Switzerland

Corona-App startet Pilotphase mit 15 000 Freiwilligen, doch ein Knackpunkt bleibt offen

Die offizielle App des Bundes weckt Hoffnungen und Befürchtungen. Vor der definitiven Einführung im Juni testen Soldaten sowie Mitarbeiter von Spitälern, Hochschulen und Verwaltungen die Neuentwicklung. Wichtig für den Erfolg wird sein, ob Arbeitnehmer in der Quarantäne einen Anspruch auf Lohnfortzahlung erhalten.

Wer Kontakt mit einem Corona-Infizierten hatte, wird dank der neuen App gewarnt.

Wer Kontakt mit einem Corona-Infizierten hatte, wird dank der neuen App gewarnt.

Annick Ramp / NZZ

Die Schweizer Bevölkerung zeigt sich grundsätzlich offen gegenüber der neuen Swiss-Covid-App des Bundes, mit der die Weiterverbreitung des Coronavirus eingedämmt werden kann. 70 Prozent befürworten ihre Einführung, wie aus einer am Montag publizierten Umfrage hervorgeht. Die Forschungsstelle Sotomo hat für die Studie im Auftrag des Bundesamts für Gesundheit (BAG) Ende April 2800 Personen online befragt. 59 Prozent der Befragten würden die App installieren. Gut die Hälfte davon antwortete allerdings nur mit «eher ja» auf die Frage. Aus der Umfrage geht hervor, dass die Bereitschaft zur Installation mit zunehmendem Wissen über die App steigt. Die Leute wollten einen Beitrag leisten zur Bekämpfung des Coronavirus, sagte Sang-Il Kim vom BAG am Montag vor den Medien.

Zum Zeitpunkt der Umfrage waren die Wissenslücken gross. Am ehesten bekannt ist, dass die Installation freiwillig ist. Nur jede fünfte Person weiss indessen, dass die erfassten Daten nur lokal auf dem jeweiligen Smartphone gespeichert werden. Sogar nur 7 Prozent wissen, dass jeweils nur die aufzeichnende Person selber Zugang zu ihren persönlichen Daten erhält. 

Epidemiologe Salathé: Keine Überwachung möglich

Der Epidemiologe Marcel Salathé sagte, die sensiblen Daten blieben auf dem Handy. Dies schliesse eine Überwachung aus. Die App funktioniert über die Bluetooth-Funktechnik. Die Bluetooth-Schnittstelle kann laut Salathé keine Ortsdaten sammeln. Sobald das Smartphone in Betrieb ist, sucht es andere Handys mit der gleichen Applikation (dazu muss die App nicht geöffnet sein). Bei einem «match» wird ein Code ausgetauscht. Infiziert sich nun eine Person mit dem Coronavirus, erhält sie via kantonsärztlichen Dienst einen Freischaltcode. 

Wer in der infektiösen Zeitspanne engen Kontakt mit der positiv getesteten Person hatte, erhält eine Meldung. Diese Leute wissen aber nicht, wer die Benachrichtigung ausgelöst hat. Sie werden lediglich darüber informiert, an welchem Tag – nicht aber zu welcher Uhrzeit und an welchem Ort – der potenziell infektiöse Kontakt stattgefunden hat. Das ist dann der Fall, wenn sie sich länger als 15 Minuten in weniger als zwei Meter Abstand zur infizierten Person aufgehalten haben. Den durch die App benachrichtigten Personen wird empfohlen, wenn möglich in den nächsten zehn Tagen auf vermeidbare physische Kontakte zu anderen Personen zu verzichten (Quarantäne), eine Corona-Hotline anzurufen und sich beim Auftreten von ersten Symptomen ärztlich beraten und testen zu lassen.

Die Unschärfen der neuen App

«Wir werden sehen, ob die App funktioniert», sagte Salathé. Die Schweiz sei das erste Land, das eine solche App entwickelt habe. Sie hat auch Unschärfen. Weil die App nur Distanzen messen kann, werden auch Kontakte erfasst, bei denen aufgrund der Verwendung von Schutzmassnahmen wie Masken oder dank Plexiglasscheiben kein oder nur ein geringes Infektionsrisiko besteht. Dies schreibt der Bundesrat in seiner Botschaft für die Rechtsgrundlage zur Swiss-Covid-App.

