Switzerland

Corona-Krise hinterlässt in der Schweizer Industrie deutliche Spuren – und weitere Wirtschaftsmeldungen

Die Corona-Krise hat schwere Folgen für die Industrie: Mikron-Werk in Boudry.

Die Corona-Krise hat schwere Folgen für die Industrie: Mikron-Werk in Boudry.

Christian Beutler / Keystone

(awp/sda) Die Coronakrise hat bei der Schweizer Industrie im ersten Quartal deutliche Spuren hinterlassen. Eine starke Entwicklung im Januar und ein robustes Baugewerbe sorgten im Jahresvergleich noch für ein Plus in der Produktion im sekundären Sektor. Der März wies jedoch einen kräftigen Rückgang aus. Der Umsatz im Quartal ist zum ersten Mal seit drei Jahren wieder zurückgegangen.

Vom Jahresbeginn bis Ende März stieg die Produktion im gesamten sekundären Sektor, der sich aus Industrie und Bau zusammensetzt, im Vergleich zum Vorjahresquartal um 0,8 Prozent. Der Umsatz lag jedoch 0,4 Prozent tiefer, wie das Bundesamt für Statistik (BfS) am Montag mitteilte. Zum Vergleich: Im Vorquartal hatte die Produktion noch um 1,2 Prozent zum Vorjahr angezogen, die Umsätze um 0,1 Prozent.

Die durch die Covid-19-Pandemie ausgelöste Effekte hätten auf die Ergebnisse des Februars und März eingewirkt, schrieb das BFS. In der Industrie ist die Produktion im Januar um 3,0 Prozent gestiegen und auch im Februar resultierte noch ein leichtes Plus von 0,1 Prozent. Im März betrug das Produktionsminus jedoch 1,9 Prozent.

Bei den Umsätzen setzte der Pandemie-Effekt schneller ein. Während der Januar hier noch ein Plus von 0,7 Prozent aufwies, lagen die Umsätze im Februar und März um 1,9 bzw. 4,4 Prozent tiefer. Der Quartalswert Industrie lag 1,3 Prozent unter Vorjahr.

Im Baugewerbe ist die Produktion um 4,1 Prozent gestiegen. Dabei lag der Hochbau 0,5 Prozent tiefer, während der Tiefbau um 5,7 Prozent zulegte. Beim sonstigen Baugewerbe nahm die Produktion um 6,4 Prozent zu.

Der Umsatz hat derweil beim Baugewerbe im Quartal um 4,0 Prozent zugenommen. Im Hochbau betrug das Plus 1,2 Prozent, im Tiefbau 6,2 Prozent und im sonstigen Baugewerbe 6,0 Prozent.

(dpa) Export, Privatkonsum und Unternehmensinvestitionen brechen in der Corona-Krise ein: Die deutsche Wirtschaft rutscht in eine Rezession. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) schrumpfte im ersten Vierteljahr gegenüber dem Vorquartal um 2,2 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Montag mitteilte. Die Wiesbadener Behörde bestätigte damit erste Daten. Noch schlechter dürfte das zweite Quartal ausfallen.

Der Einbruch zum Jahresanfang war der stärkste Rückgang im Quartalsvergleich seit der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 und der zweitstärkste seit der deutschen Wiedervereinigung. Obwohl die Ausbreitung des neuartigen Virus die Wirtschaftsleistung im Januar und Februar nicht wesentlich beeinträchtigte, «seien die Auswirkungen der Pandemie damit bereits für das erste Quartal 2020 gravierend», erklärten die Statistiker.

Die Schliessung zahlreicher Geschäfte ab Mitte März zur Eindämmung der Pandemie bremste den Privatkonsum. Die Konsumausgaben der Verbraucher brachen im ersten Vierteljahr um 3,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal ein. Der Privatkonsum ist eine wichtige Stütze der deutschen Konjunktur und macht gut die Hälfte der gesamten Wirtschaftsleistung aus. Der Export von Waren und Dienstleistungen verringerte sich im ersten Quartal um 3,1 Prozent.

Unternehmen investierten deutlich weniger in Maschinen, Geräte, Fahrzeuge und andere Ausrüstungen (minus 6,9 Prozent). Gestiegene Bauinvestitionen (plus 4,1 Prozent) und Konsumausgaben des Staates (plus 0,2 Prozent) verhinderten einen noch stärkeren Absturz.

Im März hatte sich die Pandemie in Europa ausgebreitet. Ausgangsbeschränkungen, geschlossene Grenzen und Geschäfte brachten das Wirtschaftsleben in grossen Teilen zum Erliegen. Bereits im Schlussquartal 2019 war die deutsche Wirtschaftsleistung gegenüber dem Vorquartal um 0,1 Prozent zurückgegangen. Sinkt das Bruttoinlandsprodukt zwei Quartale in Folge, sprechen Ökonomen von einer «technischen Rezession».

Noch heftiger werden die Folgen der Krise nach Einschätzung von Ökonomen im zweiten Vierteljahr sein. «Die Wirtschaftsleistung dürfte nochmals erheblich niedriger ausfallen als im Durchschnitt des schon gedrückten ersten Vierteljahres», hiess es im jüngsten Monatsbericht der Deutschen Bundesbank. Diverse Prognosen im Markt gehen von einem Einbruch des deutschen BIP um bis zu 14 Prozent aus.

Für das Gesamtjahr rechnete die Bundesregierung zuletzt mit der schwersten Rezession der Nachkriegsgeschichte. Die Wirtschaftsleistung der grössten Volkswirtschaft Europas dürfte demnach um 6,3 Prozent schrumpfen, obwohl es im zweiten Halbjahr wieder aufwärts gehen soll. In der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise 2009 war das BIP um 5,7 Prozent gesunken.

Ökonomen und Verbände erwarten teilweise einen noch tieferen Einbruch. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag befürchtet nach seiner jüngster Prognose einen BIP-Rückgang von zehn Prozent im Gesamtjahr. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) rechnet mit einem Minus von 7,1 Prozent.

Die Bundesregierung will Anfang Juni ein Konjunkturprogramm beschliessen. Ziel ist es, die Wirtschaft im Zuge der schrittweisen Lockerung der Corona-Beschränkungen anzukurbeln. In der schwarz-roten Koalition wird aber um die richtigen Inhalte sowie die Kosten gestritten.

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