Switzerland

Bundesamt für Gesundheit hält Gefahr einer unkontrollierten Ausbreitung in der Schweiz und Europa nach wie vor für gering – die neusten Entwicklungen zum neuartigen Coronavirus

Knapp 1400 Personen sind bisher in China an der neuartigen Lungenkrankheit Covid-19 gestorben, fast 64 000 gelten dort als infiziert. Ausserhalb Chinas sind drei Todesfälle bestätigt. Mittlerweile sind 29 Länder betroffen.

Raffaela Angstmann, Stephanie Kusma, Gian Andrea Marti, Alan Niederer, Manuela Nyffenegger, Alexandra Kohler, Jonas Oesch, Roman Karavia

Die neusten Entwicklungen

  • Rund 250 Personen sind bisher in der Schweiz auf das Coronavirus getestet worden, wie es am Freitag (14.2.) an einer Medienkonferenz des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) hiess. Nach wie vor gibt es in der Schweiz keinen bestätigten Fall. Laut Patrick Mathys, Leiter der Sektion Krisenbewältigung und internationale Zusammenarbeit beim BAG, gibt es ausserdem ausserhalb Chinas keine zusammenhängenden Übertragungsketten. Das Risiko einer unkontrollierten Ausbreitung in Europa – und somit auch in der Schweiz – sei damit gering. Ziemlich rege benutzt würden von der Schweizer Bevölkerung die Hotline und die Webseite zum Thema, sagte Mathys. So seien seit dem Start der Hotline am 30. Januar bisher knapp 3000 Anrufe eingegangen, und die Webseite sei über eine halbe Million mal aufgerufen worden.
  • Der zehnjährige Bub, der im Kanton Neuenburg wegen einer möglichen Infektion durch das Coronavirus in Quarantäne ist, wird voraussichtlich am nächsten Mittwoch (19. 2.) nach Hause dürfen. Dies teilte das Bundesamt für Gesundheit am Freitag (14. 2.) mit. Der Bub war in Frankreich mit einer Person in Kontakt gekommen, die sich nachweislich mit dem Coronavirus infiziert hatte.
  • Ebenfalls nach Hause kommen werden voraussichtlich bereits am Sonntag (16. 2.) mehrere in Südfrankreich in Quarantäne befindliche Schweizer, teilte das BAG am Freitag mit. Die Schweizer waren aus China zurückgeflogen worden. Wie Serge Bavaud vom Aussendepartement EDA sagte, endet die Quarantäne am Samstag (15. 2.) um Mitternacht. Von den fünf Schweizern und drei Begleitpersonen wollten sechs in die Schweiz zurückkehren.
  • Ein Schweizer Paar an Bord des unter Quarantäne gestellten Kreuzfahrtschiffes im japanischen Yokohama sei bei guter Gesundheit, sagte Bavaud zudem am Freitag (14. 2.). Es erhalte von der Schweiz konsularische Unterstützung. Das gelte auch für Schweizer Staatsangehörige auf anderen Kreuzfahrtschiffen im asiatischen Raum. Nach wie vor hielten sich in China rund 3500 Schweizerinnen und Schweizer auf. Wer von ihnen dies wünsche, werde konsularisch betreut.
  • Brian Martin, Kantonsarzt des Kantons Zürich, stellte an der Medienkonferenz des BAG vom Freitag (14. 2.) zudem die Vorbereitungen seines Kantons vor. Von den bisher 250 Verdachtsfällen landesweit seien 30 im Kanton Zürich aufgetreten. Falls es bestätigte Fälle geben würde, sei der Kanton Zürich gerüstet: mit 61 Behandlungsplätzen für Erwachsene und deren 13 für Kinder. Vorsorglich seien auch bereits zusätzliche «contact tracers» ausgebildet worden.
  • Nach der neuen Einstufung der Virusfälle in China ist die Zahl der bestätigten Ansteckungen bis Freitagmorgen (14. 2.) erneut stark gestiegen. Allein in der Provinz Hubei in Zentralchina kamen innerhalb eines Tages 4823 Infektionen hinzu. Die Gesamtzahl der bekannten Erkrankungen in der Provinz rund um die Stadt Wuhan steigt damit auf 51 986, in ganz China sind es fast 64 000 Infizierte. Landesweit sind knapp 1400 Tote zu beklagen. 3095 der 4823 neuen Infektionen in Hubei sind auf klinische Diagnosen zurückzuführen, wie die Gesundheitskommission weiter berichtete. Da die DNA-Tests im Labor häufig die Infektion nicht feststellen können, werden jetzt auch die Fälle mitgerechnet, bei denen Ärzte eine Lungenentzündung, Fieber, Atemprobleme und andere typische Covid-19-Symptome festgestellt haben. So sollen sie auch ohne Labortest zu einer Diagnose kommen. Die neue Zählweise wird allerdings nur in der Provinz Hubei, nicht im Rest von China angewandt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) begrüsste das neue Vorgehen. 
  • Ausserhalb von Festland-China sind bis zum Freitag (14. 2.) in mehr als zwei Dutzend Ländern rund 580 Fälle bestätigt, die meisten in Japan. Dort gab es eine Anhäufung von mehr als 200 Fällen auf dem vor Yokohama liegenden Kreuzfahrtschiff «Diamond Princess». Das Schiff ist in Japan vorerst noch bis nächsten Mittwoch (19. 2.) unter Quarantäne gestellt. Aus Ägypten wurde am Freitag (14. 2.) zudem der erste Coronavirus-Fall in Afrika bekannt.
  • Die Lufthansa Group und die skandinavische Airline SAS setzen die Flüge zum chinesischen Festland weiter aus. Lufthansa, Swiss und Austrian Airlines verlängern ihren Flugstopp von und nach China bis zum 28. März, heisst es in einer Pressemitteilung vom Freitag (14. 2.). Swiss fliegt von und nach Hongkong nur noch mit kleineren Maschinen, die Lufthansa streicht wegen der stockenden Nachfrage einzelne Flüge dorthin. SAS verlängert die Flugpause um weitere vier Wochen und stoppt alle China-Flüge bis zum 29. März, teilte die Fluggesellschaft am Freitag (14. 2.) in Stockholm mit. Die Skandinavier fliegen Hongkong weiterhin an.
  • Der Autosalon Genf soll – trotz Sorge vor dem Coronavirus – vom 5. bis 15. März stattfinden. Das letzte Wort habe jedoch das Bundesamt für Gesundheit (BAG), teilte Olivier Rihs, Direktor der jährlichen Autoausstellung, am Freitag (14. 2.) mit. Rihs erinnerte daran, dass es in der Schweiz bis anhin keine bestätigte Infektionen gebe. Weitere Grossveranstaltungen wie die Mobilfunkmesse MWC von Ende Februar in Barcelona sind bereits abgesagt worden.
  • Nach tagelanger Irrfahrt durch asiatische Gewässer haben am Freitag (14. 2.) die ersten von knapp 2300 Menschen das Kreuzfahrtschiff «Westerdam» in Kambodscha verlassen. Das teilte die amerikanische Botschaft per Twitter mit. Am Donnerstagabend (13. 2.) hatte das aus Hongkong kommende Schiff in Sihanoukville angelegt. Zuvor war dem Schiff aus Sorge vor einer Einschleppung des Coronavirus die Einfahrt in mehrere asiatische Häfen verweigert worden. Die 1455 Gäste und 802 Besatzungsmitglieder konnten nach dem Anlegen nicht sofort von Bord gehen, sondern wurden zunächst medizinisch untersucht.

