Switzerland

Der FC Basel vergibt gegen Servette zu viele Matchbälle

Der FC Basel kommt zu Hause gegen Servette nur zu einem 2:2 Remis. Damit verpassen sie den Anschluss an die Tabellenspitze.

Er lässt die Basler hadern: Der Servette-Offensivspieler Miroslav Stevanovic (links) trifft in der 87. Minute zum 2:2.

Er lässt die Basler hadern: Der Servette-Offensivspieler Miroslav Stevanovic (links) trifft in der 87. Minute zum 2:2.

Georgios Kefalas / Keystone

Letztlich war die Enttäuschung gross und in den Gesichtern der Basler abgebildet. Wieder haben sie eine Chance verpasst, den Anschluss ans Spitzenduo St. Gallen und YB herzustellen. Die Kontrahenten an der Tabellenspitze trennten sich 3:3, spielten also gewissermassen für den FC Basel.

Nur Basel selber spielte nicht für Basel. Silvan Widmer hatte in der Nachspielzeit noch eine grosse Kopfball-Chance zum 3:2-Siegtreffer, doch der Abschluss geriet ihm zu hoch. «Zu wenig clever» seien sie gewesen, sagte Widmer nach der Partie, und der FCB-Captain Valentin Stocker ärgerte sich darüber, «nicht früher, mit unseren Konterchancen, das dritte Tor erzielt zu haben». Und so liessen die Basler das spielstarke Servette nochmals aufkommen. Kastriot Imeri traf mit einem Elfmeter, und Miroslav Stevanovic schlenzte den Ball in der 87. Minute mit dem Innenrist zum 2:2-Ausgleich ins Tornetz.

Nach der Rückreise von der Europa-League-Partie in Zypern hatte Basels Trainer Marcel Koller von «schwindenden Kräften» gesprochen, und tatsächlich wurde man den Eindruck nicht los, dass die Basler es in der Druckphase der Genfer verpassten, die nötige Gegenwehr zu entwickeln. In ihrem Spiel gab es einen Bruch, ihr Unterfangen, bei schwindender Energie den Vorsprung zu retten ging nicht auf.

Vor der Partie am Bahnhof SBB im Zug Richtung St.-Jakob-Park war auf der elektronischen Anzeige in oranger Farbe der Zielort zu vernehmen: «Joggeli». Die Anzeige soll ein kleiner Moment der Intimität, der Nähe zu einem Stadion, zu diesem Klub vermitteln. Wer sich in den vergangenen Wochen mit dem einst so dominanten Vorzeigeklub der Schweiz befasste, dürfte festgestellt haben, dass manch einem die Nähe zum Klub – eben diese Intimität – ein bisschen abhanden gekommen ist. Schon der langjährige Trainer Christian Gross wusste, dass die Fahrt von einem Extrem ins andere in Basel sehr schnell gehen kann: von der Identifikation mit dem Klub zu Zweifeln, Ironie, Zynismus oder gar selbstzerstörerischer Dynamik. All dies liegt so nah beisammen.

Der verlorene Status der Vorherrschaft im hiesigen Klubfussball, die ungenügenden Resultate in der jüngsten Vergangenheit, zwei Heimniederlagen gegen das Überraschungsteam aus St. Gallen und den FC Thun, und nun der verpasste Sieg gegen Servette – all dies lässt den Lack abblättern. Wen wundert’s, dass der Trainer Koller in dieser Situation zur Projektionsfigur für so vieles wird, das nicht optimal läuft.

Nach dem 0:1 gegen Thun am vergangenen Samstag schrieben die lokalen Medien, dass eine Entlassung des Trainers Koller wohl unvermeidlich sei. Der Frust sass da noch tiefer als in diesen Tagen. Die Basler hatten damals nicht wissen können, dass der FC St. Gallen und die Young Boys ihre Partien tags darauf ebenfalls verlieren würden. Zudem war der Basler Mannschaft nicht unbedingt zuzutrauen, dass sie Apoel Nikosia im Sechzehntelfinal-Hinspiel der Europa League gleich 3:0 bezwingen würde.

Am Sonntag gegen Servette bestand die Chance, sich dem FC St. Gallen und den Young Boys an der Tabellenspitze anzunähern. Wenig fehlte, und der FC Basel wäre wieder so richtig zu Atem gekommen. Der Coach Koller meinte vielsagend, dass zur Verwaltung des Vorsprungs der Blick auf die Ersatzbank eben auch nicht geholfen habe. Von 18-,19- und 20-Jährigen dürfe er nicht erwarten, nach Einwechslungen die nötige Ruhe zu bewahren.

Koller hatte seinem Team eine offensive Strategie im 4-1-4-1-System verordnet, mit Taulant Xhaka auf der Sechser-Position und Samuele Campo sowie Fabian Frei im zentralen Mittelfeld. Die Idee, schnell vertikal nach vorne zu spielen, klappte eine Weile lang ganz gut.

Der FCB war im Flow, wirkte kompakt. Da waren Homogenität, Solidarität und eine gesunde Aggressivität zu spüren. Nach sieben Minuten flankte Campo einen gut getimten Ball auf Stocker. Dieser traf mit einem Kopfball zum 1:0. Und in der 19. Minute erzielte Fabian Frei mit einem überlegten Schuss in die tiefe Ecke bereits das 2:0. Bis dahin funktionierte Basels Teamwork.

Doch nicht zum ersten Mal wurde deutlich, dass der FCB mit Vollbestand zwar viel Qualität hat. Doch wenn bewährte Kräfte fehlen oder deren Kräfte schwinden, bewegen sich die Basler schnell auf fragilem Terrain. Nicht zuletzt deshalb sind die Basler dort, wo sie sind: Eben nicht ganz an der Spitze, wie sie sich das wünschen. Derzeit fehlt hierzu wohl zu viel.

20'265 Zuschauer. - SR Jaccottet. - Tore: 7. Stocker (Campo) 1:0. 19. Frei 2:0. 74. Imeri (Foulpenalty/Foul Cömert an Kone) 2:1. 87. Stevanovic 2:2.

Basel: Omlin; Widmer, Cömert, Alderete, Riveros; Xhaka, Frei; Stocker, Campo (73. Bunjaku), Petretta (81. Pululu); Cabral.

Servette: Frick; Sauthier, Rouiller, Sasso, Iapichino (75. Alves); Stevanovic, Cespedes (58. Imeri), Ondoua, Cognat; Tasar (89. Routis), Kone.

Bemerkungen: Basel ohne Bua, Kuzmanovic, Van der Werff und Van Wolfswinkel (alle verletzt), Servette ohne Park (verletzt) und Schalk (rekonvaleszent). Verwarnungen: 2. Petretta (Foul). 28. Sauthier (Foul). 39. Iapichino (Foul). 54. Stocker (Foul). 59. Imeri (Foul). 68. Alderete (Foul). 73. Cömert (Foul). 78. Ondoua (Foul). 88. Alves (Foul).

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