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Switzerland

Das Löwenbräu kriegt Konkurrenz

Die untere Rämistrasse war vor allem bekannt für ihre Antiquariate. Läuft man heute vom Bellevue hoch zum Kunsthaus, sind da zahlreiche zeitgenössische Galerien. Zum einen sind es die, die seit Jahrzehnten hier sind: die Galerie Ziegler, die Galerie Thalberg und die Galerie Mai 36 etwa. Zum anderen finden sich neuerdings aber auch weitere bekannte Namen an der Rämistrasse: Hauser & Wirth etwa seit letztem Sommer und ab Freitag auch Eva Presenhuber.

Zusätzlich zu ihrer Galerie im Maag-Areal eröffnet Presenhuber also einen zweiten Standort mitten im Kreis 1. Bei einem Spaziergang sei ihr aufgefallen, dass einige Geschäftslokale leer seien, schreibt sie auf Anfrage. Und weshalb hat sie sich letztlich für die Rämistrasse entschieden? «Die neue Galerie war früher ein Wohnhaus und bietet die Möglichkeit, neue Ausstellungskonzepte zu inszenieren, die in den kahlen Räumen der Galerie in der Maag nicht möglich sind», schreibt Galeristin Presenhuber.

Auf zur Rämistrasse

Stefano Pult und Céline Lange sind mit ihrer Galerie gar ganz aus Zürich-West weggezogen. Nach zwölf Jahren im Löwenbräu sind Lange + Pult seit letztem März an der Rämistrasse 27 beheimatet. «Wir waren unglücklich mit den Entwicklungen im Löwenbräu», sagt Pult. «Während des Umbaus von 2010 bis 2013 hatten wir einen massiven Besucherverlust. Und danach war die Atmosphäre, die das Areal zuvor hatte, weg.»

So schien es auch der Galerie Fabian & Claude Walter zu gehen; sie verlegte bereits 2013 ihre Räumlichkeiten vom Löwenbräu an die Rämistrasse. Ihnen gleich tat es vergangenen Oktober die junge Galerie Maria Bernheim. Auch die Galerie von Angela Weber ist eher neu an der Rämistrasse.

Letztes Jahr ist ebenfalls die Über-Galerie Hauser & Wirth mit ihrem Verlag «Hauser & Wirth Publishers» an die Rämistrasse gezogen und hat einen Buchladen eröffnet. Verlagsleiterin Manuela Unterdörfer beschreibt die Strasse als pulsierendes Zentrum. «Wichtig war für uns aber auch die Geschichte der Lokalität; hier war einst Emil Oprechts Europa-Verlag, der Werke deutscher Exilautoren wie Thomas Mann und Else Lasker-Schüler veröffentlichte», sagt Unterdörfer. Sie sieht die steigende Zahl der Galerien an der Rämistrasse nicht als Gefahr, sondern als Chance. Denn jede Galerie bringt ihr eigenes Publikum mit – das auch potenzielle Kundschaft für andere ist. Stefano Pult glaubt ebenfalls, dass die Laufkundschaft, die den Weg ins Löwenbräu eher weniger findet, an der zentralen Lage grösser ist.

Die Lage ist entscheidend

Was ebenfalls für den neuen Hotspot Rämistrasse spricht, ist die Nähe zum Kunsthaus, das nach der Fertigstellung des Erweiterungsbaus noch mehr Besucher anlocken dürfte. Stefano Pult ist überzeugt, dass dadurch die Rämistrasse aufgewertet wird. Auch Eva Presenhuber und Manuela Unterdörfer glauben, dass die Strasse zu einem neuen Galerien-Hub wird. «Durch das Retail-­Sterben gibt es hier aktuell eine grosse Dynamik», sagt Hauser-&-Wirth-Verlegerin Unterdörfer.

Schaden wird den Galerien auch nicht, dass mit der Kronenhalle eines der besten und auch international bekanntesten Restaurants der Stadt in unmittelbarer Nähe ist.

Galerie Eva Presenhuber Rämistrasse

Zur Eröffnung des Standorts im Kreis 1 zeigt Eva Presenhuber neue Skulpturen des Romands Valentin Carron, der 2013 die Schweiz an der Biennale in Venedig vertrat. Unter anderem hat Carron eine Wandarbeit kreiert, bei der er auf eine Holzplatte das Muster einer Grobspanplatte malen liess. Er sei ein wichtiger Schweizer Künstler, der hierzulande aber noch zu wenig ­Visibilität bekomme, begründet Presenhuber ihre Eröffnungsschau. In der Filiale im Maag-Areal sind derweil aktuell Werke von Tobias Pils und dem Amerikaner Justin Ma­therly zu sehen (bis 14. März). (aho)

Galerie Eva Presenhuber
Rämistr. 33
Di–Fr 11–18.30 Uhr, Sa 11–17 Uhr
Standort Maag-Areal: Zahnradstr. 21,
Di–Fr 10–18 Uhr, Sa 11–17 Uhr
www.presenhuber.com

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