1370 Personen kommen ums Leben

Bestätigte Infektionen und Todesfälle durch das neuartige Coronavirus

Zahl der bestätigten Fälle in China wächst rasant

Anzahl bestätigter Infektionen mit dem Coronavirus in China (in Tausend)

Das Wichtigste im Detail

Anfang Januar hatte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mitgeteilt, dass eine mysteriöse Lungenerkrankung in der zentralchinesischen Metropole Wuhan durch ein neuartiges Coronavirus verursacht werde. Wann es angefangen hat, ist unklar. Erste Krankheitsfälle waren bereits Mitte Dezember festgestellt worden.

Es wird davon ausgegangen, dass das Coronavirus seinen Ursprung auf einem Tiermarkt in Wuhan hat. Von da aus hat es sich weiter verbreitet. Bis Ende Januar wurde das Virus in nahezu allen Provinzen Chinas festgestellt, sowie in etlichen Staaten weltweit.

Die WHO hat auf ihrer Konferenz in Genf im Februar der Krankheit und dem Erreger je einen neuen wissenschaftlichen Namen gegeben. Der Name Covid-19 bezeichnet die neuartige Lungenkrankheit und leitet sich ab von Corona, Virus und Disease (dem englischen Wort für Krankheit), ergänzt um das Jahr der Entdeckung 2019. Auch der Auslöser der Krankheit, das Virus, erhielt einen eigenen Namen: Sars-CoV-2. Die WHO erhofft sich so einen schnellen und fundierten Austausch der bisherigen Erkenntnisse unter den Wissenschaftern. Weiterhin gebräuchlich ist der bisherige Name Coronavirus.

Freiwillige in Schutzanzügen desinfizieren in Changsha, in der chinesischen Provinz Hunan, einen Bahnhof.

Freiwillige in Schutzanzügen desinfizieren in Changsha, in der chinesischen Provinz Hunan, einen Bahnhof.

Reuters

Das Coronavirus wurde bis Freitag (14. 2.) bei fast 64 000 Personen in Festland-China nachgewiesen. Knapp 1400 Personen sind in dem Land bis Freitag (14. 2.) an der durch das Virus verursachten Lungenerkrankung gestorben. Mittlerweile sind in allen Regionen und Provinzen Chinas Infektionen nachgewiesen. Ausserhalb Chinas wurden bis am 14. Februar drei Todesfälle bestätigt: In der chinesischen Sonderverwaltungszone Hongkong, auf den Philippinen und in Japan starb je ein Patient.

In anderen Ländern wurden bis Freitag (14. 2.) bereits über 580 Infektionen in mindestens 29 verschiedenen Staaten registriert, die meisten davon in Japan. In Europa sind Frankreich, Grossbritannien, Italien, Deutschland, Belgien, Schweden, Finnland und Spanien von dem Virus betroffen.

Eine Frau mit Gesichtsmaske wird am Eingang eines Wohnkomplexes in der chinesischen Hafenstadt Tianjin von einem Gerät automatisch mit Desinfektionsmitteln eingesprüht.

Eine Frau mit Gesichtsmaske wird am Eingang eines Wohnkomplexes in der chinesischen Hafenstadt Tianjin von einem Gerät automatisch mit Desinfektionsmitteln eingesprüht.

