Switzerland

Bilanz der digitalen Filmtage: Das nächste Mal «voll in den Kinos»

Die Solothurner Filmtage haben rund 25’000 virtuelle Tickets verkauft. Die Preise gehen an drei Regisseurinnen.

Wie im Kino: Szene aus dem diesjährigen Solothurn-Siegerfilm «Mare» von Andrea Štaka.

Wie im Kino: Szene aus dem diesjährigen Solothurn-Siegerfilm «Mare» von Andrea Štaka.

Foto: Frenetic

Mit der Preisverleihung enden heute Dienstag die ersten virtuellen Solothurner Filmtage. Die «Home Edition» zeigte 170 Filme sowie zahlreiche Filmgespräche. Inoffizielles Maskottchen war eindeutig das Sofa im Solothurner Uferbau: Expressive Muster im Ethno-Hipster-Chic, auf die sich ein Gast nach dem anderen setzte.

Trotz Virtualität ergaben sich angeregte Diskussionen. Festivaldirektorin Anita Hugi gibt sich im Gespräch gut gelaunt: Einige Besucher hätten Fotos von ihren Home-Cinema-Installationen gepostet. «Einige sagten, sie seien am Tag langlaufen gegangen und hätten am Abend Filme geschaut.» Neben den Cinephilen, welche die Diskussionen verfolgten, seien auch viele Tickets an Leute verkauft worden, die sonst weniger oft Festivals besuchen.

Produzent, Regisseur und Rencontre-Gast Villi Hermann auf dem Uferbau-Sofa.

Produzent, Regisseur und Rencontre-Gast Villi Hermann auf dem Uferbau-Sofa.

Foto: Screenshot

Ein Billett für eine Online-Vorführung kostete 10 Franken. Zu den verkauften digitalen Tickets melden die Filmtage einen Zwischenstand, da verschiedene Titel diese Woche noch verfügbar bleiben. Demnach wurden bis heute Dienstag 24’514 virtuelle Tickets verkauft. Mehr als die Hälfte davon wurden von Branchenvertretern, Partnern und Journalisten bezogen.

2020 kamen über 66’000 Leute nach Solothurn und besuchten Filmvorführungen und Veranstaltungen. Anita Hugi sagt, die Views auf der Website hätten sich dieses Jahr mehr als verdoppelt. Bis jetzt verzeichne man mehr als 55’000 digitale Besuche.

Vielleicht wird in Zukunft ja auch «Zoom-Regisseur» zum Filmberuf werden. Technisch hat die Ausgabe, von ein paar Ausfällen abgesehen, gut funktioniert. Trivial waren die Schaltungen nicht: Zum Teil sassen die Moderatorinnen und Gesprächspartner im Homeoffice, zum Teil waren sie in Solothurn. Fragen stellen konnte man über Zoom, wobei man dafür etwas digitales Knowhow brauchte.

Eine virtuelle Festival-Zukunft sieht Anita Hugi trotzdem nicht. Die Filmtage würden beim nächsten Mal wieder «voll in den Kinos» stattfinden. Sicher aber werde man Filmstarts das Jahr über in den sozialen Medien stärker begleiten. «Online-Festivals zeigen den Menschen doch vor allem, was sie an Filmkultur verlieren und wie kostbar Kinos als Begegnungsorte sind.»

Seit 2019 Festivaldirektorin: Anita Hugi.

Seit 2019 Festivaldirektorin: Anita Hugi.

Foto: Anne Morgenstern

Wie dramatisch die Situation teils aussieht, merkte man an einer Online-Podiumsdiskussion zu den Kinos. Betreiberin Edna Epelbaum bezeichnete sie als «Brücken zum Publikum», die nun alle hochgezogen seien. Aus Solidarität mit den Kinos verschickten die Schweizer Filmfestivals gemeinsam eine Mitteilung, in der sie von der Politik eine Perspektive forderten: «Sind die Kinos erst einmal geschlossen, kehren sie nicht wieder.»

Erfreuliche Folgen hatte die Digitalisierung an den 56. Filmtagen insofern, als man sich restaurierte historische Werke direkt in die Stube holen konnte. Stellvertretend dafür war das Programm «Histoires» über Schweizer Filmpionierinnen, dank dem etwa Gertrud Pinkus’ beeindruckender Dokumentarfilm «Il valore della donna è il suo silenzio» von 1979 wieder verfügbar wurde – per Mausklick. Restauriert hat ihn die Streaming-Edition Filmo der Solothurner Filmtage; er soll nach dem Festival auf verschiedenen Plattformen zugänglich sein.

Football news:

Antonio Cassano: Versteht Conte, dass er nicht Guardiola ist? Inter war einfach lächerlich in der Champions League
Juve wird wieder gewinnen, wenn Ronaldo nicht am Start ist. Sie brauchen eine Qualitätszentrale, sie wachsen nicht als Mannschaft auf. Ventola über Cristiano
Der Chef der LGBT-Fangruppe City: Brach nach einem Tor im Spiel um den Einzug in die K. O.-Runde aus. Nach so vielen Jahren der Sehnsucht steigen wir auf
Ibrahimovic und Mihajlovic singen beim Sanremo-Festival das Lied Ich bin der Vagabund
Sociedad-Trainer über das Remis gegen Real: Wenn wir das 2:0 machen, wäre das anders. Faires Ergebnis
Nur Raul und Casillas waren jünger als Vinicius, als sie das 100. Spiel für Real machten
Zidane über das Remis gegen Sociedad: Wir haben zwei Punkte verloren. Wir hatten offensichtliche Momente in der ersten Halbzeit