Denke er nicht. Schalkes Teammanager Sascha Riether redet vor dem Spiel zwar von «Gross’ akribischer Arbeit» und davon, dass dieser «sein Bestes» gebe. Nur die Zahlen, und an diesen wird jeder Trainer gemessen, sprechen eine andere Sprache. Nur ein Sieg und acht Pleiten in elf Spielen, 8:26 Tore, einen Schnitt von 0,45 Punkte pro Match, neun Zähler Rückstand auf das rettende Ufer, dazu die Spielerrevolte und nun das 1:5-Debakel.

Gross’ Mission auf Schalke ist am Sonntagmorgen dann auch gescheitert. Er wird freigestellt.

Mustafi umdribbelt Gross-Frage

Fest steht aber: Verteidigt Schalke so wie gegen den VfB, dann holen sie in dieser Saison keinen einzigen Zähler mehr. Egal, wer an der Seitenlinie steht. Auf die haarsträubenden Aussetzer in der Defensive angesprochen, antwortet Gross: «Wir haben individuell zu viele Fehler gemacht. Es geht darum, dass man in solchen Situationen Verantwortung übernimmt, das war nicht der Fall.» In der Pause sei er trotz 1:3-Rückstand positiv geblieben, so der neunfache Schweizer Trainer des Jahres: «Ich habe der Mannschaft gesagt, dass wir noch 48 vielleicht 50 Minuten haben, um das Ding noch zu drehen. Dass wir nach vorne spielen und alles probieren wollen.»

Das gelingt nach Wiederanpfiff, hätte Königsblau den Penalty versenkt, Schalke hätte wohl noch einmal Blut geleckt. Dass ausgerechnet Bentaleb, der in seiner Zeit auf Schalke schon mehrfach suspendiert und wieder begnadigt wurde, sich die Kugel schnappt und an Kobel scheitert, passt ins Bild. «Er war nicht als Schütze vorgesehen, aber er hat Harit gefragt, ob dieser ihm den Ball überlasse», sagt Gross.

Eine Szene, die sinnbildlich für den Zustand der Mannschaft ist. Wo Eigeninteressen offenbar über jenen des Vereins liegen. Und wo wohl kaum ein Trainer dieser Welt etwas dagegen unternehmen könnte. Mit David Wagner, Manuel Baum, Huub Stevens und Christian Gross standen in dieser Saison schon vier Trainer an der Seitenlinie der Knappen, keiner hat das Ruder rumgerissen. Oder um es mit Michael Langer, dem Schalker Goalie, der beim 1:5 noch einer der Besseren ist, zu sagen: «Wenn wir so verteidigen wie gegen Stuttgart, ist der Trainer die ärmste Sau.» Gross habe eine «extreme Autorität», so Langer weiter. «Wir schätzen den Trainer extrem.»

Eine Aussage, die offenbar nicht auf alle Mannschaftsteile zutrifft. Ob der Wunsch der Führungsspieler nach einer Absetzung von Gross nun in Erfüllung geht? Mustafi selbst geht auf die Frage, ob er bei den Bossen die Absetzung von Gross gefordert habe, gar nicht ein. Stattdessen umdribbelt er das heikle Thema, rettet sich in Floskeln. «Mein Job ist es, auf den Platz zu gehen und Leistung zu zeigen.»

Hat gegen Stuttgart nicht geklappt.

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