Stringer / Reuters

Mittlerweile hat die Zahl der Infektionen mit dem Coronavirus die der Sars-Infektionen vor 17 Jahren übertroffen. An dem Schweren Akuten Atemwegssyndrom (Sars) waren 2002/2003 laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 8096 Menschen erkrankt.

In ganz China, mit Ausnahme von Hubei, geht jedoch die Zahl der täglichen Neuinfektionen seit Anfang Februar stetig zurück. Allerdings wurde am 11. Februar auch bekannt, dass China nachweislich mit dem Coronavirus infizierte Personen, die aber keine Symptome zeigen, nicht mehr in seiner Statistik der Ansteckungen führt. Das geht aus neuen Bestimmungen zur Vorbeugung und Kontrolle der nationalen Gesundheitskommission in Peking hervor. Die Bestimmungen wurden demnach bereits am 7. Februar erlassen. Erst wenn Krankheitssymptome aufträten, werde die Person als «infiziert» geführt, heisst es darin. Wie viele Infektionen damit gar nicht erst erfasst werden, ist unklar. Generell dürfte die Dunkelziffer nicht registrierter Fälle immens sein. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte in ihren täglichen Pressekonferenzen zum Virus zuletzt betont, dass rund 80 Prozent der Infektionen einen milden Verlauf nähmen.

Ein Grund, warum die Statistik geändert wurde, wurde nicht genannt. In welchem Ausmass die neue Regelung mit ein Grund für den weniger starken Anstieg neuer Infizierter seit Anfang Februar ist, war zunächst unklar. Die neue Definition widerspricht jedoch den Vorgaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die als Infizierten jemanden betrachtet, bei dem eine Infektion durch ein Labor bestätigt wurde – «ungeachtet klinischer Zeichen oder Symptome». Mit dem Coronavirus infizierte Personen können in der Inkubationszeit schon selbst ansteckend sein. Experten gehen in der Regel von bis zu 14 Tagen aus.

Dass die Zahl der Infizierten in Hubei weiter stark steigt, liegt laut der chinesischen Gesundheitskommission an einer neuen Zählweise. Die Kriterien für die Bestimmung von Ansteckungen durch das Virus sind nun breiter gefasst: Seit dem 13. Februar werden nicht mehr nur solche Fälle gezählt, die durch Tests bestätigt wurden, sondern auch solche aus klinische Diagnosen. Was genau eine klinische Diagnose mit sich bringt, geht aus der Erklärung der Gesundheitskommission zwar nicht hervor, aber die Regierung in Hubei hatte vergangene Woche gesagt, sie werde damit beginnen, die Ergebnisse von Computertomographie-Scans einzubeziehen. Verdachtsfälle werden so schneller erkannt, weil man nicht auf Testergebnisse warten muss. Die neue Zählweise wird allerdings nur in der Provinz Hubei, nicht im Rest von China angewandt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) begrüsste das neue Vorgehen.

Vor einer U-Bahn-Station in Peking kontrollieren Mitarbeiter in Schutzkleidung am 25. Januar die wenigen Passanten.

Vor einer U-Bahn-Station in Peking kontrollieren Mitarbeiter in Schutzkleidung am 25. Januar die wenigen Passanten.

Wu Hong / EPA

China hat sofort drastische Massnahmen ergriffen: In der Provinz Hubei wurden 45 Millionen Menschen in mehr als einem Dutzend Städten weitgehend von der Aussenwelt abgeschottet. Auch in drei Grossstädten ausserhalb der Provinz Hubei hat China die Bewegungsfreiheit von weiteren zwölf Millionen Menschen massiv eingeschränkt. In den betroffenen Städten wurden Flüge sowie Fern- und Nahverkehr gestoppt.

Auch andere Regionen haben den Überlandverkehr von Bussen und einige Zugverbindungen gestrichen. Am Dienstag (4. 2.) erliess auch die ostchinesische Metropole Hangzhou starke Einschränkungen des Verkehrs. Die Regierung verlängerte zudem die Ferien über das Neujahrsfest hinaus. Etliche Veranstaltungen in Zusammenhang mit den Feierlichkeiten zum Neujahrsfest in China waren abgesagt worden. Zudem rief die Regierung dazu auf, Hochzeiten zu verschieben und Trauerfeiern in kleinem Rahmen abzuhalten, um Menschenansammlungen zu vermeiden. Da am 3. Februar die wegen des Virus verlängerten Neujahrsferien endeten, nahm der Reiseverkehr in China allerdings wieder zu.

Aus Angst vor einer weltweiten Ausbreitung empfahl die Regierung in Peking zudem allen Chinesen, von Auslandreisen vorerst abzusehen.  Zuvor hatte Peking bereits alle Pauschalreisen ins Ausland gestoppt.

Da vermutet wird, dass das Virus von einem Markt mit wilden Tieren auf den Menschen übertragen wurde, haben die chinesischen Behörden vorübergehend den Handel und Transport mit Wildtieren verboten. Zuchtfarmen wurden zudem unter Quarantäne gestellt. Alle Plattformen – von Frischmärkten über Supermärkte und Restaurants bis hin zu Online-Geschäften – mussten den Verkauf einstellen.

