Switzerland

Das «Kei Party»-Bier: Solidaritätsbier wider den Party-Kater

Seit mehr als zwei Monaten darf in der Schweiz in Clubs, Tanzlokalen und Konzerthallen nicht mehr gefeiert und getanzt werden – schuld daran ist das Coronavirus. Die Coronakrise stellt, neben vielen anderen, auch die Clubszene vor existenzielle Probleme. Deshalb haben sich die sechs Badener Clubs Cordula Club, Gate54, LWB, Nordportal, Royal und Werkk erstmals in ihrer Geschichte zusammen getan, um ihren Gästen ein Lebenszeichen aus dem Lockdown zu schicken.

Sie tun dies in Form eines Spezialbiers namens «Kei Party». Gebraut wird es von der kleinen Badener Craftbier-Brauerei Mischmasch. «Die Idee ist spontan an einer Sitzung aufgekommen und sofort waren alle Feuer und Flamme dafür», sagt Madelaine Ammann, verantwortlich für den Gastrobereich beim Jugendlokal Werkk in Baden. «Weil wir als städtischer Betrieb wohl am wenigsten unter den Coronaeinschränkungen leiden, haben wir uns entschieden, den Lead für diese Aktion zu übernehmen und quasi die anderen Clubs mit an Bord geholt.»

Hälfte des Erlöses geht an die Clubbetreiber

Die Zusammenarbeit mit Bierbrauer Michel Rissi an der Römerstrasse im Bäderquartier habe sich ergeben, «weil seine Brautänke bald überquellen», sagt Ammann. So können einerseits literweise gebrautes Bier gerettet, andererseits die betroffenen Clubs unterstützt werden. Das visuelle Erscheinungsbild des «Kei Party»-Biers wurde vom Barkeeper und Grafiker Karl Hofmann in unentgeltlicher Arbeit gestaltet.

Über die Plattform www.keiparty.club kann das «Kei Party»-Bier (0,33l Craftbier, Lager) bestellt werden. Für 4.50 Solidaritätspreis pro Büchse unterstützen die Käuferinnen und Käufer die lokalen Clubs in dieser schwierigen Zeit direkt und unkompliziert. Rund die Hälfte des Verkaufserlöses geht dabei zu gleichen Teilen an die Clubs. «Die bestellten Biere holt man nach Vereinbarung im Werkk-Kulturlokal bei der Halle Alte Schmiede in Baden Nord, natürlich unter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsmassnahmen», sagt Ammann.

Betriebsaufnahme am 8. Juni unwahrscheinlich

Vor gut einer Woche gingen die ersten 2000 Büchsen in den Verkauf. «Innerhalb von nur drei Tagen waren diese jedoch bereits ausverkauft», sagt Madelaine Ammann. «Wir wussten nicht genau, was da auf uns zukommt, sind aber über die grosse Nachfrage sehr erfreut», so Ammann. Nun würden fortlaufend weiter Büchsen produziert. Wie lange die Aktion noch dauern wird, steht nicht fest – sicher aber bis zum 8. Juni, weil Clubs und Kulturhäuser so lange geschlossen bleiben. «Ich gehe realistischerweise nicht davon aus, dass wir ab dem 8. Juni wieder öffnen können, während zum Beispiel Festivals verboten bleiben. Aber ein kleines bisschen Hoffnung haben wir schon», blickt Ammann positiv voraus.

Natürlich sei der Ertrag aus dem Bierverkauf nur ein Tropfen auf den heissen Stein für
die wirtschaftlich arg gebeutelten Clubs und Eventlokale. «Es geht aber darum, dass wir solidarisch zusammenstehen und einander unterstützen. Ich bin überzeugt, dass die Coronazeit insofern ihr Gutes hat, als Kulturbetreiber in Baden auch in Zukunft mehr zusammenspannen werden.»

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