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Das Coronavirus entzaubert Populisten – bietet ihnen aber auch einen Nährboden

Die Corona-Krise streicht die Schwächen von Politikern wie Bolsonaro hervor. An einen Untergang der Volkstribune zu denken, wäre aber verfrüht.

Der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro posiert für ein Selfie nach einer Ansprache vor der brasilianischen Community in Miami.

Der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro posiert für ein Selfie nach einer Ansprache vor der brasilianischen Community in Miami. 

Marco Bello / Reuters

Das Coronavirus hat eine ungewohnte Ruhe über die Welt gebracht. Nicht nur, weil das öffentliche Leben vielerorts stillsteht. Auch in der Politik ist es leiser geworden. In Italien hört man von Krawallmacher Matteo Salvini weniger als sonst. Noch vor ein paar Monaten war der Volkstribun in den Medien omnipräsent. Seit Virusausbruch ist er auf einem Nebenschauplatz. In Deutschland hat die AfD in Umfragen an Zustimmung verloren. Angela Merkel und ihre CDU konnten zulegen.

Nimmt die Corona-Krise Populisten den Wind aus den Segeln? Zeigt sie deren Grenzen auf, ja könnte sie gar deren politisches Ende bedeuten? Wer diesen Gedanken verlockend findet, sollte sich nicht zu früh freuen.

Schuldzuweisungen und Systemkritik ziehen nicht

Gewiss, in mehreren Ländern haben die vergangenen Wochen gezeigt: In Krisensituationen vertrauen Menschen auf Wissenschafter und Experten. Sie wollen glaubwürdige Informationen. Mit simplen Schuldzuweisungen lässt sich eine Epidemie nicht eindämmen. Fremdenfeindlichkeit, Kritik an «System» und «Elite» zielen ins Leere im Kampf gegen eine Krankheit, die weder zwischen Nationalitäten noch sozialen Klassen unterscheidet. Das Coronavirus macht vor den USA nicht halt, nur weil Donald Trump es «ausländisch» oder «chinesisch» nennt. Und es löst sich nicht in Luft auf, wenn Jair Bolsonaro es als Phantasie abtut.

Im Fall der beiden Präsidenten bewirkte die Krise etwas anderes: Sie rückte ihre Inkompetenz ins grelle Licht. Der Rechtspopulist Bolsonaro verhielt sich wochenlang verantwortungslos, machte Selfies mit Anhängern, schüttelte Hände und verharmloste das Virus als «kleine Grippe». Vielen Brasilianern ist bereits der Kragen geplatzt. Sie schlagen an ihren Balkonen und Fenstern auf Töpfe und Pfannen und tun so ihren Protest kund. Auch politisch wirkt Bolsonaro zunehmend isoliert. Doch ob ihm sein Verhalten langfristig schaden wird, bleibt abzuwarten.

Dasselbe gilt für Donald Trump. Amerikas Präsident ist heute nicht weniger populär als vor Corona, trotz seinem fragwürdigen Krisenmanagement. Lange hatte auch er das Virus verharmlost und bei dessen Eindämmung wertvolle Zeit verspielt. Nun inszeniert er sich als Herr der Krise. Dass er in der Rolle nicht überzeugt, scheint den Zuspruch seiner Anhänger nicht zu mindern.

Wirtschaftliche Schäden als Nährboden

In Italien, Deutschland oder Frankreich, wo Populisten in der Opposition sind, mögen sie vorerst an Fahrt verloren haben. Überraschend ist das nicht, wenn sich in einer Krise die Augen auf die Regierungen richten. Erste Umfragen haben viele Regierungschefs gestärkt gezeigt. Zu schnell abschreiben sollte man Le Pen und Co. deshalb aber nicht. Sie könnten langfristig gar von der Lage profitieren. 

Die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie sind gravierend. Können Massenarbeitslosigkeit und Armut nicht verhindert werden, liefert das populistischen Politikern fruchtbaren Boden. Zudem wirkt die Corona-Krise schon jetzt wie ein Vergrösserungsglas auf soziale Ungleichheiten: zwischen jenen, die die Ausgangssperre in ihren Ferienhäusern auf dem Land abwarten, und jenen, die zu viert oder fünft in Zweizimmerwohnungen festsitzen. Zwischen jenen, die als Kassierer, Lieferanten oder Busfahrer weiter zur Arbeit gehen, und jenen, die im Home-Office vor Ansteckungen geschützt sind. Jede Polarisierung der Gesellschaft suchen Populisten für sich zu nutzen. 

Transparenz gefragt

Jeder Anlass für Misstrauen in der Bevölkerung kann den populistischen Oppositionsparteien in die Hände spielen. In Frankreich glaubt laut einer Umfrage ein grosser Teil der Bevölkerung, die Regierung enthalte ihr bei der Virusbekämpfung Informationen vor. Ungeschickte Äusserungen mancher Regierungsmitglieder dürften daran Mitschuld haben. Die Rechtspopulistin Marine Le Pen zögert nicht, darauf hinzuweisen.

Gegen solchen Argwohn können Regierungen vor allem durch eines ankämpfen: Transparenz. Das bedeutet auch, mögliche eigene Versäumnisse im Umgang mit der Epidemie einzuräumen. Nur wer offen kommuniziert und auf Fehler reagiert, wird das Vertrauen der Bürger nicht verspielen. 

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