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«Das Tram in Zürich ist gefährlicher»: So reagieren Bündner auf den Terrassen-Lockdown

Weisser Schnee, blauer Himmer: Laax. Bild: Dominic Wirth / ch media

«Das Tram in Zürich ist gefährlicher»: So reagieren Bündner auf den Terrassen-Lockdown

Der Terrassenstreit hält das Land gerade in Atem. Bald gehen Aussensitzplätze im Skigebiet Laax zu. Das macht die Gäste traurig, den Bahnchef hässig – und bereitet der Wirtin Kopfzerbrechen.

Dominic Wirth / ch media

Für Familie Winzap läuft es gerade ganz gut. Der Tag hat schon ein paar schöne Kurven auf den Laaxer Pisten gebracht. Jetzt sitzen Mutter, Vater und Tochter auf einer Holzbank und lassen sich die Sonne ins Gesicht scheinen; vor ihnen breiten sich die Alpen aus, weit und weiss und wunderbar.

Ein wenig sind sie schon verwundert, dass sie hier bald nicht mehr sitzen dürfen. Die Terrassen in den Bündner Skigebieten gehen zu. Die Bündner Regierung will es so, weil der Bundesrat es so will.

Familie Winzap. Bild: Dominic Wirth / ch media

Muss man nicht verstehen. Kann man aber akzeptieren. Etwa so sieht das die Familie Winzap. Der Vater findet das Tram zuhause in Zürich zwar gefährlicher. Und die Tochter wirft ein, dass die offenen Terrassen doch eigentlich gut seien für die Wirtschaft.

Aber so richtig aufregen mögen sich die Winzaps nicht, «das mit der Diktatur, das ist doch Quatsch», sagt die Mutter und zeigt auf die Karikatur in der Zeitung, die sie mitgebracht hat.

Der Entscheid aus Chur als Schock

Der Terrassenstreit hält das Land gerade in Atem. Er ist eine kleine Sache, eigentlich. Aber irgendwie auch gross. Es geht um Macht. Um Gesetzestreue und gesunden Menschenverstand. Um den Bund und die Kantone. Natürlich um Corona. Und dann auch noch: Ums Skifahren, dieses nationale Heiligtum. Da kommt einiges zusammen.

Die Bündner waren die ersten, die ihre Terrassen in den Skigebieten öffneten. Irgendwann zogen die Urner nach, die Schwyzer, die Ob- und Nidwaldner, die Glarner und Tessiner. Jetzt sind die Bündner die ersten, die angesichts des Drucks aus Bern klein beigeben, während die anderen Kantone standhaft bleiben.

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Nici Walder treibt das gerade die Sorgenfalten auf die Stirn. Die junge Frau steht nur ein paar Treppenstufen von der Familie Winzap entfernt an einem Absperrgitter und sagt, dass das schon ein Schock gewesen sei, der Entscheid in Chur.

Nici Walder, stellvertretende Betriebsleiterin Crap Son Gion. Bild: Dominic Wirth / ch media

Der Crap Son Gion ist so etwas wie das Herzstück des Skigebiets Laax. Eine grosse Gondel verbindet ihn mit dem Tal. Eine andere fährt hoch zum nächsten Gipfel. Zur Bergstation gehören vier Restaurants. Walder ist hier die stellvertretende Betriebsleiterin.

Und zerbricht sich gerade den Kopf darüber, wie sie die Leute lenken soll, wenn die Terrassen wieder geschlossen sind. «Wir müssen schauen, wie wir das machen», sagt Walder. Sie hat noch die Bilder von Weihnachten im Kopf, als «alle machten, was sie wollten», am Pistenrand sassen, ohne Abstand, ohne Maske.

Die Bündner haben ihre offenen Terrassen immer damit begründet, dass das auch epidemiologisch die beste Lösung sei. Es gehe dann sicher und geordnet zu. An den Tischen auf dem Crap Son Gion dürfen nur vier Personen sitzen. Nach einer Stunde ist Schluss. Es gibt Plexiglas und eine Maskenpflicht für alle, die nicht am Platz sitzen. Wer sie nicht einhält, wird von einem jungen Mann mit Kappe und langen Haaren ermahnt. «Es hat wirklich funktioniert», sagt Walder.

Bündner Bergbahnen wollen sich bis am Montag Zeit lassen

Es hat eben auch: gegen Bundesrecht verstossen. Auf den Terrassen des Crap Son Gion geht es deshalb vielen wie der Familie Winzap. Sie lassen sich die Sonne ins Gesicht scheinen. Aber nerven über das Machtwort aus Bern mögen sie sich nicht.

Da ist der Mann, der sagt, ein wenig sei das Bündner Vorgehen ja schon ein «Buebetrickli». Da ist die Frau, die sagt, sie wolle nicht in der Haut des Bundesrats stecken. Nur einer regt sich auf, ein junger Mann aus dem Kanton Schwyz, «en huere Seich, ein verdammter Witz» sei das.

Auch in Markus Wolf brodelt es, man spürt das, wenn man mit ihm an einem Tisch sitzt. Wolf ist der CEO der Weisse Arena Gruppe. Der Chef am Berg. Er hat sich viel einfallen lassen, um die Wintersaison zu retten. Hat schon im November angefangen, seine Leute zu testen, nur drei waren bis heute positiv, bei über 9000 Tests. «Das zeigt doch, dass es bei uns funktioniert», sagt Wolf.

Markus Wolf, CEO der Weisse Arena Gruppe. Bild: Dominic Wirth / ch media

Der CEO ist enttäuscht, dass man in Bern nicht honoriert, was im Kanton Graubünden passiert ist: das viele Testen. Die proaktive Strategie. Wolf findet, dass der Bund ein Zeichen hätte setzen können. «Stattdessen schaltet er auf stur, das ist schon frustrierend», sagt er.

Aber jetzt macht Wolf seine Terrassen halt zu, 24 sind es insgesamt im ganzen Skigebiet. Nur der Freitagabend, der sei nicht zu schaffen, sagt Wolf, auch wenn die Bündner Regierung das verlangt. Es gebe einiges umzubauen, teilweise auch mit schwerem Gerät. Dafür fehlten während der Hochsaison schlicht die Ressourcen. Die Bündner Bergbahnen, darauf haben sie sich geeinigt, wollen deshalb erst am Montag zumachen. Dann, wenn das schöne Wochenende vorbei ist.

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