Switzerland

Das ist die CIA-Connection der CVP

Momentan gibt die FDP ihrer politischen Konkurrenz ein leichtes Ziel ab. Mehrere prominente ­Freisinnige stehen im Verdacht, von den Geheimdienst-­Machenschaften der Firma Crypto AG gewusst zu haben. Die CVP hingegen hat sich bis jetzt erfolgreich aus dem Schussfeld herausgehalten. Das ist erstaunlich, denn die CVP hat mit der Crypto AG mindestens so enge Verbindungen wie die FDP.

Darauf hingewiesen hat zuerst die «Wochenzeitung» (WOZ). Das Zuger Handelsregister offenbart nun das ganze Ausmass der CVP-Crypto-Connection.

Zwei Zuger CVP-Grössen sassen gemeinsam 50 Jahre lang im Crypto-Verwaltungsrat: Philipp Schneider und Walther A. Hegg­lin, beides langjährige Zuger Kantonsräte, Stadträte und Stadtpräsidenten. Gemeinsam hatten Schneider und Hegglin 32 Jahre das VR-Präsidium der Crypto AG inne. «Anders als auf Bundesebene fuhr im Kanton Zug die FDP im Seitenwagen der CVP mit», sagte der Zuger Alt-Nationalrat Jo Lang, Crypto-Kritiker seit Jahrzehnten, gegenüber der WOZ.

Filz nach Zuger Art

Philipp Schneider war ein ­Crypto-Mann der allerersten Stunde. Bereits 1952, als das schwedische Verschlüsselungs-Genie Boris Hagelin die Firma gründete, trat Schneider in den Verwaltungsrat ein. Er blieb dort 36 Jahre lang. 1970 stieg er zum Präsidenten auf. Das war – Zufall oder nicht? – exakt das Jahr, in dem der amerikanische Geheimdienst CIA und der deutsche Bundesnachrichtendienst (BND) die Firma aufkauften.

Nur ein Jahr später wurde Schneider auch Stadtpräsident von Zug. Damit war der wirtschaftlich-politische-geheimdienstliche Schulterschluss am Zugersee perfekt: CVP-Mann Schneider präsidierte gleichzeitig die CIA/BND-Tarnfirma Crypto AG und die Kantonshauptstadt.

Als Schneider 1988 bei ­Crypto ausschied, übernahm sein Parteikollege Walther A. Hegglin nahtlos. Auch er war zeitweise gleichzeitig Zuger Stadtpräsident und VR-Präsident. Walther A. Hegglin (nicht verwandt mit dem heu­tigen CVP-Ständerat Peter ­Hegglin) behielt das Crypto-Präsidium bis 2002.

Ist es denkbar, dass Schneider und Hegglin nicht wussten, dass ihre Firma den Geheimdiensten gehörte? Ist es möglich, dass sie beim «Geheimdienst-Coup des Jahrhunderts» («Washington Post») bloss ahnungslose Strohmänner waren? Beide Politiker können nicht mehr gefragt werden: Schneider verstarb 1993, Hegglin 2013.

Nach Hegglins Abgang brach in der Crypto AG die FDP-Ära an. Der damalige FDP-Nationalrat Georg Stucky präsidierte den Verwaltungsrat die nächsten 14 Jahre bis ins Jahr 2016. Stucky war es auch, der - noch als einfacher Verwaltungsrat - mit dem damaligen FDP-Bundesrat Kaspar Villiger in Sachen Crypto AG ein geheimnisumranktes Treffen hatte. Dabei soll Stucky den Bundesrat über die wahren Hintergründe der Crypto AG informiert haben. Villiger dementiert dies vehement.

2014 trat mit Alt-Ständerat Rolf Schweiger ein weiterer Freisinniger in den Verwaltungsrat ein. Er blieb dort einfaches Mitglied, bis die ursprüngliche Crypto AG im Jahre 2018 aufgeteilt wurde.

Machtkampf in der FDP

Am Freitag tagen die Bundeshausfraktionen von FDP und CVP. In beiden Parteien wird die Crypto-Affäre mindestens am Rande ein Thema sein. Es geht um die Frage, ob eine Parlamentarische Untersuchungskommission (PUK) eingesetzt werden soll oder nicht.

Bislang verläuft die Debatte in den beiden Partei sehr unterschiedlich. CVP-Präsident Gerhard Pfister, der selber aus Zug kommt und die dortigen Verhältnisse natürlich gut kennt, hat sich strikt gegen die Einsetzung einer PUK ausgesprochen; seiner Meinung genügt die reguläre Geschäftsprüfungsdelegation (GPDel), um die Affäre aufzuklären.

FDP-Chefin Petra Gössi hingegen hat sich früh «schockiert» über das Ausmass der Affäre gezeigt und eine lückenlose Aufklärung gefordert – wenn nötig mit einer PUK. Parteiintern stösst Gössi aber auf Widerstand. Mehrere FDP-Parlamentarier sprachen sich öffentlich gegen eine PUK aus. Wer sich durchsetzt, die Parteichefin oder ihr Fussvolk, dürfte sich heute an der Fraktionssitzung zeigen.