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Chaos bei Mainz: Rauswurf und Streik – ein Bundesligist versinkt im Chaos

Ein Stürmer wird abgeschoben, darauf verzichtet die ganze erste Mannschaft aufs Training: Beim FSV Mainz 05 erleben sie auch abgesehen von Corona gerade sehr turbulente Zeiten.

Streitbar – und doch beliebt bei der Mannschaft: Mainz’ ungarischer Nationalspieler Adam Szalai.

Streitbar – und doch beliebt bei der Mannschaft: Mainz’ ungarischer Nationalspieler Adam Szalai.

Foto: Alex Grimm (Bongarts/Getty Images)

Nach 23 Minuten startet Silke Bannick noch einen verzweifelten Versuch, das Thema zu wechseln. Sie wolle doch noch über das Spiel vom Samstag gegen Stuttgart sprechen, sagt die Pressesprecherin des 1. FSV Mainz 05. Doch sie bleibt chancenlos, natürlich. Denn an dieser Medienkonferenz, da ist nur ein Thema interessant: der bizarre Streik der ersten Mannschaft.

Es ist Montag, als die sportliche Führung des Bundesligisten Adam Szalai mitteilt, er solle sich einen neuen Verein suchen. Zwei Tage später folgt der Nachdruck: Szalai darf nicht mehr mit dem Team trainieren. Der Verein hatte Respekt vor Konflikten, die der Entscheid auf dem Trainingsplatz nach sich ziehen könnte. Trainer Achim Beierlorzer spricht von «Erfahrungswerten» in dieser Hinsicht. Nun, Konflikte gab es trotzdem. Denn am Mittwochnachmittag entschied die komplette Mannschaft, nicht auf dem Trainingsplatz zu erscheinen. Eine Stunde lang redeten Sportchef Rouven Schröder und Beierlorzer erfolglos auf die Spieler ein.

Solidarität – oder geht es doch ums Geld?

Denn so streitbar Szalai offenbar sein kann, so beliebt ist der ungarische Stürmer offenbar bei seinen Teamkollegen. Doch die «Bild» will erfahren haben, dass die Aufregung einen finanziellen Hintergrund habe. Aufgrund der Corona-Krise hatten die Fussballer zeitweise auf 15 Prozent des Lohnes verzichtet, der Verein stellte damals allerdings die Auszahlung der zurückbehaltenen Gelder in Aussicht. Von dieser Idee rückt die Vereinsführung mittlerweile ab, worüber sich Szalai empört haben soll – der Rauswurf soll damit in direktem Zusammenhang stehen, so das Boulevardblatt weiter.

Hat Probleme: Mainz-Trainer Achim Beierlorzer.

Hat Probleme: Mainz-Trainer Achim Beierlorzer.

Foto: DPA/Roland Weihrauch

Offiziell ist der Trennungsgrund von sportlicher Natur, wie es von Vereinsseite heisst. Dies wiederholt Schröder an der Medienkonferenz: «Wir haben beschlossen, Adam freizustellen, um jungen Spielern mehr Zeit und Entwicklungschancen zu geben.» Der 32-jährige Stürmer selber, der sieht das freilich etwas anders, wie sein Berater Oliver Fischer dem «Kicker» mitteilt: «Adam wird sich keinen neuen Verein suchen. Er will und wird in Mainz bleiben.»

Doch zurück zur Medienkonferenz: Sportchef Schröder ist bemüht, Verständnis für die Solidarität der Spieler mit ihrem Kollegen aufzubringen, weshalb er eingesehen habe, dass «Druck und Härte nichts bringen, darum haben wir uns dagegen entschieden, das auszuüben, und haben es dabei belassen». Am Mittwoch, zumindest. Denn am Donnerstagmorgen kam es zum Gespräch zwischen sportlicher Führung und leicht dezimiertem Mannschaftsrat (Szalai gehört eigentlich auch dazu), und dort wurde dann offenbar doch so etwas wie Druck und Härte ausgeübt – denn eigentlich hatte das Team angekündigt, so lange zu streiken, bis Szalai wieder mittrainieren darf: «Wir haben klargemacht, was die Konsequenzen sind, und das ist auch verstanden worden.» Der «Bild» zufolge waren unter anderem arbeitsrechtliche Schritte angedroht worden. Also trainierte das Team am Nachmittag wieder. Ohne Szalai, der musste bei der U-23 mitmachen.

Ob es beim Treffen zwischen Vertretern von Team und Verein auch ums Geld ging, wollte Schröder nicht verraten: «Es ist auch ein Anliegen der Mannschaft, dass das Besprochene intern bleibt.» Doch auch hier stellt sich die Frage: Für wie lange? Denn auf Anfrage der «Bild» sagte Szalai: «Ich möchte nicht reden, ich muss aufpassen – es kommt bestimmt die Zeit, wo wir sprechen können.»

fas

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