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Darum spielt Kevin Fiala in Minnesota wieder sein ganzes Potenzial aus

Es läuft: Kevin Fiala (#22) jubelt mit Luke Kunin (#19) und Ryan Donato (#6). Bild: AP

Darum spielt Kevin Fiala in Minnesota wieder sein ganzes Potenzial aus

Eine fremde Stadt, ein neues Team und eine tiefe Krise. Der Wechsel zu den Minnesota Wild hat Kevin Fiala vor grosse Probleme gestellt. Doch jetzt schafft es der NHL-Stürmer endlich wieder, sein grosses Potenzial abzurufen. Eine Frage der Zeit und des Selbstvertrauens.

Am Ende hat Paul Fenton eben doch recht gehabt. Der in Ungnade gefallene und diesen Sommer entlassene Ex-General-Manager (GM) der Minnesota Wild war der grosse Förderer von Kevin Fiala.

2014 war er noch Assistant General Manager bei den Nashville Predators und damit verantwortlich für das Draft-Scouting. Dass die Predators an 14. Stelle in der ersten Runde den Ostschweizer Fiala zogen, war Fenton geschuldet. Er sah einen schnellen, dynamischen Spieler mit brillanter Technik und einem gefährlichen Schuss. Ein Spieler, der Spiele entscheiden kann.

Als Fenton 2018 GM bei Minnesota wird, setzt er sobald alles daran, Fiala zurück zu seinem Team zu holen. Im Februar 2019 ist es dann soweit: Der heute 60-Jährige schickt Mikael Granlund nach Nashville und erhält im Gegenzug seinen Wunschspieler Kevin Fiala. Fenton stattet seinen Schützling mit Vorschusslorbeeren aus, bezeichnet ihn als «Game-Breaker» – eben als Spieler, der Partien im Alleingang entscheiden kann.

Doch die Realität sieht anders aus. Fiala hat grosse Mühe in seiner Anfangszeit in Minnesota. Er entscheidet Spiele im Alleingang, aber nicht auf gute Art und Weise. Es ist auffällig, wie extrem viele Scheiben der Ostschweizer verliert, dem Gegner so gefährliche Gegenstösse ermöglicht. Bald fällt Fiala bei den Fans in Ungnade, weil er die zu hohen Erwartungen nicht erfüllen kann.

Rückblickend gibt der heute 23-Jährige im Gespräch mit «The Athletic» zu, dass er damals vor Angst wie gelähmt war. «Das war mein erster Trade, ich brauchte einfach Zeit», erzählt Fiala. Am Anfang sei es in Nashville ähnlich gewesen. «In den ersten ein oder zwei Saisons habe ich mich dort auch nicht wohl gefühlt. Ich hatte Angst.»

Fiala hofft, dass ihm in der Saison darauf ein Neustart gelingt. Doch auch der Sommer 2019 verläuft nicht ohne Probleme. Paul Fenton wird gefeuert und durch Bill Guerin ersetzt. Die Vertragsverhandlungen zwischen Fiala und den Wild verlaufen zäh. Er unterschreibt erst kurz vor dem Trainingsstart ein neues Arbeitspapier. Wegen Visumproblemen verpasst der Uzwiler die ersten Tage im Trainingscamp Minnesotas trotzdem – schon hat er Rückstand auf seine Teamkollegen. Entsprechend enttäuschend verläuft auch der Saisonstart. Nach wenigen Spielen folgt Mitte Oktober der Wachrüttler: Fiala muss auf die Tribüne.

Als der Stürmer davon erfährt, beschwert er sich bei Trainer Bruce Boudreau und sagt: «Aber ich will spielen.» Die lapidare Antwort des Coachs: «Tja, scheisse gelaufen.» Man müsse sich seine Einsätze verdienen.

Das sieht auch Fiala ein. «Ich wusste, dass ich gewisse Details umstellen musste, dass ich besser werden musste», erzählt der Stürmer rückblickend. Der Durchbruch gelingt ihm am 2. November, als ihm gegen St. Louis das erste Saisontor gelingt. Seither ist er der produktivste Spieler der Wild mit 37 Punkten (14 Tore) aus 43 Spielen. Er schafft es, die Zuschauer wieder für sich zu gewinnen. Man könne über Fenton viel Negatives sagen, aber bei Fiala habe er recht behalten, heisst es aus Fankreisen.

Und zuletzt hat der Schweizer mit fünf Toren und zehn Punkten in fünf Spielen nochmals eine Schippe draufgelegt.

In den ersten acht Spielen der Saison im Monat Oktober gelang Fiala nur ein Assist. Er erarbeitete sich acht Torchancen und gab 28 Schussversuche ab. In den letzten fünf Partien kam er auf 18 Torchancen und gab insgesamt 35 Schussversuche ab.

Das Selbstvertrauen des Uzwilers ist spürbar – auch bei den Teamkollegen. Goalie Alex Stalock glaubt, dass Fiala erst gerade realisiert hat, wie gut er wirklich ist. «Kevin läuft gerade heiss. Er hat dieses gewisse Etwas, spielt Pässe, die unmöglich scheinen. Er reisst die Zuschauer von den Sitzen und glaubt mir, wenn ich euch sage, dass es den Jungs gefällt, mit ihm zu spielen», sagt der 32-Jährige.

Dieses wiedergefundene Selbstvertrauen und das neugefundene Wohlbefinden in Minnesota sind sicher die Hauptgründe, warum Fiala sich derzeit im Hoch befindet. Aber es gibt auch noch ein anderes wichtiges Detail: Nachdem der Ostschweizer lange zwischen diversen Linien hin und her geschoben wurde, hat er nun seinen Platz in der ersten Linie an der Seite von Jordan Staal und Zach Parise gefunden. Boudreau setzt ihn zudem in der ersten Powerplay-Formation ein.

Fiala verdient sich diese zusätzliche Eiszeit auch mit verantwortungsvollerem Spiel in der eigenen Zone. Der Stürmer scheint gelernt zu haben, dass erfolgsversprechende Angriffe mit sauberem Defensivspiel beginnen. Dennoch will Boudreau seinen Spieler nicht zu fest loben: «Fiala spielt gut, aber erst seit einigen Wochen, nicht schon seit Monaten», sagt der Trainer.

Mit Selbstvertrauen gelingen auch solche Traumtore. Video: streamable

Er befürchtet, dass der Erfolg dem Schweizer zu Kopf steigt. «Wenn sein Ego anschwillt, leidet sein Spiel darunter», gab Boudreau schon mehrmals zu bedenken. Deshalb nimmt er sich auch die Zeit, immer wieder mit Fiala zu sprechen, um ihn auf den Boden der Realität zurückzuholen.

Fiala dagegen verspricht, dass sich seine Einstellung nicht verändert. Er wolle ein Star sein in dieser Liga: «Ich habe schon viel gelernt und will noch besser werden», sagt der Flügel gegenüber «The Athletic» und fügt an: «Ich will bei jedem Einsatz den Unterschied ausmachen können. Ich will dem Team helfen, egal was es mich kostet.»

Einen derart heissen und motivierten Spieler können die Wild gut gebrauchen. Ein Spieler, wie ihn Paul Fenton versprochen hat. Mit dem Sieg heute Nacht gegen die Vegas Golden Knights sind sie bis auf vier Punkte an den letzten Playoff-Platz herangekommen – und das bei drei Spielen weniger auf dem Konto. Mit einem Kevin Fiala in Bestform ist eine Playoff-Qualifikation nicht unrealistisch.

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