Zur Behandlung der Lungenkranken haben Chinas Behörden inzwischen mehr als 21 000 medizinische Fachkräfte aus dem ganzen Land in die Provinz Hubei entsandt. In Wuhan wurden ausserdem innerhalb weniger Tage zwei neue Spitäler gebaut, wo mit dem Coronavirus Infizierte behandelt werden sollen. Ähnlich war China bei der Sars-Epidemie 2003 vorgegangen, als Peking innerhalb von nur einer Woche mit 7000 Arbeitern ein neues Spital hochzog. Ein Siebtel aller in China an Sars Erkrankten wurde dort behandelt. 

In der Provinz Hubei werden zudem weitere Gebäude, wie Schulen, Hotels, Turnhalle und Sportzentren vorübergehend in Spitäler umfunktioniert. Damit schaffen die Behörden Tausende von zusätzlichen Betten für erkrankte Personen. 

Am Dienstag, den 28. Januar, werden die Fundamente für das erste Notspital in Wuhan betoniert...

Am Dienstag, den 28. Januar, werden die Fundamente für das erste Notspital in Wuhan betoniert...

Getty

... am Sonntag, den 2. Februar, steht das Spital mit 1000 Betten kurz vor der Fertigstellung.

... am Sonntag, den 2. Februar, steht das Spital mit 1000 Betten kurz vor der Fertigstellung.

AP

Immer mehr Länder versuchen sich von China abzuschotten. Australien und Neuseeland haben als erste Länder ein Einreiseverbot für China-Reisende verhängt. Die USA haben wegen des Coronavirus eine «gesundheitliche Notlage» ausgerufen. Viele asiatische Staaten haben die Einreiseregeln für Chinesen verschärft (Singapur und Hongkong) oder lassen gar keine chinesischen Staatsbürger ins Land und machen die Grenzen dicht – so wie Russland. Mehrere Länder und Fluggesellschaften haben die direkten Flugverbindungen von und nach China vorübergehend eingestellt.

In einigen Ländern, zum Beispiel Südkorea, häufen sich die Meldungen von rassistischen Vorfällen gegenüber chinesischen Staatsbürgern. Grund dafür ist die Panik, sich mit dem Virus anzustecken.

Wegen der Lungenkrankheit fliegen immer mehr Länder ihre Staatsangehörigen aus der schwer betroffenen Metropole Wuhan aus. Wie etwa in den USA müssen die Menschen zuerst zwei Wochen Quarantäne aussitzen. Der Ausbruch des Virus dauert etwa eine Woche. Damit ist man mit zwei Wochen Isolation auf der sicheren Seite, dass die betroffenen Personen gesund sind.

Der schwedische Möbelkonzern Ikea war eines der ersten Unternehmen, dass aus Sorge um die Gesundheit von Kunden und Mitarbeitern vorübergehend alle Warenhäuser in China schloss. Andere Konzerne wie H&M zogen nach. Auch Automobilhersteller wie Volkswagen und Flugzeughersteller wie Airbus oder Boeing schlossen ihre Fabriken in China vorübergehend.

Die vietnamesischen Behörden stellen die Kommune Son Loi wegen des Coronavirus seit Donnerstag (13. 2.) für zunächst 20 Tage unter Quarantäne. Zu diesem Schritt hätten sich die Behörden entschlossen, nachdem sechs Infektionen in der Kommune nachgewiesen wurden, schrieb die Nachrichtenagentur AFP. In Son Loi leben rund 10 000 Personen. Damit wurden erstmals Gemeinden ausserhalb Chinas unter Quarantäne gestellt.

In der Schweiz gibt es bisher keine bestätigten Fälle von Ansteckungen mit dem Coronavirus. Landesweit wurden bisher 250 Personen auf das Coronavirus getestet, wie das Bundesamt für Gesundheit (BAG) am 14. Februar mitteilte. Alle Tests der Verdachtsfälle sind bisher negativ ausgefallen. Laut BAG gibt es ausserhalb Chinas bisher keine zusammenhängenden Übertragungsketten. Das Risiko einer unkontrollierten Ausbreitung in Europa – und somit auch in der Schweiz – sei damit gering.

Fünf Schweizer wurden aus China repatriiert. Sie befinden sich derzeit in Frankreich in Quarantäne und haben bisher keine Symptome entwickelt. Laut BAG werden sie voraussichtlich am Sonntag (16. 2.) die Quarantäne verlassen dürfen. Zudem wurde ein Kind unter Quarantäne gestellt, das während Skiferien in der Haute-Savoie mit einer am Coronavirus erkrankten Person in Kontakt gekommen war. Der 10-jährige Bub wird laut BAG voraussichtlich am Mittwoch (19. 2.) nach Hause dürfen. Zwei Schweizer sind zudem auf dem Kreuzfahrtschiff, das in Japan unter Quarantäne gestellt wurde. Laut BAG geht es ihnen gesundheitlich gut (Stand: 14. 2.). Das Paar erhält von der Schweiz konsularische Unterstützung. Derweil steht das Krisenmanagement-Zentrum des Aussendepartements in Kontakt mit Staatsbürgern, die in China gemeldet sind. Bis anhin hat kein weiterer Schweizer den Wunsch geäussert, auszureisen. Nach wie vor halten sich rund 3500 Schweizerinnen und Schweizer in China auf (Stand: 14. 2.). Das Aussendepartement rät von Reisen nach Wuhan ab und verfolgt laut eigenen Angaben die Lage in China laufend.

