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«Das alles chasch erläbe det, falls de Zug z’Bade ghalte hätt» – die besten Schnitzelbänke des Fasnachtsauftaktes

Sie seien in einer Formkrise. Zu viele ihrer routinierten Exponenten hätten aus Alters-, Motivations- und andern Gründen ihren Rücktritt gegeben. Und vor allem fehle der begabte Nachwuchs. Die Rede ist nicht von einer Fussballmannschaft, sondern von den Badener Schnitzelbänken. Entsprechend gespannt war das Fasnachtspublikum auf die ersten Auftritte der Bänke am Schmutzigen Donnerstag.

Das Interesse war entsprechend gross. Im bis auf den allerletzten Platz gefüllten Restaurant Langhaus jedenfalls herrschte ein mittlerer Dichtestress. Das Servicepersonal musste sich den Weg zu ihren Gästen jedenfalls immer wieder freikämpfen, sie taten es jedoch mit Charme und Freundlichkeit. Soviel sei verraten, das Fasnachtsvolk kam in den Genuss einiger Humor-Highlights. Um auf die Fussballmannschaft zurückzukommen: Nicht das Alter der Spieler entscheidet über den Erfolg einer Mannschaft, sondern die Qualität der Akteure.

In Sachen Qualität braucht sich «Ultimo Giro» bekanntlich nicht zu verstecken. Schliesslich feiert die Gruppe heuer ihr 20-Jahr-Jubiläum, ist nach wie vor motiviert und setzt sich einmal mehr mit einer musikalisch und theatralisch überzeugenden Show in Szene.

Letschti han ich uf de Stross en Gummiknüppel gfunde – isch das nöd en Sauerei?
Du hesch dänn sicher de nöchscht Polizischt gfrogt, ob das siine seg.
Da luegt de Trottel und seit:
Nei, mine han ich verlore.

«Oschterzäpfe», dieses Jahr der Protagonist mit Assistent, bietet ein dichtes und mit unzähligen Pointen gespicktes Programm.
D’Viola Amherd bringt d’Armee uf Vorderfrau,
mit wellne Flüger wüssti d’SP ganz genau,
de vo Amerika het drum zwar nonig twitteret,
doch all händ Angscht vor eus – lueg mol, wie d’Merkel zitteret.

Der Auftritt von «Blächschade» besteht aus anspruchsvoller, qualitativ einwandfreier Musik und kritischen Versen.
FDP, Partei vo de Gäldsäckel.
Jede Topf brucht halt sin Deckel.
D’Gössi meint: Ihr liebe Lüüt da unde:
Ned Greta, d’FDP het s’Klima erfunde!

Sie nennen sich «Schlümpf music for fun». Und tatsächlich, ihre fetzige Musik gefällt dem Publikum! Dazu kommt die Schnitzelbank, die mit lauter Ortsnamen gefüllt ist. Wer gut zuhört und, noch besser, genau mitliest, hat Spass am Einfallsreichtum und den originellen Ortsnamen-Sprachspielen:
Das Bäderquartier wächst in die Höhe. Und was Thun derweil die, die im Römerquartier Hausen? Die haben vor Lauterbrunnen ganz andere Sorgen, nämlich von Bottas Bad-Verkehr überRollet zu werden. ... Da sehnt sich doch das Herz-nach Vogelsang, nach einer Oase der Stilli, nach Erholung für Seele und Leibstadt sich zu Gränichen.

Dann fliegt GGG ein, die Galizisch(e) Gipfeli-Gilde. Ganz Schnitzelbank-klassisch, mit bunten Helgen. Und mit – in positivem Sinne – trockenem Humor:
Zugscham statt Flugscham!
Am Morge früeh vo do nach Brugg
Am Obig müed und fertig zrugg.
Das machsch ganz gschiid per SBB
Of so me Reisli gits viel z gseh.
...
Und näbem Schoop, em Ortsvorsteher
stönd z’Turgi nur paar Eritreer.
Das alles chasch erläbe det!
Falls de Zug z’Bade ghalte hätt ...

Die «Entdeckung» des Schniba-Abends sind «d’Schlussliechter». Sie geben ihre Premiere, und dies mit grossem Erfolg, eine echte Bereicherung. Neuenhof bekommt ganz tüchtig sein Fett ab:

In einem Dorf, in dem die geistige Sonne tief steht, werfen auch Zwerge lange Schatten!


Aber auch Wettingen wird nicht verschont (zur Melodie «Atemlos durch die Nacht»):
Ideelos esch Wettige,
Es isch en Seich, en fertige.
Händ kei Gäld für gar nüt meh,
am Budget spare tuet halt weh!

Das humorige Dessert des Schniba-Menus lieferte ch.free, genauer gesagt ein Urgestein der Badener Fasnacht: Werner Mathis, assistiert von seiner Frau Ursina. Wie eingangs erwähnt: Nicht das Alter entscheidet über den Erfolg, sondern die Qualität. Gelernt ist gelernt.
Es freut eus natürlich sehr – als treui Chunde.
Bergan und Erdan händ im Langhuus e neui Beiz gfunde.
Mer händ lang banged – doch jetzt hämmer Rue -
Und d’Rose? – Die isch immer no zue.
Durs Fänschter gsehsch immer no Bouschutt am Hufe.
Chömmer ächt det jemals wieder es Bier go sufe?

Dem bleibt nichts beizufügen.