Switzerland

Coronatennis made in Switzerland

Die 13-jährige Baselbieterin Jalena Meyer ist mit ihren Videos zum Instagram-Renner geworden. Alles begann mit einem Gymnastikreifen.

Übung für die Präzision

Mit diesem Video erzielte Jalena Meyer internationale Publizität.

@jalenameyer

Es war die Zeit, als es noch keinen bitteren Beigeschmack hatte, wenn man davon sprach, ein Video sei «viral gegangen». Mitte Dezember 2019, als die internationale Turnierszene kurz ruhte, verbreitete die talentierte Tennisspielerin Jalena Meyer auf der Social-Media-Plattform Instagram einen 30-sekündigen Clip, in dem sie Bälle durch einen hinter dem Netz befestigten Gymnastikreifen spielt. Ihre Präzision ist eindrücklich, sie trifft immer hindurch und zum Schluss den Pfosten, an dem das filmende Handy angemacht ist, dann winkt sie lächelnd in die Kamera.

Eine recht simple, aber faszinierende Übung, bei der sich jeder Hobbyspieler fragt: Wie oft würde ich wohl durch den Reifen treffen? Der Clip wurde via diverse Plattformen weiterverbreitet und über 800’000 Mal angeschaut. Es half, dass man ihn beim Internationalen Tennisverband (ITF) auch gut fand und mit einem breiten Publikum teilte. «Die Übung ist nicht so schwierig, wie sie aussieht», sagt Meyer. «Der Reifen ist recht gross.» Aber es braucht schon eine hohe Zielgenauigkeit, um immer zu treffen.

Videos, in denen spezielle Schläge oder Übungen gezeigt, boomen im Tennis auf den sozialen Plattformen. Der Serbe Stef Bojic, der einst auf der Future-Tour spielte, hat mit seinen Kunststücken grosse Bekanntheit erlangt, auf Instagram schon über 126000 Follower. Bei Jalena Meyer kommt begünstigend hinzu, dass ihr Vater Alexander auf Social Media spezialisiert ist, in Basel eine Agentur für digitale Kommunikation führt. So hat er ein Gespür dafür, was gut ankommen könnte: «Etwas Überraschendes, Witziges, solide gemacht und immer mit einem Augenzwinkern. Der Zuschauer soll denken: Warum bin nicht ich darauf gekommen? Es geht nicht darum, zu zeigen: Schaut her, wie toll ich bin! Das kann nur ich!»

Dass das Coronavirus das Tennis lahmgelegt hat, die Courts fast überall geschlossen sind, hat ihn und seine Tochter auf neue Ideen gebracht: Videos darüber, wie man zu Hause trainieren kann. Coronatennis, gewissermassen. Vier Clips hat die 13-Jährige schon veröffentlicht: Wie sie auf dem Balkon gegen ein ans Geländer gelehnte Trampolin spielt. Wie sie auf der Quartierstrasse ein Netz mit Gartenstühlen errichtet fürs Aufschlagstraining. Wie man im eigenen Garten ein Wimbledon-Feeling kreiert, seinen privaten Rasencourt baut. Und wie sie trainiert, indem sie auf einen Ball einschlägt, der mit einer Schnur an einem Gewicht befestigt ist und so immer wieder zurückkommt.

Letzteres ist zum Renner geworden, wurde allein auf ihrer eigenen Instagram-Page über 130000 Mal angeklickt. «Den Ball mit Schnur haben wir vor ein paar Jahren in der Ikea gekauft», sagt die Teenagerin schmunzelnd. «Kürzlich bin ich wieder auf ihn gestossen. Das Training damit funktioniert recht gut.» Es seien Anfragen auf sie hereingeprasselt, wo man das kaufen könne, sagt Vater Alexander. «Aber Ikea führt es schon lange nicht mehr.» Inzwischen bekomme er Tennisgeräte zugeschickt mit der Bitte, dass seine Tochter doch ein Video damit veröffentliche.

Dank Coronatennis hat Jalena Meyer ihre Anzahl Follower fast verdreifacht, auf über 4700. Und täglich, ja stündlich kommen neue dazu. Die letzten vier Videos hätten in drei Wochen über zwei Millionen Views generiert, rechnet der Vater vor, ganz Marketingprofi. Die Publizität hilft, Sponsoren zu finden. Und die brauche man auch, wenn die Tochter ambitioniert Tennis spiele. Allein fürs Training müsse er inzwischen im Jahr einen tiefen fünfstelligen Betrag budgetieren. Mit zunehmendem Alter und Niveau kommen vermehrt internationale Turniere dazu. Ohne zusätzlichen Support seien diese Kosten kaum alleine zu tragen. Auch deshalb betreibe man den PR-Aufwand. Man wolle potenziellen Partnern etwas bieten können.

Aber bitte machen Sie ihr jetzt keinen Druck! Schreiben Sie nicht, sie wolle die nächste Martina Hingis werden.

Vater Alexander

Jalena Meyer zählt in der Schweiz zu den Topspielerinnen des Jahrgangs 2006 und besucht die Sportklasse in Kanton Baselland. Sie trainiert in einer Swiss-Tennis-Partnerakademie (TIF) in Basel unter der Führung von Rodolphe Handschin. Aktuell ist sie R2 klassiert. Mit ihren 1,72 Metern ist sie für ihr Alter schon sehr gross, was ihrem Aufschlag zugute kommt. «In ihrem Jahrgang hat sie sicher einen der härtesten Aufschläge», sagt der Vater stolz, um aber gleich anzufügen: «Aber bitte machen Sie ihr jetzt keinen Druck! Schreiben Sie nicht, sie wolle die nächste Martina Hingis werden. Das Wichtigste ist, dass sie Spass hat.»

Wobei: Ein bisschen Druck hat Jalena Meyer inzwischen schon. Ihre Follower warten auf ihr nächstes Video zu Tennis in Coronazeiten.

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