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Der Job des neuen Schatzkanzlers: Boris Johnson nicht im Weg stehen

Grossbritannien hat einen neuen Finanzminister, aber der ist nur noch der verlängerte Arm des ausgabefreudigen Boris Johnson. Masshalten dürfte endgültig nicht mehr gefragt sein.

Rishi Sunak (l.) kommt, Sajid Javid geht. Ebenfalls kommen dürfte eine noch lockerere Fiskalpolitik.

Rishi Sunak (l.) kommt, Sajid Javid geht. Ebenfalls kommen dürfte eine noch lockerere Fiskalpolitik.

Peter Nicholls, Toby Melville / Reuters

Die Beziehung zwischen dem britischen Premierminister und seinem Schatzkanzler ist die wahrscheinlich wichtigste im Kabinett des Vereinigten Königreichs. Am Donnerstag wurde sie auf selten gesehene Weise zerstört: Nach nur 204 Tagen im Amt trat Schatzkanzler Sajid Javid überraschend zurück. Ursache war nicht etwa ein Streit über den Haushalt, sondern der Wille von Boris Johnson, den Beraterstab des Kanzlers mit seinen statt mit Javids Experten zu besetzen. Javid bewies Rückgrat und ging.

Es entbehrt nicht der Ironie, dass Sajid Javid der Spitzname «Chino» angehängt worden war – «Chancellor In Name Only». Doch er stand nicht vollkommen unter Johnsons Fuchtel. Zwar konnte Javid kein eigenes Profil entwickeln und unterstützte das Versprechen einer expansiven Ausgabenpolitik, das erheblich zu Johnsons Wahlerfolg beitrug. Doch der Bewunderer Margaret Thatchers bemühte sich um einen Mittelweg. Er lockerte zwar die Haushaltsregeln und erlaubte eine Neuverschuldung von bis zu 3% der Wirtschaftsleistung, um staatliche Investitionen zu finanzieren. Aber er verfolgte zumindest das Ziel, das Budget der laufenden Staatsausgaben bis 2023 auszugleichen. Er redete Johnson den alten Wunsch nach erheblichen Steuersenkungen aus, damit keine riesigen Löcher im Budget entstehen. Und er warnte davor, bei den illusorischen Ausgabenhöhen, welche die Labour-Opposition für einen Wahlerfolg in Aussicht stellte, mitzubieten. Das war bereits zu viel Eigenständigkeit für die Strippenzieher in 10 Downing Street, wie sich jetzt zeigte.

Wenn schon Javid als «Chino» galt, dann dürfte sein Nachfolger Rishi Sunak erst recht einer werden. Der überzeugte Brexit-Anhänger und Johnson-Befürworter galt ohnehin als Vertreter des Premierministers im Finanzministerium, wo er bisher den zweitwichtigsten Posten nach Javid innehatte. Schon in einem Monat muss der ehemalige Goldman-Sachs-Banker sein erstes Staatsbudget präsentieren. Wahrscheinlich wird sich dann bei den Ausgabenplänen zeigen, wie sehr Javid auf Masshalten bedacht gewesen war.

Sie können Benjamin Triebe, Wirtschaftskorrespondent für das Vereinigte Königreich und Irland, auf Twitter folgen.

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