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Das Annus horribilis wirft die Luftfahrt weit zurück

Die internationale Luftfahrt steckt mitten in der schlimmsten Krise der Nachkriegszeit. Weil sich die Pandemie im zweiten Halbjahr vielerorts verschärft, rechnet der Branchenverband Iata mit noch grösseren Verlusten im laufenden Jahr. Hoffnungen ruhen auf Coronavirus-Schnelltests und -Impfstoffen.

Um sicheres Fliegen wieder zu ermöglichen, will die Luftfahrt-Branchenvereinigung IATA an den Flughäfen Coronavirus-Schnelltests einführen.

Um sicheres Fliegen wieder zu ermöglichen, will die Luftfahrt-Branchenvereinigung IATA an den Flughäfen Coronavirus-Schnelltests einführen.

Alexander Hassenstein / Getty

Die Fluggesellschaften und auch die Flughäfen haben bis anhin noch kaum Rezepte gegen die Corona-Pandemie gefunden, die einen einigermassen stabilen Flugverkehr ermöglichen würden. Die Jahresversammlung der International Air Transport Association (Iata) hat am Dienstag notgedrungen virtuell stattgefunden, denn ein Stelldichein in Amsterdam lag trotz einer Aufschiebung um ein halbes Jahr nicht drin. Die erhoffte Normalisierung hat sich seit Anfang Juni nicht eingestellt, was die Iata nun dazu führt, den geschätzten aggregierten Verlust der 290 Iata-Fluggesellschaften für 2020 um 35 Mrd. auf 118,5 Mrd. $ nach oben anzupassen.

Grosse Stützungsaktion von staatlicher Seite

Der Einbruch des Fluggeschäfts fällt dieses Jahr vor allem auf den internationalen Routen mit einem Minus von 75% spektakulär aus. Gemessen an den Passagierzahlen ist die Korrektur mit –61% auf 1,8 Mrd. Personen weniger drastisch, was vor allem mit einer raschen Erholung des chinesischen Binnenverkehrs zu erklären ist. Jedenfalls wird im globalen Fluggeschäft damit eine Verkehrsleistung ausgewiesen, wie sie schon im Jahr 2003 erreicht worden war. Die Sars-Krise in den Jahren 2002/03, die terroristischen Attacken auf Amerika am 11. September 2001 und auch der Ausbruch der Finanzkrise 2008 haben im Gegensatz zu Covid-19 nur für kurze Zeit das Fluggeschäft beeinträchtigt. Diesmal ist alles anders.

Der Iata-Generaldirektor Alexandre de Juniac rechnete vor, die Airlines hätten umgerechnet auf die Zahl der transportierten Passagiere für jeden Sitz etwa 66 $ draufgelegt. Selbst gut geführte Fluggesellschaften hatten im Frühjahr nach der raschen Schliessung der Grenzen keine Chance, die Kosten so rasch zu kürzen, wie die Erträge wegbrachen. Staaten stützten die Fluggesellschaften in der Folge mit Krediten, Bürgschaften, Kurzarbeitergeld und Kapitalzuschüssen. Alles zusammengezählt, wurden gemäss Iata-Angaben 173 Mrd. $ in die Branche gepumpt. Wäre kein Geld geflossen, wäre ein Massensterben von Fluggesellschaften wohl nicht zu verhindern gewesen.

Cash is king

Ob die Luftfahrt sich rasch erholen kann, ist trotz Impfstoffen, Coronavirus-Schnelltests und partiellen Grenzöffnungen ungewiss. Falls es gelingen würde, bis im Sommer 2021 Impfstoffe weiträumig zu verteilen, sollte das Fluggeschäft sich teilweise erholen. Dieses optimistische Iata-Szenario spiegelt sich in einer Reduktion der Verluste von 118,5 Mrd. $ in diesem Jahr auf geschätzt weniger als 40 Mrd. $ im nächsten Jahr. Die Iata hat sich aber während der Pandemie wiederholt mit zu rosigen Prognosen die Finger verbrannt, was zu Vorsicht rät. Die Kehrseite der bisweilen sehr grosszügigen Finanzhilfe der Staaten ist zudem die Anhäufung von Schulden der Fluggesellschaften um mehr als 50% auf 650 Mrd. $.

Weil fast alle Fluggesellschaften in den Wintermonaten unweigerlich Liquidität verbrennen werden, werden bereits Rufe nach weiteren staatlichen Finanzhilfen laut. Es gibt weltweit gemäss Iata-Statistiken nur noch etwa zwei Dutzend Fluggesellschaften, die genügend Barmittel haben, um eine Durststrecke von neun Monaten durchzustehen. Allerdings sind bis anhin auch Airlines, die schon vor der Pandemie finanziell am Abgrund standen, noch immer nicht aus dem Markt ausgeschieden; in Europa sind Alitalia und Norwegian Air zu nennen.

Die Luftfracht als Lichtblick

De Juniac erneuerte seinen Aufruf, an den Flughäfen systematische Coronavirus-Schnelltests einzuführen, um sicheres Fliegen auch in Zukunft zu ermöglichen. In Ergänzung dazu werden vom Branchenverband in Kooperation mit British Airways Anstrengungen unternommen, um einen digitalen Gesundheitspass einzuführen, auf dem Test- und Impfzertifikate jedes Passagiers gespeichert werden. Neue Impulse könnte Willie Walsh bringen, der Ende März 2021 de Juniac als Iata-Generaldirektor ablösen wird. Walsh kennt sich als langjähriger Konzernchef von British Airways bestens aus und weiss, wo die Branche der Schuh drückt.

Nicht nur die Luftfahrt wartet sehnlichst auf Covid-19-Impfstoffe, um diese Pandemie wirksam zu bekämpfen. Viele Fluggesellschaften werden sich dank dem Transport von Impfstoffen ein Zubrot verdienen können. Der Lufthansa-Konzernchef Carsten Spohr vertrat die Position, dass die Produktion von Impfstoffen und nicht deren Transport nächstes Jahr der limitierende Faktor sein werde.

Lufthansa bereite sich darauf vor, indem Passagierjets umgerüstet werden. Die Luftfracht entwickelte sich übrigens auch in Corona-Zeiten stabil, was für einen kleinen Hoffnungsschimmer sorgt. Iata-Schätzungen gehen für dieses Jahr von einem Umsatzschub von 15% und einer Erhöhung der Erträge um sogar 30% aus, weil die Preise für Frachtsendungen nachfragebedingt kräftig anzogen.

Leistungswerte der internationalen Luftfahrt*

Geldwerte in Mrd. $

2019 2020 ±%
Umsatz 838 328 –61
davon Cargo 102 118 15
davon Passagiere 612 191 –69
Kosten 795 430 –46
Gewinn/Verlust 28 –118,5
Passagiere (Mrd.) 4,5 1,8 –61
* 290 Airlines mit 82% des globalen Fluggeschäfts

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