Die Schweiz hat die Informationen für Reisende an Flughäfen verstärkt. Passagiere, die aus China ankommen, müssen zudem neu eine Kontaktkarte ausfüllen, damit sie bei Bedarf schneller erreicht und in Quarantäne gesetzt werden können. Ein Verbot von Flügen aus gesundheitlichen Gründen plant die Schweiz nicht, wie Daniel Koch, Leiter der Abteilung übertragbare Krankheiten beim BAG, bestätigte.

Laut Koch ist damit zu rechnen, dass weitere Fälle in Europa auftauchten. Auch die Schweiz könnte früher oder später betroffen sein. Das Land sei aber gut vorbereitet. Sollte sich in der Schweiz ein Verdachtsfall erhärten, so werde der für solche Fälle existierende Pandemieplan aktiviert. Im Auftrag des BAG wurde zudem eine Hotline für Fragen aus der Bevölkerung aufgeschaltet. Erreichbar ist die Hotline unter der Nummer 058 463 00 00. Zudem hat das BAG die Meldepflicht von Ärzten und Laboratorien verschärft. Die Kompetenz zur Festlegung beim Vorgehen bei Verdachtsfällen liegt bei den Kantonen. Laut Koch stehen sie jedoch im ständigen Austausch mit dem BAG und würden im Falle einer bestätigten Infektion alle gleich handeln: Der Patient würde in Quarantäne gesetzt und nicht etwa nach Hause geschickt.

Um Informationen zum Virus länderübergreifend austauschen zu können, hat die EU-Kommission einem Antrag der Schweiz für die Teilnahme am EU-Frühwarn- und Reaktionssystem (EWRS) wegen des Coronavirus zugestimmt. Die Schweiz hat ausserdem ein Gesuch zur Teilnahme am «Health Security Committee» der EU gestellt. Dieses Komitee koordiniert nationale Massnahmen bei hoch ansteckenden Krankheiten und tauscht Informationen aus.

Die Schweizer Post nimmt vorübergehend keine Briefe und Pakete nach China mehr an, hiess es am Mittwoch (12. 2.) in einer Mitteilung auf der Webseite der Post. Grund dafür sei der Ausfall zahlreicher internationaler Flüge nach China, der den Postversand einschränke.

In Deutschland haben sich inzwischen (Stand am 14. 2.) 16 Personen nachweislich mit dem neuartigen Coronavirus infiziert. Bisher hängen 14 Fälle in Bayern mit dem Automobilzulieferer Webasto zusammen. Betroffen sind dort Mitarbeiter und deren Angehörige. Die anderen beiden Infizierten waren am Wochenende (1./2. 2.) zusammen mit mehr als 120 weiteren Passagieren aus China nach Deutschland geholt worden.

Mindestens einer der infizierten Webasto-Angestellten soll sich bei einer Kollegin aus China angesteckt haben, die das Unternehmen besucht hatte. An dem Fall in Bayern ist besonders, dass es einer der ersten bekannten Nachweise weltweit ist, bei denen die Ansteckung ausserhalb Chinas geschah. Bisher hatten sich alle Infizierten in China angesteckt. 

Deutsche Ärzte haben ihre Angaben zur Übertragbarkeit des Coronavirus präzisiert (Stand: 5. 2.). So können sich die Viren bei Infizierten sowohl in der Lunge als auch im Nasen-Rachen-Raum und im Verdauungstrakt vermehren. Dies geschehe bereits, wenn die Betroffenen nur sehr milde Symptome wie «leichte Halsschmerzen oder ein leichtes allgemeines Krankheitsgefühl ohne Fieber» aufwiesen, schreiben die Ärzte des Münchner Klinikums Schwabing, der Charité Berlin sowie vom Institut für Mikrobiologe der Bundeswehr. Alle Teams beobachten entweder die bisher bestätigten Coronavirusfälle in Bayern beziehungsweise untersuchen die von diesen isolierten Viren.

Eine Woche vorher hatten die Münchner noch erklärt, dass man Hinweise auf eine Ansteckung durch eine völlig symptomlose Infizierte habe. Doch das war offenbar eine Fehleinschätzung. Denn die chinesische Gastreferentin, die das Virus aus China nach Bayern brachte, hatte offenbar doch leichte Halsschmerzen und fühlte sich etwas angeschlagen, wie nun bekannt wurde. Sie hatte Paracetamol genommen und war daher ihren Zuhörern gesund erschienen. Diesen Sachverhalt hatte die Frau jedoch erst später nach ihrer Rückkehr auf Nachfrage den Ärzten mitgeteilt. Im Hinblick auf mögliche Infektionsrisiken ändert die neue Sachlage wenig. Klar ist weiterhin, dass das Virus offenbar leicht übertragbar ist, sobald es sich im Körper vermehrt. Und das bei einer beginnenden Erkrankung offenbar ein tüchtiges Niesen oder Husten ausreicht, um Umstehende anzustecken.

Infektionen mit dem neuen Erreger wurden inzwischen an mehreren Orten in China nachgewiesen. Mitarbeiter in Schutzanzügen der Abteilung für Krankheitsbekämpfung und Prävention der nationalen Gesundheitskommission desinfizieren am 25. Januar ein Wohngebiet in der Provinz Jiangxi.

Infektionen mit dem neuen Erreger wurden inzwischen an mehreren Orten in China nachgewiesen. Mitarbeiter in Schutzanzügen der Abteilung für Krankheitsbekämpfung und Prävention der nationalen Gesundheitskommission desinfizieren am 25. Januar ein Wohngebiet in der Provinz Jiangxi.

