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Switzerland

Big Brother im Blumenladen: Chefin filmt Angestellte und stellt Bilder live online

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Bei einem Berner Floristen filmt eine Webcam die Mitarbeiter von morgens bis abends. In der Branche und bei der Behörde ist man alarmiert.

Eine Floristin bindet gerade einen Rosenstrauss, eine jüngere Kollegin wartet an der Nase kratzend auf einen nächsten Auftrag, während eine andere Mitarbeiterin mit einer Heissleimpistole zu kämpfen hat: Nur wenige Klicks durchs Internet sind nötig, um den Floristinnen eines Berner Blumengeschäfts live bei der Arbeit zuzuschauen. Die Angestellten werden laufend von einer Webcam gefilmt, die Aufzeichnung wird direkt auf Youtube übertragen. Jeder der will, kann den Frauen zusehen – «4 watching now» steht am Dienstagvormittag unter dem Youtube-Stream.

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Würde es Sie stören, beim Arbeiten von einer Webcam gefilmt zu werden?

Von Anonymen beobachtet

Obwohl die Inhaberin des Geschäfts versichert, die Web-Kamera werde mit dem Einverständnis aller Mitarbeitenden betrieben, ist man beim Branchenverband Grüne Berufe Schweiz (GBS) alarmiert. Seit längerem kämpfe man gegen diese Live-Übertragung aus dem Blumengeschäft an, sagt Präsidentin Barbara Jörg: «Eine Ex-Mitarbeiterin hat sich wegen der Kamera beschwert.» Es sei ihr unangenehm gewesen, von Unbekannten beim Arbeiten beobachtet zu werden. Sofort habe man vonseiten des Verbandes Schritte eingeleitet: «Wir sind beim Geschäft vorbeigegangen und haben mit den Verantwortlichen gesprochen», sagt Jörg. Auch sei der Eidgenössische Datenschutzbeauftragte sowie der Floristenverband informiert worden.

Inhaberin: «Webcam ist wichtig für Internetverkauf»

Diese Intervention bewirkte, dass die Ladenbesitzerin die Kamera umgehend vom Netz nahm. Doch nur für kurze Zeit: Der Live-Stream aus der Werkstatt läuft bereits wieder. Gegenüber 20 Minuten meint die Chefin: «Ich bin mir zwar bewusst, dass ich mich hier in einem Graubereich bewege, doch ist die Aktion wichtig für unseren Internetverkauf.» Die Aktion sei eine reine Werbemassnahme. Und da von jedem Mitarbeiter ein schriftliches Einverständnis vorliege, habe sie eigentlich keine Bedenken.

Beim Eidgenössischen Datenschutzbeauftragten sieht man die Sache weniger gelassen: «Eine solche Webcam ist weder verhältnis- noch zweckmässig», sagt Sprecher Hugo Wyler. Die Privatsphäre der Mitarbeiter würde durch das Online-Stellen der Aufnahmen verletzt. Diese Tatsache sei schwerer zu gewichten als eine Marketing-Massnahme. Wyler: «Dass man diese Kamera nur aus reinem Werbezweck laufen lässt, ist also keine Rechtfertigung.»

Die Verantwortung liegt beim Bürger

So will der Branchenverband GBS der Sache erneut nachgehen. Wird auch der Eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte aktiv? Sprecher Wyler verneint: «Wir werden erst aktiv, wenn es sich um ein systematisches Vergehen handelt und somit eine grössere Anzahl an Leuten betrifft.» Man würde der Sache erst nachgehen, wenn eine betroffene Person klagen würde – «die Bürger müssen das Datenschutzgesetz selber durchsetzen.»

(miw)

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