Switzerland

Das meint BLICK zur Epidemie: Corona trifft den Sport in seinem Lebensnerv

Ist die fatale Botschaft aus Bern der aufgeheizten, beinahe schon flächendeckend fiebrigen Stimmung geschuldet? Sind die beschlossenen Massnahmen verhältnismässig? Befeuert man hier nicht Panik und sät Verunsicherung, statt beruhigend einzuwirken?

Fragen, die das Land beschäftigen. Beurteilen müssen das die Mediziner und Fachleute. Obwohl sich die ja auch nicht einig sind. Der Bundesrat hat entschieden. Der Vorwurf, zu zögerlich zu agieren, hat gewirkt. Man demonstriert jetzt Entschlossenheit. Natürlich: Es geht um die Gesundheit. Und dieser Umstand drängt alles andere in den Hintergrund.

Fakt ist: Die Weisungen aus Bern treffen den Sport in seinem Lebensnerv und nehmen ihn in Geiselhaft. Die wirtschaftlichen Konsequenzen sind immens, die Folgen weitreichend und noch nicht bis in Detail absehbar. Der Groll bei den Klubvertretern und den Fans ist hör- und spürbar. 999 Zuschauer sind erlaubt. 1000 nicht. Das verstehen viele Menschen nicht.

Die Eishockey-Meisterschaft ist in ihrer entscheidenden Phase. Hier gibts vorerst Geisterspiele. Aber Playoffs vor leeren Rängen, das kann sich niemand vorstellen. Im Fussball hagelt es Absagen bis hinunter in den Juniorenbereich. Das ist angesichts des gedrängten Kalenders nur eine erste Sofortmassnahme. Den Betrieb in der Super League, in der Challenge League und im Cup bis Mitte März lahm zu legen kann auch aufgrund des gedrängten Terminkalenders keine Lösung sein.

Die Enttäuschung von hunderttausenden von Sportfans und die immensen wirtschaftlichen Schäden sind enorm. Angesichts der Bedrohung darf man aber nicht immer nur von den wirtschaftlichen Konsequenzen reden. Viel quälender sind derzeit die vielen offenen Fragen. Ist die Eishockey-Heim-WM gefährdet? Was ist mit der Fussball-Europameisterschaft und was mit den Olympischen Sommerspielen? Das Sportjahr 2020 soll spektakulär werden. Legt jetzt ein Virus den Spitzensport lahm?

Klarheit werden die nächsten Wochen bringen. Eines ist schon jetzt klar: Der 28. Februar 2020 wird als schwarzer Freitag in die Geschichte des Schweizer Sports eingehen.

Sportliche Grossveranstaltungen stehen für Freude, für Begeisterung und Emotionen. Sportstadien sind Orte für freudige Gemeinschaftserlebnisse. Sie sind für viele Menschen ein Stück Heimat, die zweite Stube.

Aber derzeit stehen diese Stadien verlassen und einsam da. Wie ein Mahnmal für diesen unsäglichen COVID-19-Virus, den sie auch Corona nennen.