Reuters

Der Notfall-Ausschuss der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat am Donnerstag (29. 1.) eine «gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite» ausgerufen. Damit verbunden sind konkrete Empfehlungen, wie alle Länder der Welt einer weiteren Ausbreitung vorbeugen können. Das bedeutet, dass die mehr als 190 Mitgliedsländer von der WHO empfohlene Krisenmassnahmen gegen eine weitere Ausbreitung untereinander koordinieren. In der Woche davor hatte die WHO noch darauf verzichtet, den Ausbruch als internationalen Gesundheitsnotstand einzustufen.

Nach der Ausrufung des internationalen Notstands sagte WHO-Direktor Tedros Adhanom Ghebreyesus, dass die Zahl der Infektionen ausserhalb Chinas zwar noch relativ gering sei. Aber man wisse nicht, welchen Schaden das Virus in einem Land mit einem schwachen Gesundheitssystem anrichten würde. Die grösste Sorge sei, dass sich das Virus in solchen Ländern ausbreiten könnte. Der Schritt sei nicht als Misstrauensvotum gegen China zu verstehen, betonte der WHO-Generaldirektor und lobte ausdrücklich die Massnahmen der Chinesen, denen zu verdanken sei, dass es bisher nur einige Dutzend Fälle im Ausland gebe.

Am 12. Februar hat die WHO nach einem Expertentreffen angekündigt, die Suche nach einem Impfstoff und wirksamen Medikamenten gegen die neue Lungenkrankheit zu beschleunigen. Darauf hätten sich die 400 Fachleute geeinigt, die seit Dienstag (11. 2.) in Genf tagten, sagte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus am Mittwochabend (12. 2.) in Genf. Laut der Chefwissenschafterin der WHO, Soumya Swaminathan, gibt es vier mögliche Kandidaten für einen Impfstoff, von denen sich hoffentlich zwei als vielversprechend herausstellen. Erste Impfstoff-Tests an Menschen könnten schon in drei bis vier Monaten beginnen. Ein zertifizierter Impfstoff für einen weitreichenden Einsatz stehe aber wahrscheinlich erst in 18 Monaten zur Verfügung. Mehrere bereits existierende Medikamente würden zur Zeit auf ihre Wirkung geprüft. Zu den drängendsten Aufgaben gehöre zudem auch die Entwicklung einfacherer Tests zum Nachweis von Infektionen.

Das neu entdeckte Virus ist ein Coronavirus und gehört damit zur selben Virusfamilie wie der gefährliche Sars-Erreger. Zu dieser Familie gehören aber auch harmlose Schnupfenviren und Erreger, die Magen-Darm-Beschwerden verursachen. Zurzeit geht man davon aus, dass das neue Virus weniger krankmachend ist als die Sars- und Mers-Viren. Bei diesen sterben knapp zehn respektive gut 34 Prozent der Erkrankten. Bei der Sars-Pandemie waren 2002/03 von China ausgehend weltweit rund 8000 Personen an der Lungeninfektion erkrankt. Knapp 800 starben. 

Bei dem neuen Virus vermutet man zurzeit eine Todesfallrate von etwa 2 Prozent. Falls sich herausstellt, dass es sehr viele nur leicht erkrankten Personen gibt, kann diese Zahl deutlich kleiner werden.

Mit systematischen Antikörper-Tests in der Bevölkerung können Forscher zudem untersuchen, wie viele Personen Kontakt mit dem gesuchten Erreger hatten, ohne eine Erkrankung zu entwickeln. Auch die Zahl dieser Personen ist wichtig, um die Gefährlichkeit eines Erregers richtig einzuschätzen. Diese Untersuchungen finden allerdings oft erst gegen Ende oder gar nach einer Epidemie statt, auch, weil die Entwicklung eines solchen Tests eine gewisse Zeit in Anspruch nimmt.

Laut dem Direktor des Chinese Center for Disease Control and Prevention gibt es derzeit auch keine Hinweise auf sogenannte «super spreaders» («Superverteiler»). Solche Infizierte tragen besonders stark zur Verteilung eines Virus bei. «Super spreaders» gab es zum Beispiel bei der Sars-Epidemie; auch bei HIV sind sie bekannt. Ein Erreger, der nur beschränkt von Mensch zu Mensch übertragbar ist, kann sich nicht so einfach ausbreiten wie etwa das Grippe- oder das Masernvirus.

Coronaviren unter dem Elektronenmikroskop: Typisch ist die an eine Krone erinnernde Oberfläche, die dem Virus den Namen gab.

Coronaviren unter dem Elektronenmikroskop: Typisch ist die an eine Krone erinnernde Oberfläche, die dem Virus den Namen gab.

PD

Die Patienten hatten laut WHO vor allem Fieber, einige klagten zudem über Husten und Schwierigkeiten beim Atmen. Auf dem Röntgenbild zeigten sich die für eine Lungenentzündung typischen Veränderungen.

Die Altersspanne der Personen mit bestätigten Infektionen ist gross; sie reicht von kleinen Kindern bis zu betagten Personen. Die meisten Betroffenen sind laut der WHO Erwachsene. Ältere Personen mit bereits bestehenden Krankheiten scheinen besonders anfällig für schwere Verläufe der Atemwegsinfektion zu sein.