Salathé räumte ein, dass Bluetooth nicht konzipiert worden sei, um Distanzen zu messen. Man habe intensiv daran gearbeitet, dass Signale über zwei Meter Distanz eliminiert würden, sagte Alfredo Sanchez, der Projektleiter der App an der Technischen Hochschule Lausanne (EPFL), der Zeitung «Le Temps». Sein Team arbeite eng mit Apple und Google zusammen, um die Präzision zu verbessern.

Die Entwickler und der Bund zeigen sich bemüht, der Bevölkerung einen möglichst hohen Schutz der Privatsphäre zu gewährleisten. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Sicherheit. Am 28. Mai werden die Quellcodes des Tracing-Systems publiziert. Fachleute und interessierte Personen sind aufgerufen, das System einem Härtetest zu unterziehen.

Idealerweise lässt sich die Schweizer App mit Anwendungen aus anderen Ländern kombinieren. Das BAG ist dazu in Kontakt mit diversen ausländischen Gesundheitsministerien. Laut Kim wird es technisch möglich sein, dass ein deutscher Tourist in seinen Schweiz-Ferien via seine App über eine mögliche Infektion informiert wird. 

Mobile Leute als Zielgruppe

Bis zur definitiven Einführung Mitte bis Ende Juni läuft nun die Pilotphase mit rund 15 000 Freiwilligen. Daran nehmen Soldaten sowie Mitarbeiter von Hochschulen, Spitälern und Verwaltungen teil. Es wurden bewusst Personenkreise gewählt, die während der Arbeit oder beim Pendeln potenziell näheren Kontakt haben. Neben dem technischen Betrieb wird dabei auch die Anwendung der App durch die Benutzer und die zugriffsberechtigten Fachleute getestet. 

Die App sei ein zusätzliches Instrument zur klassischen Rückverfolgung der Kontakte, wie sie die kantonalen Behörden betrieben, betonten die BAG-Vertreter am Montag. Man erhofft sich, dass die Applikation vor allem auch von Personen genutzt wird, die sehr mobil sind und sich oft an Orten mit vielen Leuten aufhalten, die sie nicht kennen. Dazu gehören Busse, Züge und Bahnhöfe.

Je mehr Leute die App ab Juni nützen, desto grösser wird der epidemiologische Nutzen. Falls mindestens 60 Prozent der Bevölkerung die App installiert hätten, sei es möglich, die Epidemie unter Kontrolle zu halten, sagte Salathé. Ein wichtige Rolle spielt dabei die Lohnfortzahlung in der Quarantäne. Darauf haben Salathé und weitere Mitglieder des wissenschaftlichen Covid-19-Beirats in einem Brief die Mitglieder der Gesundheitskommissionen (SGK) des Parlaments aufmerksam gemacht. Der Bundesrat schlägt in seiner Botschaft vor, dass die betroffene Person freiwillig in Quarantäne geht. Dabei sei jedoch nicht berücksichtigt, dass die Quarantäne zu erheblichen Nachteilen führen könne, wie beispielsweise Erwerbsausfällen oder arbeitsrechtlichen Auseinandersetzungen, heisst es im Brief. Dies bringe ein erhebliches Risiko mit sich, dass die Quarantäneempfehlung in der Praxis missachtet werde. So werde der epidemiologische Erfolg der App stark gefährdet.

Die SGK des Ständerats zeigte sich am Montag offen für die Forderung der Wissenschafter. Sie will die Frage jedoch nicht per Notrecht, sondern über eine Revision der Erwerbsersatzordnung regeln, wie die Kommission in einem Brief an den Bundesrat festhält. Auf diesem Weg wäre die Lohnfortzahlung beim Start der App im Juni nicht gesetzlich geregelt. Am Dienstag diskutiert die SGK des Nationalrats das Thema.

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