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Das macht Porno mit der Jugend: Bilder, die nie mehr aus dem Kopf gehen

Elfjährig. So alt sind Buben gemäss Experten heute durchschnittlich, wenn sie zum ersten Mal mit Pornos konfrontiert werden. Durch das Internet und soziale Netzwerke ist selbst gewalttätiges oder illegales pornografisches Material für Kinder erreichbar. Wie beeinflusst das Buben? Und was macht es mit Mädchen?

Mädchen haben Todesangst beim Sex

Für Mädchen kann die Pornoflut lebensgefährlich sein. Das zeigt ein Blick auf die britische Webseite Wecantconsenttothis.uk, die unzählige Frauen auflistet, die während dem Sex erwürgt oder zu Tode geprügelt wurden. Darunter auch mehrere Teenager. Das jüngste Opfer war 16. Oft, auch im Fall der Teenager, verteidigt sich der Täter vor Gericht mit dem Argument, die Frau habe die sexuelle Gewalt gewollt und danach gefragt. Auf derselben Webseite finden sich aber unzählige Statements junger Frauen, die, ohne dies zuvor mit dem Mann besprochen zu haben, schon im Teenageralter während dem Sex aus heiterem Himmel mit Anspucken, Schlägen und Würgen attackiert wurden und oft Todesangst ausstanden. Nahezu alle Frauen auf der Webseite verorten den Grund, dass gewalttätige Praktiken plötzlich als «normal» angesehen werden, im männlichen Konsum gewalttätiger Pornografie.

Die Studienlage ist dünn

Fundierte wissenschaftliche Langzeitstudien zu den Auswirkungen von Pornografiekonsum im Kindes- und Jugendalter gibt es wenige, auch deshalb, weil es ethisch schwierig ist, Kinder und Jugendliche zu ihrer Sexualität zu befragen. Es gibt aber Hinweise darauf, dass Pornografie – insbesondere als Unterkategorie der Nutzung von Social Media mit allen negativen Folgen wie Körperbildstörungen, dem Druck, Nacktbilder schicken zu müssen, und der Angst davor, diese könnten weiterverbreitet werden – einer von mehreren Gründen ist, dass sich die mentale Gesundheit von Teenagern, insbesondere Mädchen, massiv verschlechtert hat.

Mädchen leiden stärker als Jungen

Dies bestätigt eine gross angelegte US-Studie, die 2019 im «Journal of Abnormal Psychology» veröffentlicht wurde: Von 2005 bis 2017 stieg die Zahl der Teenager, die von schweren depressiven Episoden berichteten, um 52 Prozent. Die Anzahl der Teenager, die stark unter psychischen Belastungen leiden, steigt ebenfalls massiv an: von 2008 bis 2017 um erschreckende 71 Prozent. Die Autoren führen dies unter anderem auch auf die Dauerverfügbarkeit von Pornografie zurück.

Die auf jedem Smartphone verfügbare, glatt rasierte Pornoästhetik setzt insbesondere Mädchen unter einen immensen Druck, was ihr Körperbild betrifft. Gemäss diversen Schönheitschirurgen (SonntagsBlick berichtete) steigt die Nachfrage von Schönheitsoperationen im Intimbereich auch bei jungen Mädchen an – konkret eine Verkleinerung der inneren Schamlippen.

Anstieg von Erektionsproblemen bei jungen Männern

Das Aufwachsen mit jederzeit zugänglicher Pornografie ist aber auch für Buben nicht unproblematisch. Dafür spricht eine andere Kennzahl: Erektile Dysfunktionen bei jungen Männern sind gemäss einer US-Studie von 2014 zwischen 2004 und 2013 auf das Doppelte angestiegen – es handelt sich dabei um die erste Generation, die im Kindes- und Teenageralter mit Internetpornografie aufgewachsen ist.

Eine 2016 im Magazin «Behavioural Sciences» veröffentlichte Studie an Männern unter vierzig Jahren von insgesamt sieben Wissenschaftlern aus den USA, England und Schottland besagt jedenfalls, dass sich bei häufigem Pornokonsum Veränderungen im Motivationssystem des Gehirns einstellen, was wiederum zu Erektionsstörungen führen kann. Ausserdem vermutet die Studie, dass die rasche Gewöhnung – wie bei einer Sucht, ständig noch krasseres Material zu benötigen – zu einer Konditionierung führen kann, die mit realen Partnern kaum mehr auszuleben ist. Und die Hirnentwicklung, weiss man aus der Neurologie, ist bei Mädchen erst im Alter von 21 Jahren, bei Jungen sogar erst im Alter von 23 Jahren abgeschlossen. Das gilt nicht nur für Jungen in den USA und Grossbritannien, sondern auch für die in der Schweiz.

Schweizer Studie aus Jahr 2011 relativiert

Macht also Pornografie aus all unseren Buben Gewalttäter, die es normal finden, Frauen anzuspucken, zu würgen und zu prügeln? Eine Schweizer Studie aus dem Jahr 2011 relativiert: Rund 1000 Jugendliche zwischen 13 und 16 Jahren wurden im Raum Zürich von der Fachstelle Lust & Frust zu Pornonutzung, Sexualität und emotionalem Befinden befragt. Für die allermeisten ist dabei klar, dass Pornos nicht die Realität darstellen und eher männliche Wünsche ins Zentrum rücken. Für die eigene Beziehung wünschen sich die meisten Jungen eine gleichberechtigte Sexualität.

Die Schweizer Schulen haben gemäss Samuel Zingg (39), Vizepräsident des Lehrerverbands Schweiz und seit 2005 Seklehrer in Glarus, mit dem Lehrplan 21 auf die Pornowelle reagiert: «Mediennutzung ist Schulpflicht, darunter fällt auch das Pornografiethema. Die Schule lanciert zudem seit Jahren Schulkampagnen zu Pornografie und Sexualität.»

Eltern sind in der Pflicht

Zingg sieht aber auch die Eltern in der Pflicht: «Einem Kind einfach ein Smartphone in die Hand zu drücken, ohne mit ihm über die gefahren im Internets zu sprechen, ist denkbar ungünstig.» Dasselbe sagt BLICK-Sexberaterin und Psychologin Caroline Fux (38): «Als richtig schlimm für die Entwicklung der Sexualität Jugendlicher erweist sich, wenn der Erstkontakt Pornografie ist, ohne dass jemals vorher darüber aufgeklärt wurde, dass dies nicht einer realen Sexualität entspricht.» Fux fügt an: «Auch Mädchen müssen wissen, dass sie nichts über sich ergehen lassen müssen, nur weil sie denken, etwas sei normal.»

Auch Lukas Geiser (52), Dozent für Sexualpädagogik an der Pädagogischen Hochschule Zürich, sagt klar: «Neben Gesprächen zur Sexualität und Mediennutzung gehört es zur Pflicht der Eltern und der Schule, Filter auf digitalen Geräten zu installieren.» Er sagt zudem, dass der Umgang der Schüler und Schülerinnen untereinander rauer geworden sei, auch verbal: «Da kommen durchaus Begrifflichkeiten aus der Pornografie vor.» Gleichzeitig seien heute einem Teil der Jugendlichen traditionelle Werte wichtiger als früher. «Gut aufgeklärte Jugendliche werden tendenziell später sexuell aktiv als nicht aufgeklärte», sagt Geiser. Klar ist also: Porno prägt unsere Jugend. Wie, das liegt auch in der Verantwortung der Eltern und der Schule.

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