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«Bis zu 15 Prozent der Bevölkerung sind betroffen»: Was ist eigentlich ein Reizdarm?

Der Reizdarm oder das Reizdarmsyndrom gehört zu den funktionellen Darmerkrankungen. Das heisst, er kann mit herkömmlichen Untersuchungsmethoden nicht erkannt werden. «Betroffene Personen leiden meistens an Verstopfung, Durchfall und Bauchschmerzen. In den Abklärungen findet man aber keine Auffälligkeiten», erklärt Professor Stephan Vavricka vom Zentrum für Gastroenterologie und Hepatologie BLICK.

Die Diagnose Reizdarm wird deswegen per Ausschlussverfahren gestellt. Das heisst, zuerst werden andere Erkrankungen wie Darmkrebs oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten mittels Laboruntersuchungen oder Darmspiegelung ausgeschlossen.

Der Experte schätzt, dass etwa fünf bis 15 Prozent der Bevölkerung unter einem Reizdarm leidet. «Etwa die Hälfte der Konsultationen beim Magendarmspezialisten gehen auf das Reizdarmsyndrom zurück.»

Ein typisches Symptom sind Bauchschmerzen

Häufigstes Symptom bei Reizdarm sind Bauchschmerzen, die länger als drei Monate anhalten oder immer wieder auftreten. «Ein starkes Indiz für einen Reizdarm sind Bauchschmerzen, die nach dem Stuhlgang besser werden», sagt Darmexperte Vavricka.

Oft geht mit der Erkrankung auch eine Veränderung der Stuhlhäufigkeit oder -konsitenz einher. Verstopfungen und Durchfall können auftreten oder sich abwechseln. Ausserdem klagen Betroffene häufiger über Sodbrennen, Oberbauchschmerzen, Völlegefühl oder Übelkeit als gesunde Menschen. Meistens kommen die Beschwerden tagsüber vor und gehen in der Nacht zurück.

Ein weiterer Hinweis auf einen Reizdarm kann das Gefühl sein, sich beim Stuhlgang nur unvollständig entleeren zu können.

Woher der Reizdarm kommt, weiss man nicht

Wie Reizdarm entsteht, ist nach wie vor Gegenstand der Forschung. «Woher er kommt, weiss man noch nicht zu 100 Prozent», so Vavricka. Weiter sagt der Darmexperte: «Es gibt aber mehrere Theorien dazu. Zum einen könnte die Darmwand hypersensibel auf die Dehnung mit Schmerzen reagieren, zum anderen ist es möglich, dass die Darmflora falsch zusammengesetzt ist.»

In den meisten Fällen kommen die Beschwerden plötzlich und gehen mit Veränderungen beim Stuhlgang einher. Es gibt aber auch Fälle, bei denen die Symptome nach einem schweren Infekt des Magen-Darm-Traktes auftreten. «Ein Reizdarm kann sich aber auch nach einem schweren Trauma, wie beispielsweise einem Missbrauch, ausbilden.»

«Symptome können deutlich gelindert werden»

«Ein Reizdarm geht oft mit einer starken Einschränkung der Lebensqualität einher», führt Vavricka aus. «Mit der Diagnosestellung und einer Therapie können die Symptome aber deutlich gelindert werden. Dazu gibt es eine ganze Reihe von Therapieansätzen.»

Grundsätzlich sind es verschiedene Ansätze, die zusammen den grössten Erfolg versprechen. Mit einer Änderung der Ernährung können oft schon Erfolge erzielt werden. Besonders Ballaststoffe sind für ein gutes Funktionieren des Darmes unabdingbar. Gleichzeitig kann medikamentös und mit einer positiven Beeinflussung der Darmflora den Beschwerden entgegengewirkt werden.

«Wir werden die Psyche über den Darm beeinflussen können»

Die Zusammensetzung der Darmbakterien nimmt Einfluss auf unser psychisches Wohlergehen.

Hilfe bei der Ernährungsberatung

Der Spezialist warnt aber davor, die Ernährung zu sehr in Eigenregie anzupassen: «Mit einer professionellen Ernährungsberatung, die auf die individuellen Bedürfnisse eingeht, kann viel gemacht werden.»

«Der Reizdarm ist eine chronische Erkrankung und somit nicht heilbar. Aber die Lebensqualität kann mit der richtigen Behandlung auf ein gutes Niveau gehoben werden», so Vavricka.

Auf Alarmzeichen achten

Wichtig ist dem Experten zufolge vor allem die richtige Diagnose: «Ich hatte schon Patienten, die viel zu lange auf die richtige Diagnose gewartet haben, weil man zu schnell von einem Reizdarm ausging, dabei hatten sie eigentlich eine Getreideunverträglichkeit, eine Zöliakie.»

Prof. Vavricka spricht dabei von Alarmzeichen: «Wenn man Probleme beim Schlucken hat, häufig erbricht, Gewicht verliert, auch bei Nacht Beschwerden hat oder Blut im Stuhl vorfindet, kann das auf etwas anderes als das Reizdarmsyndrom hindeuten.» Bevor die Diagnose Reizdarm gestellt wird, muss deswegen wirklich alles andere ausgeschlossen worden sein.

«Auch wenn die Symptome nach dem 50. Lebenjahr auftreten oder in der Familie Getreideunverträglichkeiten, Tumore im Verdauungstrakt und chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Colitis auftreten, bedarf es einer sorgfältigen Abklärung.»

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