Switzerland

Dank Corona werden diese Ferien zu den schönsten seit Langem

Die Erbsenzähler des Bundesamts für Statistik sind für ihre sprachliche Nüchternheit berüchtigt. Was landläufig als Ferienreise bezeichnet wird, haben sie akkurat als «freizeitmotivierte Ortsveränderung einer Person zwischen zwei oder mehreren Orten im In- oder Ausland» definiert. Blättert man durch die jährlichen Erhebungen des Phänomens, so zeigt sich ein langfristiger Trend. 2010 etwa zählten die Statistiker 16,6 Millionen Reisen mit mindestens einer Übernachtung. 2018 waren es bereits 24,9 Millionen solcher Reisen. 67 Prozent davon führten Herrn und Frau Schweizer 2018 in Ausland. Acht Jahre zuvor waren es erst 60 Prozent gewesen. Jenseits aller Zahlenakrobatik lässt sich feststellen: Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges sind die Schweizerinnen und Schweizer fast jedes Jahr länger in die Ferien gefahren. Und vor allem haben sie sich immer häufiger für eine Feriendestination im Ausland entschlossen.

Das ist dieses Jahr anders - und zwar radikal. Switzerland Travel Center, ein Gemeinschaftsunternehmen von Hotelier- und Tourismusverband sowie von SBB und einigen Regionalbahnen, vermeldete diese Woche eine eigentlichen Boom der inländischen Reisetätigkeit. Um bis zu 350 Prozent seien die inländischen Buchungen angestiegen, so die Touristiker. Für die hiesige Tourismusindustrie ist das zwar nur ein schwacher Trost, denn wegen den fehlenden Gästen insbesondere aus Übersee und Fernost wird so manches Hotelbett kalt bleiben. Doch die Zahlen belegen: Die Schweizerinnen und Schweizer entdecken diesen Sommer ihr eigenes Land.

Gewiss, die neue inländische Reiselust hat auch mit Frust zu tun. Wegen der Corona-Pandemie sind viele Feriendestinationen entweder nicht erreichbar oder es ist an einen entspannten Aufenthalt nicht zu denken. Wer will schon mit einer Maske vor Mund und Nase nach Luft japsend durch die katalanische Gluthitze stapfen? Und wer möchte es in Kauf nehmen, nach den Ferien zunächst einmal zwei Wochen in Selbstisolation zu verbringen oder - noch übler - in einem medizinisch untermotorisierten Spital fern der Heimat zu landen? Da bleibt man lieber im eigenen Land.

Doch ein blosser Notnagel ist die Schweiz auch nicht. Klickt man sich durch die sozialen Medien, so ist man erstaunt, wie euphorisch die Ferien im eigenen Land zelebriert werden. Die Bilder von glücklichen Wandersleuten vor allerhand Bergen und kühlen Bergseen, von entspannten Campern und relaxten Stadtflaneuren sind Legion. Corona, so der Eindruck, hat so manchen vom sozialen Druck befreit, sich im Sommer dem allgemeinen Zug der Lemminge gen Süden anzuschliessen. Denn sind wir doch ehrlich: Es war noch nie richtig einsichtig, weshalb man in der heissen Jahreszeit an einen noch überfüllten und noch heisseren Ort reisen soll, um sich dort im besten Fall vor die Klimaanlage des Hotels zu flüchten oder im schlimmsten Fall stoisch in der Sonne zu braten. Kluge Leute haben deshalb stets für die «Sommerfrische» im eigentlichen Sinn plädiert und sind deswegen aus aller Herren Länder im Sommer in die Schweiz geströmt.

Gut möglich, dass auch viele Schweizerinnen und Schweizer in diesem Sommer zum ersten Mal so richtig entdecken, was ihr Land alles zu bieten hat. In besonderem Mass mag das auf jene Generation zutreffen, die bisher jeden Sommer fast schon zwanghaft in ferne Destinationen geflogen ist, die Küsten der Weltmeere aus dem Effeff kennt, aber noch nie ein paar entspannte Tage am Lac Léman verbracht hat. Corona ist für diese eine einmalige Chance: Dieses Land zu entdecken, das vom Alpstein bis nach Genf und vom Boden- bis zum Luganersee eigentlich alles zu bieten hat, was man sonst in fernen Destinationen - und oft vergeblich -, sucht.

Die Prognose sei gewagt: Corona wird das Reiseverhalten der Schweizerinnen und Schweizer über lange Zeit verändern. Denn wer die Schweiz als Feriendestination erst einmal entdeckt hat, der kann gar nicht anders: Er wird sich verlieben.

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