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Der Rekordmann, der keine Zahlen jagt

Statistiken interessieren ihn nicht. Die Zahlen in den Bilanzen würden ihm nichts bringen, sagt Kimi Räikkönen (Bild). «Ich habe nie irgendeine Zahl gejagt.» Seine lange Zeit als Pilot in der Formel 1 begründet er mit dem «Spass an der Sache». Wenn er diese Freude nicht mehr spüre, sei für ihn die Zeit zum Aufhören gekommen.

Wann dieses Ende kommen wird, steht noch nicht fest. Räikkönen ist auch drei Wochen vor seinem 41. Geburtstag unschlüssig. Wann immer er einen Schlussstrich unter seine Karriere ziehen wird. Er wird es als der Fahrer mit den meisten Grand-Prix-Teilnahmen tun. Ausgerechnet er, der vor gut 19 Jahren praktisch ohne Erfahrung in der Formel 1 im Team von Peter Sauber debütiert und die Skeptiker reihenweise auf den Plan gerufen hat, wird als der Erfahrenste abtreten.

Zwei technische Probleme und eine Farce

In Sotschi wird Räikkönen seinen 323. Grand Prix bestreiten und mit dem Rekordhalter Rubens Barrichello gleichziehen – sofern denn alles glatt läuft beim Start. Alles glatt gelaufen ist es ihm nämlich nicht immer. Zweimal, 2001 im Grossen Preis von Belgien und 2017 im Grand Prix von Malaysia, liess ihn die Technik im Stich. In Francorchamps streikte im Sauber das Getriebe, in Sepang machte ihn die fehlende Batterieleistung im Ferrari zum Zuschauer.

Aufstellung in der Startkolonne hatte Räikkönen auch 2005 für den zur Farce verkommenen GP der USA in Indianapolis genommen, musste nach der Installationsrunde aber unverrichteter Dinge in die Boxengasse zurückkehren. Sein damaliger Arbeitgeber Ron Dennis hatte mit dem Team McLaren zu den Kunden von Reifenlieferant Michelin gehört. Weil die Franzosen mit ihren Walzen die Sicherheit nicht garantieren konnten, waren die Fahrer von sieben Equipen vorzeitig zur Aufgabe gezwungen. Übrig blieben sechs Fahrer, angeführt von den hoch überlegenen Michael Schumacher und Barrichello in den Ferrari. In Malaysia und in den USA war Räikkönen im Rennen keinen einzigen Meter gefahren. Diese zwei Grands Prix scheinen in der Statistik des Finnen nicht. Anders war die Sachlage bei Räikkönens erstem Antreten in Belgien. Der Klassiker war nach vier Runden und einer Kollision zwischen dem Nordiren Eddie Irvine im Jaguar und dem Brasilianer Luciano Burti im Prost abgebrochen und neu gestartet worden. Weil Räikkönen beim Wiederbeginn nicht mehr dabei war, wurde ihm dies als Nicht-Teilnahme ausgelegt.

Der Zufall will es, dass Barrichello in Francorchamps Ähnliches erlebt hat. 1998 hatte eine Massenkollision zu Beginn der ersten Runde ebenfalls zum Abbruch des Rennens geführt. Der Brasilianer konnte im Stewart als einer der Leidtragenden des Zwischenfalls mit 13 involvierten Fahrern zum zweiten Versuch nicht mehr antreten. Gleichwohl ist der GP von Belgien 1998 in Barrichellos Teilnahmeliste aufgeführt. Gleiches ist also nicht gleich. Die auf reiner Willkür aufgebaute Diskrepanz erstaunt und verwirrt gleichermassen.

Die Eigenwilligkeit hat ihren Ursprung im Versäumnis des Internationalen Automobil-Verbandes FIA, die Richtlinien niederzuschreiben, die für eine «offiziell gewertete Teilnahme» zu erfüllen sind. Die Lücke im Reglement öffnet den unterschiedlichen Sichtweisen Tür und Tor und macht eine einheitliche Einsatz-Bilanz unmöglich. Das Erstellen eines entsprechenden Regulativs wäre nicht mit grossem Aufwand verbunden. Es würde reichen, der Logik zu folgen.

Räikkönen wird es egal sein. Ob es in Sotschi sein 323. oder 324. Rennen sein wird, spielt für ihn keine Rolle. Eine eigene Statistik führt er ja nicht. Und Zahlen hat er ohnehin nie gejagt.

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