Switzerland

Corona-Virus setzt Mobilfunkmesse in Barcelona schachmatt

Rathaus veranschlagt Verluste auf 500 Mio. €

Der Mobile World Congress musste wegen des zunehmenden Drucks durch das Corona-Virus abgesagt werden.

Der Mobile World Congress musste wegen des zunehmenden Drucks durch das Corona-Virus abgesagt werden. 

Emilio Morenatti / AP

Eigentlich wollten die Veranstalter der Mobile World Congress (MWC) ihre Entscheidung, ob sie trotz der Angst vor dem Corona-Virus die renommierte Mobilfunkfachmesse abhalten werden, erst am Freitag bekannt geben. Doch am Ende wurde der Druck zu gross für den Topevent, der schon seit vierzehn Jahren  Ende Februar in Barcelona stattfindet. Noch am Mittwochabend musste Veranstaltungsleiter John Hoffman einräumen, dass der Virus die Durchführung der Messe, die noch im letzten Jahr mehr als 100.000 Besucher anzog, unmöglich mache. Die weltweite Sorge, die Probleme bei der Anreise und sonstige Umstände hätten den Veranstalter dazu gezwungen, diese sehr schmerzliche Entscheidung zu treffen, so Hoffman.

Am Ende nur noch Stornierungen

Schon in den letzten Tagen hatten sich die Absagen namhafter Mobilfunk und IT-Unternehmen gehäuft. Den Anfang machte die südkoreanische LG Electronics, die bedauerte, dass man dieses Jahr nicht nach Barcelona kommen werde, weil man der  Gesundheit der Mitarbeiter und Kunden keine Risiken eingehen wolle. Es folgten mehrere chinesische Unternehmen wie etwa der Telekommunikationsausrüster ZTE. Doch die meisten Absagen kamen aus den USA. Giganten wie Facebook, Amazon, Cisco, AT&T und Intel stornierten ihre Auftritte in Barcelona fast zeitgleich. Auch Japans Elektronikriese Sony, das Onlineunternehmen Rakuten oder der Mobilfunkunternehmer NTT DoCoMo winkten ab.

Doch selbst zu diesem Zeitpunkt wollten spanische Politiker und Verantwortliche im Rathaus von Barcelona an der Messe festhalten. Es gäbe keine gesundheitlichen Kriterien, um die Fachmesse zu annullieren, sagte noch am Mittwochnachmittag der neue spanische Gesundheitsminister Salvador Illa. Im Rathaus appellierte man an die Teilnehmer. Schliesslich ginge die  Amsterdamer AV-Messe dieser Tage ohne Probleme über die Bühne, die Teilnehmerliste sei ähnlich wie beim Grossevent von Barcelona, man solle nicht gar so zimperlich sein, so die Botschaft. Doch als am frühen Mittwochabend noch Spaniens Telefonica, die Deutsche Telekom, die britische BT und Vodafone einknickten, brachen die letzten Dämme.

Ungeschickte Tipps für den Ernstfall

Bei den Hoteliers, die in den letzten Jahren die Preise ihrer Zimmer anlässlich der MWC zum Teil verdreifachen konnten,  setzte noch am Mittwochabend ein lautes Wehklagen ein. Das Rathaus hat die Verluste durch die Stornierung auf  492 Mio. € beziffert. Zusammen mit der Veranstaltungsgesellschaft GSMA hatte die katalanische Landesregierung ein Protokoll erarbeitet, um den Virus in Schach zu halten. Als Tipps für die Teilnehmer gab es, Händeschütteln zu vermeiden und in den «gebeugten Ellbogen zu niesen». Gesichtsmasken sollten verteilt werden und die Teilnehmer müssten schriftlich erklären, dass sie die letzten 14 Tage nicht in China gewesen seien noch mit vom Virus Infizierten Kontakt gehabt hätten. An derartigen Tipps ist die Messe am Ende vermutlich auch gescheitert.

Selbst das Angebot von Hoffman, die  Fachausstellung eventuell Ende Juni nachzuholen, konnte die Hoteliers nicht trösten. Zu diesem Zeitpunkt und mitten in der Touristen-Hochsaison stünden in Barcelona nicht genügend Kapazitäten zur Verfügung, hiess es.