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Switzerland

Der Papst geht für viele an die Schmerzgrenze

Die Hoffnungen auf eine Öffnung der katholischen Kirche sind mit dem jüngsten Lehrschreiben des Papstes zur Amazonas-Synode enttäuscht worden. Franziskus verfolgt eine Agenda, die nur schwer nachvollziehbar ist. 

Papst Franziskus hat nicht die Reformvorschläge der Amazonas-Synode aufgegriffen – aber auf sie verwiesen.

Papst Franziskus hat nicht die Reformvorschläge der Amazonas-Synode aufgegriffen – aber auf sie verwiesen.

Alessandro Di Meo / Ansa / EPA

Was hatte man sich vom jüngsten Schreiben des Papstes nach der Amazonas-Synode nicht alles erhofft und befürchtet. So war für den aus Vorarlberg stammenden Bischof Erwin Kräutler die Frage der Diakonenweihe für Frauen der Lackmustest des Bischofstreffens. Kräutler hatte die Synode im vergangenen Herbst mit vorbereitet, 25 Jahre lang leitete er eine brasilianische Diözese. Ein ebenso umstrittenes Thema ist die Lockerung der Ehelosigkeit katholischer Priester durch die Zulassung von «Viri probati», also bewährten verheirateten Männern, zum Priestertum. Dies wird in der katholischen Kirche seit Generationen diskutiert, öffentlich spätestens seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962–1965). Auch um diese beiden strittigen Themen ging es dem Kurienkardinal Robert Sarah, als er im Gegenteil vor «Revolutionen und radikalen Veränderungen» sowie «falschen Propheten» im Hinblick auf die Synode warnte.

Franziskus, der gegenüber Bischöfen immer wieder von Mut und Kreativität in der Seelsorge spricht, irritiert gründlich mit seinem jüngsten Schreiben. Man muss klar festhalten, dass er eine grosse Chance vertan hat. Die durch die nicht enden wollenden Missbrauchsskandale in die Krise geratene Kirche hätte ein Aufbruchssignal dringend nötig gehabt. Selten in jüngerer Zeit war man Reformschritten, die hier freilich klar lokal begrenzt waren, so nah. Der Papst selbst sprach immer wieder von möglichen Ausnahmen für entlegene Gebiete mit grossem Priestermangel – was auf die kirchliche Situation in der Amazonasregion zutrifft.

Die Versammlung im Vatikan mit 180 hohen Klerikern und 100 Experten diskutierte drei Wochen lang die Situation der Kirche im Amazonasgebiet, dazu gehörten auch diese Fragen. Die Teilnehmer sprachen sich mehrheitlich für eine begrenzte Lockerung des Zölibats aus, um in Ausnahmefällen die Weihe von Ständigen Diakonen zu Priestern zu ermöglichen. Auf dieses Votum hätte sich Franziskus stützen können. Die Zulassung von Frauen zum Diakonat unterstützte die Synode dagegen nicht ausdrücklich, auch wenn das Schlussdokument festhält, dass die Zulassung in den Beratungen mehrmals gefordert worden war. Doch weder der Zölibat noch das Diakonat der Frau kommen in dem Schreiben des Papstes überhaupt nur vor. Franziskus zeigt sich hier als ein Konservativer, der er immer war.

Wenn man neben der berechtigten Empörung versucht, das Handeln des Papstes zu verstehen, landet man schnell bei seinem Selbstverständnis das Papstamt betreffend. Franziskus ist bekanntlich kein Papst, den man zunächst in Verbindung mit Dogmen und Dekreten bringt. Er eröffnet lieber den Raum für Prozesse in der Kirche, deren Ausgang letztlich offen ist. So auch hier.

Franziskus trifft keinen Entscheid, er belässt alles beim Alten – für manche geht das an die Schmerzgrenze oder gar darüber hinaus. Zugleich ist die Diskussion damit keinesfalls beendet, Franziskus schlägt keine Türen zu, er verweist in einer ungewöhnlichen Geste ausdrücklich auf das Schlussdokument der Synode, das sich Reformen nicht verschlossen hat. Für den Papst scheint dies eine innere Logik zu haben, für viele Katholiken ist das allerdings nur schwer verständlich.

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