Genauere Angaben gibt es bis anhin zu den ersten 17 Todesopfern. Es handelt sich demnach um 13 Männer und 4 Frauen. Die meisten litten an Krankheiten, die das Immunsystem beeinträchtigen können. Die jüngsten Opfer waren eine 48 Jahre alte Frau und ein 53-jähriger Mann; von Letzterem sind keine Vorerkrankungen bekannt. Fünf weitere Personen waren zwischen 61 und 69 Jahre alt, acht der Opfer waren 80 Jahre oder älter. Der am 4. 2. in Hongkong gestorbene Mann war allerdings erst 39 Jahre alt.

Der Rezeptor, an den das Coronavirus andocken könnte, scheint bei Männern häufiger zu sein als bei Frauen; darauf zumindest deutet eine Studie chinesischer Wissenschafter hin, die acht Lungen, zwei von Männern und sechs von Frauen, auf das Vorkommen des Rezeptors hin untersucht haben. Dies würde dazu passen, dass der grössere Teil der zum Zeitpunkt der Studie bekannten Patienten männlich sei, schreiben die Forscher.

Als Ausgangspunkt der Infektion wird ein Fischmarkt in Wuhan vermutet, der Huanan Seafood Wholesale Market, auf dem auch lebende Wildtiere verkauft wurden. Dort wurde das Virus auf verschiedenen Oberflächen nachgewiesen, und dort soll es von einem Tier auf den Menschen übergesprungen sein. Noch immer unklar ist, von welcher Tierart.

Die Infektion wurde allerdings offenbar sehr rasch über Ansteckungen von Mensch zu Mensch – vermutlich über eine Tröpfcheninfektion – weitergegeben. Bereits einige der ersten Patienten sollen keinen Kontakt mit dem Markt gehabt haben. Besonders gefährdet, sich zu infizieren, sind laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Personen, die in engem Kontakt mit Erkrankten stehen, etwa innerhalb der Familie oder bei der Versorgung von Patienten im Spital. Berechnungen, die auf den bisherigen Daten zur Epidemiologie beruhen, gehen davon aus, dass jeder Fall zwischen 1,4 und 5,5 weitere Personen ansteckt.

Es gibt auch Hinweise darauf, dass Infizierte schon ansteckend sein können, bevor sie Anzeichen einer Erkrankung zeigen. Diese sogenannte Inkubationszeit dauerte nach derzeitigem Wissen bei den ersten Fällen ausserhalb Chinas im Durchschnitt knapp sechs Tage.

Neben Tröpfcheninfektionen könnte das Virus aber auch über das Verdauungssystem verbreitet werden. Chinesische Forscher haben das Virus auch in Stuhlproben und Rektalabstrichen gefunden, nachdem sie festgestellt hatten, dass einige Patienten allein Durchfall statt üblicherweise Fieber bekommen haben.

Eine Ansteckung beispielsweise über Pakete aus China ist laut der WHO nicht möglich.

In leichten Fällen kann sich die Atemwegserkrankung, die durch eine Infektion mit dem neuen Virus verursacht wird, laut der WHO in Form einer laufenden Nase und eines leichten Hustens zeigen. Zu den schwereren Symptomen zählen Fieber, Husten und Schwierigkeiten beim Atmen bis hin zu einer Lungenentzündung.

Den Arzt aufsuchen sollte man laut der Organisation bei Fieber oder Atemproblemen. Wichtig sei dann, eine allfällige Reise in betroffene Gebiete oder einen Kontakt mit Erkrankten zu erwähnen. Bei leichtem Unwohlsein reiche es, zu Hause zu bleiben.

Wie gegen viele Viruserkrankungen gibt es auch hier kein ursächlich wirksames Heilmittel, das den Erreger im Körper vernichten würde. Wie dann üblich, setzen die Mediziner unterstützende Therapien ein, welche die Genesung des Patienten erleichtern.

In China wurden laut Wissenschaftern allerdings offenbar bekannte antivirale Substanzen, die bei anderen Coronaviren wie Sars und Mers eingesetzt wurden, im Rahmen einer Studie auch gegen das neue Coronavirus erprobt. Zur Behandlung von Erkrankten liessen die Behörden das amerikanische Anti-Virus-Medikament Remdesivir für klinische Versuche mit dem neuen Virus zu. Es habe gute Ergebnisse bei Sars oder Mers und zumindest auf Zellebene auch beim neuartigen Coronavirus gezeigt. Die erste Gruppe von Patienten nahm das Medikament am Donnerstag (6. 2.). 761 Patienten sollen an dem Test teilnehmen.

Aufgrund der strukturellen Ähnlichkeit von dem neuen Coronavirus und Sars – beide könnten laut chinesischen Forschern an den gleichen Rezeptor in der menschlichen Lunge andocken –, untersuchte das Team eine Reihe bekannter Antikörper, die gegen den Sars-Erreger wirken. Tatsächlich fanden sie, dass einer davon auch das neue Coronavirus band. Seine Bindungsstelle könnte, so schliessen sie, ein mögliches Ziel für Wirkstoffe gegen das Virus sein.

In Südkorea werden Flugzeugpassagiere aus China mithilfe einer Wärmebildkamera auf Fieber untersucht.

In Südkorea werden Flugzeugpassagiere aus China mithilfe einer Wärmebildkamera auf Fieber untersucht.

