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Definitives Aus für die Schiessanlage Hasenrain: Zürcher Stadtparlament macht Regierungsbeschluss zunichte

Der Gemeinderat ist anderer Meinung als der Stadtrat. Eine Mehrheit will die Schiessanlage in Albisrieden durch eine Umzonung illegal machen und das Areal der Bevölkerung als Erholungsraum zur Verfügung stellen.

Die Schiessanlage Hasenrain muss ihren Betrieb einstellen. Unklar bleibt noch, was dies für die betroffene Schützengesellschaft Züri 9 bedeutet.

Die Schiessanlage Hasenrain muss ihren Betrieb einstellen. Unklar bleibt noch, was dies für die betroffene Schützengesellschaft Züri 9 bedeutet.

Goran Basic / NZZ

Noch letzten Herbst atmeten die Schützinnen und Schützen der Albisriedemer Schützengesellschaft Züri 9 auf: Der Stadtrat gab bekannt, seine Schiessplatz-Strategie zu revidieren und die Anlage Hasenrain doch nicht aufzuheben. Der Verein hatte sich mit einer Petition – 2500 Unterschriften kamen innert kurzer Zeit zusammen – vermeintlich erfolgreich gegen eine Schliessung gewehrt und mit der Stadt eine einvernehmliche Lösung gefunden: Die Schützengesellschaft würde die Anlage fortan mieten und auf eigene Kosten sanieren.

Nun hat sich das Blatt für den Schiessverein innert nur vier Monaten gewendet: Der Gemeinderat überwies am Mittwoch einen verbindlichen Vorstoss, der verlangt, das Hasenrain-Gebiet neu als Freihalte- statt Erholungszone zu definieren. Die Schiessanlage wäre damit nicht mehr zonenkonform und müsste ihren Betrieb langfristig einstellen.

Eine Mehrheit des Stadtparlaments stellte sich hinter die Ansicht der Motionäre Pascal Lamprecht (sp.) und Markus Baumann (glp.), wonach die Bevölkerung angesichts der baulichen Verdichtung im Quartier zusätzlichen öffentlichen Erholungsraum benötige – wogegen ein Schiessstand unökologisch, lärmintensiv und nicht mehr zeitgemäss sei. Der Bezeichnung Erholungszone werde das Gebiet derzeit nur mit Gehörschutz gerecht, sagte Sven Sobernheim (glp.).

Diesem Eindruck widersprach Gemeinderat und Anwohner Roger Bartholdi, der sich namens der SVP gegen den Vorstoss aussprach. Die Lärmproblematik sei vergleichsweise gering und etwa in der Schiessanlage Albisgütli weit gravierender. Das Hasenrain-Areal sei bei der Bevölkerung beliebt und die Schützengesellschaft habe mit über 150-jährigem Bestehen eine traditionsreiche Daseinsberechtigung. Auch FDP und EVP votierten gegen eine Schliessung und bedauerten, dass damit just das ohnehin schon gefährdete Vereinswesen weiter geschwächt werde.

Von Partikularinteressen sprachen dagegen die überlegenen Befürworter aus den Reihen der SP, GLP, Grünen und AL. Ihre Forderung, das Areal umzunutzen, hatte das Parlament zuvor schon unverbindlicher per Postulat bei der Regierung deponiert. Entsprechend verärgert hatten sie auf den Meinungsumschwung des Stadtrates reagiert. Mit der nun beschlossenen Umzonung wollen sie ihr Anliegen nochmals verbindlich bekräftigen.

Offen bleibt, was der Entscheid für die betroffene Schützengesellschaft Züri 9 bedeutet. «Wir haben fest auf den Stadtrat und seine Schiessplatz-Strategie vertraut und keinen Plan B in der Tasche», sagte deren Präsident Thomas Osbahr im Vorfeld auf Anfrage. Ob der Verein dereinst mit einer anderen Gesellschaft fusionieren oder in eine der beiden privaten Schiessanlagen Albisgütli oder Höngg dislozieren werde, konnte er noch nicht sagen.

Man besitze einen Mietvertrag mit 10 Jahren Mindestlaufdauer und habe bereits Investitionen in der Höhe von rund 50 000 Franken getätigt, sagte Osbahr. Entsprechend gespannt sei er nun auf das weitere Vorgehen vonseiten der Behörden. «So einfach ist eine Umzonung nicht», gibt er zu bedenken; das letzte Wort habe der Kanton, nicht die Stadt.

Tatsächlich obliegt die Nutzungsplanung den Gemeinden, sie muss aber von der kantonalen Baudirektion genehmigt werden. Weil das Areal zudem erst vor kurzem als Erholungszone definiert worden ist, würde eine erneute Umzonung laut Stadtrat «zum heutigen Zeitpunkt dem raumplanerischen Grundsatz der Planbeständigkeit widersprechen und wäre nicht rechtmässig». Der parlamentarische Beschluss muss demnach noch juristisch beurteilt werden. Auch die Frage der Bestandesgarantie für die Schiessanlage gelte es noch zu klären, sagte der zuständige Stadtrat André Odermatt (sp.) im Rat.