Switzerland

CO2-Gesetz ohne Chance im Autoland Schweiz: Es lag am Benzin-Preis

Sven Zaugg (Text), Thomas Meier und Stefan Bohrer (Fotos)

Zwei Jahre nach der grünen Welle ist es wieder die Gegenseite, die das Steuer an sich reisst. Eine knappe Mehrheit der Schweizerinnen und Schweizer hat vor Wochenfrist Nein gesagt zum CO2-Gesetz – und damit die Hinwendung zu einer grüneren Politik wenn nicht gestoppt, so doch deutlich abgebremst.

Für die Befürworter in den Zentren von Basel bis Genf war das Nein vom 13. Juni ein Fiasko. Ihr Versprechen von «wichtigen Investitionen in nachhaltige Branchen» bis hin zur Frage «Wie sagen wir es den Kindern, dass wir den Planeten zerstört haben?» verhallten bereits in den Vorstädten.

Dabei leuchteten die Warnsignale bereits grellrot: In der Politik gibt es kaum ein sensibleres Thema als den Benzinpreis – auch daran bissen sich die ökologischen Kräfte im Land offenbar die Zähne aus. «Der Benzinpreis war matchentscheidend», heisst es aus dem Departement für Umwelt und Energie: «Neben den zwölf Rappen ist alles untergegangen.»

Auto besonders auf dem Land geliebt

«Das Auto ist der heilige Gral der persönlichen Mobilität», sagt der Wirtschaftspsychologe Christian Fichter. Deren Einschränkung wird nicht goutiert. Nirgendwo.

Die Schweizer lieben ihr Auto – besonders auf dem Land, wo der Abstimmungskampf entschieden wurde. Spätestens, als die SVP die Vorlage mit eindringlichen Slogans wie «Autofahren nur für Reiche» oder «Teuer, nutzlos, ungerecht» torpedierte, wurde klar: Hier lanciert die grösste Partei gerade einen ihrer allerliebsten Kämpfe, den um Freiheit und Selbstbestimmung – und um die Kosten.

So bohrte sich der Hinweis auf maximal zwölf Rappen Aufschlag pro Liter Benzin ins kollektive Bewusstsein der Stimmberechtigten. Dabei gibt es schon heute einen Aufschlag von knapp zwei Rappen – genau genommen ging es also um zehn Rappen mehr.

Auto immer beliebter während Pandemie

Die Rechnung war schnell gemacht: Wir können uns das nicht leisten. Auch das Timing spielte eine entscheidende Rolle. Während die Infektionszahlen emporschossen, mied die Bevölkerung den öffentlichen Verkehr so gut es ging. Im eigenen Auto zur Arbeit oder zum Arzt zu fahren, erschien als sichere, ja als vernünftigere Alternative. In der Pandemie erlebte das Auto eine Renaissance.

Also platzierten die Gegner des CO2-Gesetzes ihre Botschaft geschickt in diesem Umfeld. Dabei beschränkten sie sich nicht nur auf Plakate am Strassenrand, sondern berieselten die Autofahrer quasi in Realtime. Möglich gemacht hat das der neue Radiostandard DAB+. Auf dem Radio-Display, oft so gross wie ein Tablett, werden entweder das Albumcover, das Logo des Radios oder Werbung angezeigt. Das nutzten die Gegner der Vorlage und spielten vor der Abstimmung ihre Parolen täglich ins Cockpit von über 300 000 Fahrzeugen.

So sehr die Schweiz als Land des öffentlichen Verkehrs gepriesen wird, so sehr ist es eben auch ein Autoland. Gemäss Bundesamt für Statistik kurven mehr als sechs Millionen Motorfahrzeuge auf den hiesigen Strassen. 4,6 Millionen davon sind Personenwagen – doppelt so viele wie 1980. Jährlich werden in der Schweiz fast 100 Milliarden Kilometer im Auto zurückgelegt. Acht von zehn Erwerbstätigen pendeln. Über die Hälfte fährt im Auto zur Arbeit.

