Switzerland

Dank dem Grössten bereit für die Grossen

Aufregender könnte der Neujahrstag nicht sein. Dominic Stricker hebt am 1. Januar ab. Er fliegt nach Dubai und tut das auf Einladung Roger Federers. Mit dem 20-maligen Grand-Slam-Sieger trainieren er und zwei weitere Schweizer Talente während neun Tagen in den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Der Berner stand schon öfter mit dem Baselbieter auf dem Platz, Anfang Juni 2019 etwa vor dessen Halbfinal gegen Rafael Nadal in Paris. Nun darf der Linkshänder nicht bloss mit seinem Idol üben; es kommt etwa zu gemeinsamen Nachtessen. Stricker schwärmt, sagt, es sei sehr spannend gewesen, die private Seite des Weltstars kennen zu lernen. Und er erzählt, Federer habe ihn in Gesprächen mit hilfreichen Ratschlägen versorgt, mit Inputs, durch die er bereits weitere Fortschritte erzielt habe.

Die Schweizer bereiteten sich in Dubai auf das Australian Open vor, das erste grosse Turnier 2020. Stricker darf heuer zum letzten Mal auf der Junioren­stufe mittun, und nachdem er das vergangene Jahr auf dem elften Rang im weltweiten U-18-Ranking abgeschlossen hat, gehört er an den Grand Slams fortan zum erweiterten Favoritenkreis.

In Paris erreichte der Grosshöchstettener den Final im Doppel, in New York schaffte er im Einzel den Vorstoss unter die letzten acht, und es ist nicht ausgeschlossen, dass ihm nun in Melbourne auf seiner bevorzugten Unterlage der grosse Coup ge­lingen, er zum vierten Schweizer nach Federer, Stan Wawrinka, Heinz Günthardt und Roman Valent werden wird, der im Nachwuchs reüssiert.

Es wäre der zwischenzeitliche Höhepunkt einer Karriere, welche vor ein paar wenigen Jahren Fahrt aufgenommen hat. Ende 2016 figurierte das Talent knapp unter den zweitausend besten Junioren, im Herbst 2019 stand Stricker auf Platz 9.

Üben in Biel für die weite Welt: Stricker schlägt im Seeland auf. Archivfoto: Beat Mathys

Der 17-Jährige weilt seit zwei Wochen in Australien, er reiste direkt aus Dubai an und bestritt ein Vorbereitungsturnier, bevor in Melbourne am Wochenende der Bewerb der Junioren beginnt. Ein konkretes Ziel gesetzt hat er sich nach eigenen Angaben nicht, er sagt, er habe Hoffnungen, aber keine Erwartungen.

Das laufende Jahr – es ist eine Schlüsselsaison für den begabten Berner auf dem Weg zum allfälligen ATP-Profi. Er bestreitet neben den Grand Slams unter anderem erste Turniere auf der Tour der Erwachsenen. Herausforderungen hält die Laufbahn in diesem Stadium auch abseits des Feldes bereit. Es gilt, die nötigen Finanzen aufzubringen, damit die Kosten gestemmt werden können. Stricker bat auf der Plattform «I believe in you» um Unterstützung und generierte einen tiefen fünfstelligen Betrag, wodurch er das Ziel erreichte.

Gemeinsame Trainings mit dem Grössten, Zustupf aus der Bevölkerung: Stricker startet mit reichlich Rückendeckung in das für ihn so wichtige Jahr.