Switzerland

Das Heer der 60 000 Freiwilligen jagt das Virus – eine italienische Sommeridee

In Italien sollen Hilfspolizisten Annäherungen unter Jugendlichen überwachen. So wollte es Francesco Boccia, der Minister der Regionen. Doch der Widerstand der Bevölkerung gegen die Bevormundung wächst.

Junge Leute geniessen den Sommerabend in Mailand. Haben sie genug Abstand?

Junge Leute geniessen den Sommerabend in Mailand. Haben sie genug Abstand? 

Mourad Balti Touati / EPA

Die Italiener haben in den letzten drei Monaten viele einschneidende Anordnungen ihrer Regierung geschluckt, aber das geht zu weit. Sie wollen nichts wissen von einer Sondertruppe des Zivilschutzes, die im Kampf gegen das Coronavirus in Strassen und an Stränden Polizei spielen und dafür sorgen soll, dass die Jugendlichen in Party-Laune sich nicht zu nahe kommen.

Politiker von rechts bis links lehnen «Bürgerwehren» und «Revolutionswächter» ab, Zeitungen schreiben ätzende Kommentare, von einem «Abrutschen in den Autoritarismus» spricht ausgerechnet die Rechtsaussenpolitikerin Giorgia Meloni.

«Bürgerassistenten» sollen für Ordnung sorgen

Man werde 60 000 freiwillige «Bürgerassistenten» (assistenti civici) rekrutieren, nämlich Arbeitslose, die sich in der Epidemie-Notlage nützlich machen wollten. Ihre Aufgabe werde es sein, alle Massnahmen gegen die Weiterverbreitung des Coronavirus durchzusetzen, vor allem die Abstandsregel: 1 Meter Distanz zwischen den Personen.

Das hat Francesco Boccia, der Minister für die Regionen, am Sonntagabend angekündigt. Er wurde sekundiert von Antonio Decaro, dem Bürgermeister von Bari und Vorsitzenden des italienischen Gemeindepräsidentenverbands. Dieser ging in seiner Stadt im Lockdown selbst auf Patrouille, um Jugendliche zu verscheuchen, die sich im Freien aufhielten: «Alle nach Hause!»

Die Ankündigung der Schaffung eines Freiwilligenheers war offenbar innerhalb der Regierung nicht genügend abgesprochen. Die Innenministerin erhob sogleich Einspruch beim Regierungschef, ebenso der Verteidigungsminister. Die Zuständigen für die Sicherheit wiesen darauf hin, dass man Polizisten, auch Hilfspolizisten, sorgfältig auswählen und ausbilden und dann auch führen müsse. Boccia fühlte sich missverstanden und krebste zurück.

Autoritäre Gelüste

Die Diskussion zeigt, dass manche italienische Politiker – nicht nur Rechte, sondern auch Linke – ein ziemlich autoritäres Weltbild pflegen, die Italiener aber zunehmend wieder auf ihre Freiheit pochen. In der Coronavirus-Krise konnten die Behörden von Staat, Regionen und Gemeinden mit Notstandserlassen «durchregieren». Das war nötig so, denn es musste schnell entschieden werden. Die Bürger nahmen einschneidende Freiheitsbeschränkungen hin.

Doch allmählich scheint ihre Duldsamkeit erschöpft. Sie haben drei Monate in einem ziemlich strengen Hausarrest verbracht, sie wollen sich endlich wieder bewegen.

Die Italiener haben, so lautet der Tenor der Kritiker, genug von Bevormundung und Gängelung, sie haben ihre Fähigkeit zu Selbstdisziplin bewiesen, und sie vertrauen auf ihre Eigenverantwortung. Es brauche keinen Polizeistaat und keine Dauerüberwachung, meint die Zeitung «La Repubblica». Man solle die Leute nicht noch länger einsperren, sondern freilassen. Nur so würden die produktiven Energien freigesetzt, über die das Land verfüge.

Es wird Bilanz gezogen über das Handeln der Behörden in der Krise. Die Diskussion folgt weitgehend dem üblichen Links-rechts-Schema. Die Rechte wirft der Regierung in Rom Versagen vor, weil die Staatshilfe für Unternehmen und Bedürftige zu oft in der Bürokratie blockiert ist. Das Geld kommt bei den Adressaten nicht an.

Die Linke unterstellt der Rechten, in der Lombardei das Gesundheitswesen mit Privatisierungen gelähmt und überdies in den Altersheimen ein «Massaker» verübt zu haben. Das wird noch zu reden geben. Das Heer der Freiwilligen jedoch wird voraussichtlich nicht marschieren. Diese Idee scheint erledigt.

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