Switzerland

Covid-19: Wir brauchen ein sauberes Testregime mit Zufallsstichproben

Nach wie vor fehlt eine solide Datenbasis im Hinblick auf die Abschätzung der Gefahr einer zweiten Covid-19-Welle. Es bedarf einer wöchentlichen, landesweit repräsentativen Erhebung.

Es gibt mehr Covid-19 Tests, repräsentative Erhebungen aber gibt es nicht.

Es gibt mehr Covid-19 Tests, repräsentative Erhebungen aber gibt es nicht.

Pablo Gianinazzi / TI-PRESS

Seit einigen Tagen steigen die täglichen Neuansteckungen wieder an. Das sagen die Daten des BAG. Aber was können wir aus diesen Daten schliessen? Das bleibt vorerst unklar. Der Fokus auf die gemessene absolute Anzahl neuer Ansteckungen allein kann uns nicht früh genug darüber informieren, ob wir auf dem Weg zu einer zweiten Welle sind. Seit Anfang Juni hat sich nämlich gleichzeitig die Anzahl Tests etwa verdoppelt. In seriösen Medien wird daher mittlerweile auch der prozentuale Anteil positiver Tests ausgewiesen. Dieser ist in den letzten Tagen leicht, aber noch nicht dramatisch angestiegen.

Kann man nun daraus schliessen, dass alles in Ordnung ist? Nein, auch das ist unzulässig. Im gleichen Zeitraum hat sich das Profil der Personen, die sich haben testen lassen, möglicherweise stark verändert. Zu Beginn der Pandemie hatten vorwiegend Risikogruppen Zugang zu Tests. Das Testregime wurde gelockert, und Personen mit deutlichen Symptomen wurden hinzugenommen. Seit kurzem können sich auch Personen mit sehr milden und weniger spezifischen Symptomen testen lassen, und der Test wird von der Krankenkasse übernommen.

Messung zweite Welle

Sollte also in den letzten Wochen eine deutlich grössere Zahl an Menschen mit nur sehr leichten und unspezifischen Symptomen getestet worden sein, wäre die Zusammensetzung der getesteten Kohorte im Durchschnitt systematisch gesünder geworden. Zur Beantwortung der Frage, ob eine zweite Welle anrauscht, wäre die Veränderung des Anteils der positiv getesteten Personen nicht unbedingt aussagekräftig: Wenn die getestete Kohorte im Durchschnitt gesünder wird, könnte so problemlos eine tatsächlich höhere Infektionsrate in der Bevölkerung über eine gewisse Zeit verborgen bleiben. Damit würden auch spezifische Gegenmassnahmen erst verspätet eingeleitet.

Zur Einschätzung der Dynamik ist also momentan nur der Blick auf die Hospitalisierungszahlen einigermassen zuverlässig, die seit kurzem wieder leicht ansteigen. Die Annahme, dass sich die Kohorte der Menschen, die hospitalisiert werden müssen, über die Zeit nur wenig verändert, scheint plausibel. Damit sind die Probleme systematischer Verzerrungen in den Hospitalisierungsdaten deutlich kleiner. Allerdings messen diese Zahlen den Pandemieverlauf mit noch grösserer zeitlicher Verzögerung.

Aus all diesen Gründen wäre es noch immer erforderlich, ein sauberes Testregime mit wöchentlichen Zufallsstichproben zu implementieren. Eine solide Datenbasis ist für die Navigation in den immer noch Covid-19-verseuchten Gewässern notwendig. Im Vergleich zu verspäteten und dafür umso härteren Massnahmen sind die Kosten eines zuverlässigen Testregimes fast vernachlässigbar. Für die Umsetzung einer wöchentlichen schweizweiten Zufallsstichprobe wäre die Armee mit ihrer logistischen Expertise geradezu prädestiniert.

Sozialverträgliche Massnahmen

In dieser Phase sollten alle günstigen und relativ sozialverträglichen Massnahmen ergriffen werden, welche die Ausbreitung effektiv verlangsamen, ohne die individuelle Freiheit stark einzuschränken. Dazu gehört in beengten Verhältnissen wie zum Beispiel im öV die Maskenpflicht, deren Effektivität u. a. in Deutschland durch einen Vergleich von Regionen mit und ohne Maskenpflicht statistisch nachgewiesen wurde. Dazu gehört auch der Verzicht auf Grossanlässe, insbesondere in geschlossenen Räumen und ohne Maske, die ebenfalls statistisch nachweislich Treiber der Pandemie waren, wie z. B. eine Studie zur Virusausbreitung durch NBA- und NHL-Spiele in den USA zeigt.

Leider verfängt das freiheitliche Gegenargument, dass sich jeder freiwillig mit einer Maske schützen kann, nicht. Es geht bei der Maskenpflicht ja darum, andere Personen im Falle einer asymptomatisch verlaufenden Erkrankung zu schützen. Es handelt sich also um eine klassische Externalität, welche nicht allein durch Freiwilligkeit, sondern durch einen staatlichen Eingriff internalisiert werden kann. Die vom Bundesrat endlich angeordnete Maskenpflicht im öV ist deshalb zu begrüssen, sollte aber auch in anderen geschlossenen Räumen mit grösseren Menschenansammlungen um- und wenn nötig mit einer Busse durchgesetzt werden. Insbesondere ist es bedenklich, dass der Bundesrat nach all den negativen Erfahrungen im Ausland Grossanlässe mit bis zu 1000 Personen wieder zugelassen hat. Nun haben auch wir die ersten «Superspreading-Events» hinter uns, und man fragt sich, ob es sich tatsächlich lohnt, dafür eine zweite Welle in Kauf zu nehmen. Die sozialen und ökonomischen Kosten eines erneut harten Durchgreifens wären ungleich höher als das Unterbinden von potenziellen Superspreading-Events und die konsequente Kontrolle der Maskenpflicht.

Martin Huber ist Professor für angewandte Ökonometrie und Politikevaluation; Mark Schelker ist Professor für Volkswirtschaftslehre; beide sind an der Universität Freiburg tätig.

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