SUVs erleben ein Hoch in der Schweiz

Und die Fahrzeuge werden immer grösser. «Überall wünschen sich Menschen Autos, die ihre Bedürfnisse nach Freiheit, Ansehen und Ästhetik befriedigen», sagt der Wirtschaftspsychologe Fichter. In Sachen Ästhetik mag es die Schweiz besonders opulent. Kein Land in Europa hat eine höhere Allrad-Quote. 2018 lag der Neuwagen-Anteil von SUVs bei über 36Prozent, heute gemäss SonntagsBlick-Berechnungen bei über 40. Unter den 20 meistverkauften Autos sind aktuell elf, die zur Kategorie der SUVs gehören.

Mobilitätsforscher Raphael Hörler von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften sagt: «Die Schweiz ist eine Hochburg für grosse und schwere Autos.» Dies sei jedoch nicht nur unserer Vorliebe für protzige Karossen geschuldet, sondern habe auch viel damit zu tun, wie der hiesige Markt beworben werde.

«Die grossen Autohersteller preisen SUVs als das Mass aller Dinge. In der Schweiz kommt das besonders gut an», sagt Hörler.

Fahrzeug liegt in unserer DNA

Mit anderen Worten: Wo früher eher der Nutzen eines Fahrzeugs im Vordergrund stand, sind es heute immaterielle, meist emotionale Werte. Wirtschaftspsychologe Fichter: «Es liegt in unserer Natur, nach hohem Status zu streben und diesen zu zeigen – was auch bedeutet, dass wir teure, exklusive und schnelle Autos bevorzugen. Dafür nehmen wir sogar die Schattenseiten wie Verkehrskollaps und Umweltbelastung in Kauf.» Über 30 000 Staustunden jährlich sprechen eine klare Sprache; man nimmt es in Kauf.

Andreas Burgener, Direktor von Auto-Schweiz, gehört zu den Gewinnern des Abstimmungssonntags. Er formuliert es so: «Sie wollten uns mit dem CO2-Gesetz aus dem Paradies vertreiben und scheiterten.» Burgeners Paradies ist eine Schweiz, «die niemanden zwingt, umzusatteln, weil es zu teuer ist». Sein zentrales Argument: «Das Auto, egal, in welcher Form gehört zu unserer DNA. Auch bei den Jungen.»

Tatsächlich leistete die Jugend einen bedeutenden Beitrag zur Ablehnung des CO2-Gesetzes. Dies zeigt eine erste Nachwahlbefragung. Grund: Angst vor steigenden Kosten.

Urbane Zentren würden Autos am liebsten verbannen

Für Wirtschaftspsychologe Fichter eine klare Sache: «Die Politik war da wirklich naiv. Natürlich wollen die meisten etwas gegen den Klimawandel tun, aber die wenigsten wollen dafür auf die Annehmlichkeiten des motorisierten Individualverkehrs verzichten.» Es bleibt also beim Schweizer Klassiker schlechthin: dem Fünfer und dem Weggli.

Und wie geht es jetzt weiter im Autoland Schweiz?

Andreas Burgener sagt: «Es ist uns eigentlich egal, ob die Autos nun mit Benzin oder Strom fahren.» Nur – und das geht ihm gehörig auf den Zeiger – die urbanen Zentren würden Autos am liebsten verbannen. Das sei absurd, findet Auto-Schweiz-Mann Burgener: «Die Städte wollen den Wolf aber keine Autos, die Landbevölkerung will keinen Wolf und braucht das Auto.»

So bleibt die Eidgenossenschaft ein tief gespaltenes Land. Und weil die Elektrifizierung auf sich warten lässt, wird wohl weiter fleissig Benzin gezapft, um Milliarden Kilometer auf dem Asphalt abzuspulen.

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