Switzerland

Der Herr der Zaubergärten: Er realisierte die erste Gartengalerie der Schweiz

Fast jeder, der schon die Passstrasse zur Salhöhe hinauf- oder hinuntergefahren ist, hat über die wundersamen Gebilde gestaunt, die im Schaugarten der Wenger AG direkt neben der Strasse am Ortsausgang stehen. Ein Bild, das so nicht mehr lange bestehen bleiben wird: Peter Wenger (78) hat seinen Gartengestaltungs­betrieb aufgegeben.

Handgezeichnete Pläne sicherten manchen Auftrag

Wer in den letzten Jahrzehnten in der Region Aarau und darüber hin­aus eine Gartengestaltung plante, kam rasch auf ihn. Wenger und seine bis zu 29 Mitarbeitenden waren zuständig für die Umgebungsgestaltung der Aar­auer Schulhäuser Telli und Zelgli, der Überbauung «Walthersburg» und des Stadions Brügglifeld. Auch die Sanierung des Stadtbachs in Suhr stammt aus Wengerscher Feder.

Die Projektskizze, handgefertigt, hat er aufbewahrt. «Wir haben alle Pläne von Hand gezeichnet. Wenn wir damit in einen Wettbewerb gingen, hatten wir praktisch schon gewonnen – die Menschen mögen die Emotionen, die durch die Handzeichnungen transportiert werden», sagt er und lächelt.

Dank seines guten Rufes und seines Netzwerks konnte Wenger auch im Ausland Gartenplanungen umsetzen. Viele Kunden lernte er an der Ausstellung Giardina kennen, an der er seit 1998 stets teilnahm. «Die Gartenplanung ist nicht mit dem Rasensäen abgeschlossen», betont Wenger. Der ideale Garten sei voller Emotionen, er diene als Freizeit- und Lebensraum, «damit die Kunden nicht in der Weltgeschichte herumreisen müssen».

Hof war einst die untere Alp der Aarauer

Ursprünglich Basler – man hört es bis heute – gründete Peter Wenger seine Wenger AG 1972 in Niedererlinsbach. 1978 bot ihm die Gemeinde Obererlinsbach die «Eye» – den Eihof – an der Passstrasse zum Kauf an. «Das Haus, das in vornapoleonischer Zeit erbaut wurde, war wie die Nebengebäude total verlottert», sagt Wenger. «Es gab keine Sanitäranlagen und keine Kanalisation, dafür ein Plumpsklo und einen Miststock.» Nichtsdestotrotz – Wenger verliebte sich in die Anlage.

Er berichtet, was ihm die Vorbesitzerin des Hauses und der verstorbene Gemeinderat Franz von Arx erzählt haben: «Die Eye war die untere Alp der Stadt Aarau. Sie wurde im Frühling und Herbst frequentiert. Im Sommer war das Vieh auf der oberen Alp – der Beguttenalp – und im Winter vor den Stadttoren von Aarau.» Die Decke im Erdgeschoss des Wohnhauses ist ungewöhnlich hoch für einen so alten Bau. «Die Frauen haben früher in Heimarbeit gewoben.

Damit der Webstuhl Platz hatte, musste die Decke um 34 Zentimeter angehoben werden.» Es habe viel Engagement und Herzblut gebraucht, um hier seinen Gartenbaubetrieb samt Pflanzencenter aufzubauen, sagt der Unternehmer. Einst hatte er eine Metallbauerlehre angefangen, dann aber auf Gartenbau umgesattelt.

«Durch meine jahrelangen Weiterbildungen in Gestaltung und Kunst entwickelte sich die erste Gartengalerie in der Schweiz; mit Schaugarten, in dem Kunstobjekte und Gestaltungselemente mit der natürlichen Umgebung im Einklang zu finden sind.» Im Schaugarten finden sich noch jetzt Werke von namhaften Künstlern aus aller Welt. Stahlskulpturen, handgemachte Terrakottafiguren, italienische Marmorzementbüsten, Bronzen, Lauben.

Aus dem Areal soll ein Gnadenhof werden

Vieles hat Wenger bei Reisen in ganz Europa und Nordafrika entdeckt; er arbeitet aber beispielsweise auch mit der belgischen Kunstakademie zusammen. Einige Stücke stammen von ihm selber oder seiner Tochter – Wenger hat auch noch einen Sohn –, Künstlerinnen aus der Region sind ebenfalls vertreten. Nach und nach hatte Wenger das Gelände erweitert; etwa um einen Nachtgarten, in dem rauschende Vernissagen stattfanden.

Für die Dutzenden Lehrlinge, die Wenger ausbildete, legte er einen Lernpfad an. Sie sollten sehen und erleben, wie sich Gestaltungselemente verändern, wenn sie der Witterung ausgesetzt sind und altern. «Manche kamen viele Jahre nach ihrer Lehrzeit nochmals zu Besuch, um sich anzuschauen, was aus den Objekten geworden ist.»

Gerne möchte sich Peter Wenger noch von seiner treuen Kundschaft verabschieden. Das Fest musste wegen Corona aber auf noch unbestimmte Zeit verschoben werden. Der Unternehmer wohnt mittlerweile in der Aarauer Telli. Das Haus in der «Eye» ist vermietet. Die Mieterin möchte hier längerfristig einen Gnadenhof einrichten – sofern es der Kanton Solothurn bewilligt.

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