Yonhap / EPA

Nein, es gibt noch keine Impfung gegen das neuartige Coronavirus. Frühstens in einem Jahr könnte ein Impfstoff vorliegen. Bis zur Testreife eines Impfstoffs dürften mindestens einige Monate vergehen. Da das Virus aus derselben Virusfamilie wie der Sars- und Mers-Erreger stammt, können die Wissenschafter Lehren aus der Impfstoff-Forschung an Sars und Mers ziehen. Es gibt bereits mehrere Forscherteams, die sich an die Arbeit gemacht haben. Möglich gemacht haben dies chinesische Forscher, die nach dem Ausbruch der Epidemie das Erbgut des Virus sequenziert und diese Sequenz veröffentlicht haben. Die globale Impfstoff-Allianz Cepi etwa will bereits in vier Monaten einen Impfstoff-Kandidat testen lassen. 

Forschern des Doherty Institute in Australien ist es mittlerweile gelungen, das neue Coronavirus im Labor zu züchten. Das war bis anhin nur in China der Fall. Die australischen Wissenschafter wollen das Virus weiteren Labors weltweit zur Verfügung stellen, was dessen Erforschung beschleunigen dürfte. Unter anderem hoffen die Forscher, nun einen Antikörper-Test entwickeln zu können. Dieser ist einerseits für die Validierung von Impfungen wichtig – er ermöglicht die Überprüfung der Impfreaktion. 

Italienische Forscher haben nach Medienberichten das Coronavirus isoliert. «Das ist international eine wichtige Nachricht. Sie bedeutet, dass es mehr Möglichkeiten gibt, es zu verstehen und zu studieren, um es eindämmen zu können», sagte der italienische Gesundheitsminister Roberto Speranza am Sonntag. Die Ergebnisse der Wissenschafter vom nationalen Institut für Infektionskrankheiten Lazzaro Spallanzani in Rom würden der internationalen Gemeinschaft für weitere Forschungen zur Verfügung gestellt. 

Um sich selbst und andere zu schützen, empfiehlt die WHO, eine Reihe grundlegender Hygienemassnahmen einzuhalten. So sollte man unter anderem regelmässig die Hände mit Wasser und Seife oder einer alkoholbasierten Lösung reinigen. Muss man husten oder niesen, sollte man Mund und Nase mit einem Taschentuch oder dem Ellbogen bedecken. Das Taschentuch hinterher in einem geschlossenen Behälter entsorgen und Hände waschen.

In Risikogebieten rät die WHO zudem, nahe Kontakte mit Personen zu meiden, die Erkältungs- oder Grippesymptome zeigen, sowie Fleisch und Eier gründlich zu kochen. Besucht man in solchen Gebieten Märkte, sollte man den direkten, ungeschützten Kontakt sowohl zu Tieren als auch mit solchen Oberflächen vermeiden, die mit Tieren in Berührung gekommen sind.

Während chinesische Experten aus Hongkong dafür plädierten, unbedingt eine Schutzmaske zu tragen, relativierten britische Ärzte auf Anfrage der BBC deren Wirksamkeit. Reguläre Chirurgenmasken böten keinen wirklich effektiven Schutz gegen in der Luft herumschwirrende Viren oder Bakterien, da sie zu durchlässig seien und die Augen frei liessen. Korrekt getragen und regelmässig ausgewechselt, reduzierten sie allerdings das Risiko einer Ansteckung beispielsweise beim Husten oder Niesen.

Mit dem neuen Virus verwandte Viren hat man in Fledermäusen gefunden. Die Epidemie soll ihren Ursprung auf einem Tiermarkt in Wuhan haben. Das Überspringen eines tierischen Virus auf den Menschen ist ein Vorgang, der immer wieder passiert und nicht per se dramatisch ist. Auf diese Weise entstehen ständig neue humanpathogene Erreger und damit auch neue Krankheiten. Wie gefährlich eine neu aufgetretene Krankheit («emerging disease», «emerging virus») ist, muss im Einzelfall anhand seiner Virulenz und Übertragbarkeit abgeklärt werden. Dies passiert beim neuen Coronavirus gerade. Aber es ist klar: Auf diese Weise können auch immer wieder gefährliche Krankheitserreger entstehen und solche, die eine weltumspannende Epidemie auslösen.

Eine solche Pandemie hat die Welt beispielsweise 2009/10 mit dem sogenannten Schweinegrippevirus erlebt (auch Influenzavirus H1N1 genannt). Dieser Virus war mit einer Todesfallrate von nur 0,02 bis 0,4 Prozent sehr mild. Allerdings war er leicht von Mensch zu Mensch übertragbar, und seine Ausbreitung liess sich nicht verhindern: Bereits zwei Monate, nachdem die erste Häufung von Fällen gemeldet wurde, gab es insgesamt 30 000 bestätigte Fälle in 74 Ländern. Zehn Monate später war die pandemische Grippe in 212 Ländern bestätigt.

Es kommt nicht von ungefähr, dass viele neue Erreger im asiatischen Raum entstehen. Das hat mit den oft prekären Verhältnissen zu tun, wie verschiedene Tierarten und der Mensch auf engstem Raum zusammenleben. Dadurch können Viren leicht zwischen den Tierarten zirkulieren und sich genetisch so weit verändern, dass sie schliesslich auch den Menschen infizieren können. Gelingt das einem besonders aggressiven Erreger, der zudem die biologische Fähigkeit zur Mensch-zu Mensch-Übertragung besitzt, kann es sehr gefährlich werden.

Mitarbeit: slz., koe., bso., esb., kkl., nbe., tsm., amü., lat., ela. mit Agenturmaterial