Switzerland

Das macht die derzeitige Gewinnsaison mit der Börse

Kein Investor wird von sinkenden Einnahmen wegen der Covid-19-Pandemie überrascht sein. Entscheidend für die Kursentwicklung ist aber, wie die Unternehmen die Erwartungen beeinflussen und wie sie für 2021 aufgestellt sind.

Nach dem Märzeinbruch hat sich der Aktienmarkt rasch wieder erholt und scheint nun eine schnelle V-förmige Konjunkturerholung und ein baldiges Ende der Pandemie einzupreisen.

Nach dem Märzeinbruch hat sich der Aktienmarkt rasch wieder erholt und scheint nun eine schnelle V-förmige Konjunkturerholung und ein baldiges Ende der Pandemie einzupreisen.

Imago

Die Stunde der Wahrheit ist angebrochen. Für die Börse heisst das Gewinnsaison. Erste Firmen haben ihren Quartalsausweis präsentiert, in der kommenden Woche folgen 30 SPI-Unternehmen. Am Freitag gab es erste Hinweise, wie Investoren reagieren: Die Aktien von Ems Chemie kletterten, weil zwar das Resultat massiv nachgab, die revidierten Prognosen aber übertroffen und die Margen gehalten wurden. Die Titel der TX Group verloren dagegen an Terrain. Bei dem Medienunternehmen fiel der Umsatzeinbruch stärker als erwartet aus, und auch der Ausblick musste revidiert werden.

Nach dem starken und unerwarteten Erholungsrally scheinen die Aktiennotierungen mit Hinblick auf die anstehenden Quartals- bzw. Halbjahreszahlen verletzlich zu sein. «Wir bei Raiffeisen haben die Aktienquote leicht reduziert und halten kurzfristig eine erhöhte Liquiditätsquote», sagt Matthias Geissbühler, Chief Investment Officer bei Raiffeisen. Er gehe davon aus, dass die Volatilität während der Gewinnsaison hoch bleiben werde, und rechne mit teilweise heftigen Kursbewegungen. Die Märkte nehmen gemäss Martin Hüsler, Aktienstratege der ZKB, bis jetzt die Ergebnisse wohlwollend auf – selbst solche, welche die Erwartungen nicht ganz erfüllen konnten. Nach dem Motto: durch schwache Resultate hindurchschauen und auf starke Resultate hin zukaufen. «Derzeit scheint wenig den Aufwärtstrend bremsen zu können», sagt Hüsler.

Die Umsatz- und Gewinneinbussen werden gemäss Nicola Jenni, Leiter Portfolio Management für Swisspartners, auch einen richtungsweisenden Charakter haben. Es werde ersichtlich sein, welche Bereiche der Wirtschaft auch unter solchen Umständen gut funktionierten und welche weniger. «Die Welt befindet sich in stetem Wandel; es ist also gut möglich, dass wir anhand der Ergebnisse erkennen werden, wo ein Trend zu Ende geht und wo ein neuer entsteht», fügt er an.

Weil die Umsatz- und Gewinneinbussen zu einem bedeutenden Teil erwartet würden, seien sie nicht zu stark zu werten, sagt Anastassios Frangulidis, Chefstratege bei Pictet. Der Blick der Investoren geht in die Zukunft, somit wird der Ausblick der Unternehmen auf die kommenden Monate von Interesse sein. Viele Unternehmen werden sich gemäss Martin Hüsler aber weiterhin vorsichtig zeigen und auf konkrete Ausblicke verzichten: «Eine zweite Corona-Welle wie etwa in Melbourne und Fragezeichen bezüglich der wirtschaftlichen Entwicklung im kommenden Semester werden die Schätzungssicherheit weiterhin trüben.» Der Expansionsgrad der Wirtschaftspolitik wird gemäss Frangulidis während oder unmittelbar nach Ende der Berichtsaison nicht erneut angepasst. Dies könne aber geschehen, wenn sich die Lage um Covid-19 erneut verschlechtere.

Der Aktienmarkt, der sich nach dem Märzeinbruch rasch wieder erholt hat, scheint eine schnelle V-förmige Konjunkturerholung und ein baldiges Ende der Pandemie einzupreisen. Träfe dies auch effektiv ein, wären die Umsatz- und Gewinneinbussen gemäss Geissbühler im Jahr 2020 verkraftbar, bzw. der Markt schaue dann bereits ins nächste Jahr. «Diesbezüglich bin ich allerdings skeptisch», sagt er. Erstens dürfte uns Covid-19 noch länger beschäftigen – eine mögliche zweite Welle sei ein ernstzunehmendes Risiko. Er rechnet mit einer deutlich zaghafteren Konjunkturerholung. Dies vor dem Hintergrund einer steigenden Arbeitslosigkeit und einer deutlich höheren Sparquote. Beides werde sich über das Jahr 2020 hinaus negativ auf den Konsum auswirken.

Für die Kursbestimmung einer Aktie wird auf verschiedene Bewertungsmodelle zurückgegriffen – beliebt ist dabei die Diskontierung zukünftiger Cashflows. «Geht man davon aus, dass Covid-19 vor allem 2020 Spuren hinterlässt, so ist der Einfluss auf die diskontierten Cashflows gering», sagt Nicola Jenni. Der berechnete faire Wert eines Unternehmens würde sich dadurch nur minim verändern.

Die befragten Experten sind sich einig, dass es auch nach der Gewinnsaison kaum eine Alternative zu Aktien geben wird, solange die Notenbanken weiterhin Liquidität in die Märkte pumpen. Anastassios Frangulidis sieht einen Kampf zwischen Gewinnentwicklung und Bewertungen: «Während die Gewinne kurzfristig einen negativen Einfluss auf die Aktienkurse haben können, werden die Bewertungen das längerfristige Umfeld prägen. «Die Bewertungen werden weiter steigen, aber eben nur dort, wo das Geschäftsmodell zukunftsträchtig ist», sagt Nicola Jenni. Gegenwärtig sind die Aktienmärkte aus Sicht von Geissbühler teuer bewertet: «Ein Kursrückgang zwischen 5 und 10% in den breiten Indizes würde diese Überbewertung etwas abbauen, und das wäre dann aus langfristiger Perspektive ein Niveau für eine schrittweise Erhöhung der Aktienquote.» Aber auch dann ist eine sorgfältige Selektion gefragt: Nur Aktien von Firmen, die über eine gesunde Bilanz sowie ein zukunftsgerichtetes und krisenerprobtes Geschäftsmodell verfügen, sollten gewählt werden.

Football news:

Thiago über 8:2 gegen Barça: Bayern hat noch nichts gewonnen
Die Zukunft von Bartomeu in Barcelona wird der Vorstand nächste Woche besprechen
ZSKA Moskau ist bereit, 7 Millionen Euro für Verteidiger Fuchs anzubieten. International will 10 Millionen^.ZSKA Moskau will Innenverteidiger Bruno Fuchs, für den auch Monaco und Lille qualifiziert sind, erwerben
Goretzka über 8:2 gegen Barça: Das ist nur der erste von drei Schritten
Matteus über die Niederlage von Barça: es tut Weh zu sehen, was mit der Mannschaft passiert ist, die uns so viele Jahre inspiriert hat
Bartomeu traf sich diese Woche mit Pochettino. Er könnte das Netz bei Barça wechseln
Salihamidzic über 8:2 gegen Barça: Bayern freut sich sehr, will aber mehr