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Das Leiden der Ärzte in Wuhan

Bild: EPA

Das Leiden der Ärzte in Wuhan

Die Ärzte im Epizentrum der neuartigen Virus-Epidemie in der chinesischen Millionenstadt Wuhan stehen vor einer kaum zu bewältigenden Herausforderung: Seit Wochen müssen sie eine stetig wachsende Zahl von Patienten behandeln und riskieren dabei, mangels ausreichenden Schutzes selbst angesteckt zu werden.

«Sie sind erschöpft und stehen unter enormem Druck», berichtet eine Ärztin aus einem grossen Spitalvon Wuhan, das nur schwere Fälle aufnimmt, der Nachrichtenagentur AFP.

«Meine Kollegen haben keine Zeit zum Essen oder Trinken, sie schaffen es nicht einmal, auf die Toilette zu gehen», berichtete die Ärztin weiter. Ihren Namen will sie aus Angst vor Repressalien nicht nennen.

In den Krankenhäusern der zentralchinesischen Metropole, wo das neue Coronavirus Covid-19 im Dezember seinen Ausgang nahm, herrscht seit Wochen Ausnahmezustand. Rund 43 Prozent der über 44'000 Infektionsfälle auf dem chinesischen Festland und 74 Prozent der über 1100 Todesfälle konzentrieren sich auf Wuhan.

Seit Woche betreuen Ärzte und Pfleger die Patienten, ohne über ausreichende Schutzanzüge und Atemschutzmasken zu verfügen. Ein Arzt in einer kleineren Stadtteil-Klinik von Wuhan berichtet, dass er und mindestens 16 Kollegen die typischen Symptome des Coronavirus wie Husten und Lungeninfektionen zeigen.

15 Bilder, die zeigen, was gerade in Wuhan vor sich geht

«Als Ärzte wollen wir natürlich nicht arbeiten, während wir vielleicht ansteckend sind», sagte er. «Doch es gibt im Moment einfach niemanden, der uns ersetzen könnte.» Nach seinen Angaben wurden alle Ärzte, die kein Fieber haben, angewiesen, weiter zu arbeiten.

Der Tod des Augenarztes Li Wenliang am vergangenen Freitag, der als erster vor dem neuen Virus gewarnt hatte und sich dann selbst bei einem Patienten ansteckte, warf ein Schlaglicht auf die Gefahren, denen die Ärzte in der Stadt ausgesetzt sind. Am selben Tag räumte Wuhans stellvertretender Bürgermeister Hu Yabo einen täglichen Mangel von 56'000 Masken und 41'000 Schutzanzügen ein.

Windeln unter Schutzanzügen

Jiao Yahui von der chinesischen Gesundheitskommission berichtet, dass viele Ärzte unter ihren Schutzanzügen Windeln tragen und sich den Gang auf die Toilette verkneifen, um einen Wechsel der raren Anzüge hinauszuzögern. Viele Mediziner und Pfleger auf den Isolierstationen tragen demnach bis zu neun Stunden lang ihre Schutzkleidung, obwohl sie eigentlich alle vier Stunden lang gewechselt werden müsste. «Natürlich heissen wir diese Methode nicht gut, aber sie haben keine andere Wahl», sagt Jiao.

Zwar wurden Produktion und Import von Masken und Schutzanzügen inzwischen deutlich erhöht, doch helfe das nur wenig, berichtete die Ärztin der Grossklinik in Wuhan. «Selbst wenn wir mehr Masken bekommen - die Zahl der Patienten steigt noch schneller.»

Einige Ärzte bastelten sich inzwischen selbst Schutzanzüge, die aber keinen wirklichen Schutz gegen das Virus böten, sagt Xu Yuan. Die 34-Jährige lebt in den USA, steht aber in ständigem Kontakt mit ehemaligen Klassenkameraden, die in den Krankenhäusern von Wuhan arbeiten. Sie spendete ihnen für 5000 Dollar (knapp 4600 Euro) Schutzausrüstung.

Einer ihrer Freunde habe fünf Tage lang denselben Behelfs-Schutzanzug getragen, erzählt Xu. «Jeden Tag desinfiziert er ihn nach dem Tragen. Er sagt, das sei wahrscheinlich sinnlos, aber immer noch besser als nichts.»

Ihre Kollegen, die ausschliesslich schwerkranke Patienten behandeln, stehen noch unter einem ganz anderen Druck, berichtet die Ärztin vom Grosskrankenhaus in Wuhan. Sie müssten damit umgehen, dass viele Patienten «ganz schnell sterben und nicht gerettet werden können». In ihrem Krankenhaus gebe es nun psychologische Betreuung, die dafür sorgen soll, dass das überarbeitete Personal nicht zusammenbreche. (sda/afp)

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