Switzerland

Bezirksgericht Zürich: lebenslanges Berufsverbot für übergriffigen Arzt

Ein Mediziner hat eine junge Frau mit Erkältungssymptomen im Intimbereich befingert. Das Bezirksgericht Zürich verurteilt ihn wegen Schändung. Die Folgen des Richterspruchs sind verheerend für den Arzt.

Türe zu einem Verhandlungssaal im Bezirksgericht Zürich.

Türe zu einem Verhandlungssaal im Bezirksgericht Zürich.

Annick Ramp / NZZ

Der Vorwurf, gegen den sich ein rund 50-jähriger Arzt am Mittwoch vor dem Bezirksgericht Zürich zu verteidigen hatte, ist haarsträubend. Der in einer Gemeinschaftspraxis tätige Mediziner soll eine Patientin, die wegen einer Erkältung mit Schnupfen, Husten und Halsschmerzen notfallmässig wegen eines Arztzeugnisses zu ihm gekommen war, auf sehr unkonventionelle Weise behandelt haben. Gemäss Anklageschrift hatte er sich nämlich nicht nur auf das bei diesem Krankheitsbild übliche Abhören von Brust und Lunge mit dem Stethoskop beschränkt. Vielmehr setzte er seine Untersuchung zunächst mit dem Abtasten von Bauch und Leistengegend und schliesslich im Intimbereich der kaum 18-jährigen Frau anal und danach auch vaginal fort.

Beschuldigter verweigert Antworten

Er sei für eine Kollegin eingesprungen, welche die Patientin üblicherweise behandelt habe und die an jenem Tag abwesend gewesen sei, sagt der Beschuldigte gegenüber dem Gerichtsvorsitzenden. Die weiteren Fragen des Richters quittiert er jeweils mit einem knappen «keine Antwort» sowie mit dem Verweis auf das Plädoyer seines Verteidigers.

So äussert er sich weder zu den Fragen, ob die Patientin denn eine Lügnerin sei und ob er deren Anschuldigungen bestreite, noch auf jene, ob und wie er sich auf die Untersuchung der Frau vorbereitet habe. Er verweigert die Auskunft, warum er beschlossen hatte, eine sogenannte digital-rektale – also mit dem Finger durchgeführte – Darmuntersuchung vorzunehmen. Und er lässt auch die Frage unbeantwortet, weshalb er danach gleichfalls mit den Fingern das Innere der Vagina ertastete.

Aufgrund jener intimen «Untersuchung» erhebt die Staatsanwältin Anklage wegen Schändung oder eventualiter der Ausnützung einer Notlage und fordert eine bedingte Freiheitsstrafe von 24 Monaten sowie ein Tätigkeitsverbot für die Dauer von fünf Jahren gemäss Artikel 67 des Strafgesetzbuchs. Der Verteidiger verlangt einen vollumfänglichen Freispruch und betont, dass sich die junge Frau weder in einer Notlage befunden habe noch ein besonderes Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patientin bestanden habe.

Regelmässige Bauchbeschwerden

Die 18-Jährige war eigentlich die Patientin einer Praxiskollegin des Arztes. Diese war allerdings an jenem Tag abwesend, und der Mann sprang für sie ein. Um sich mit der Krankengeschichte vertraut zu machen, führte er ein ausführliches Patientengespräch. Dabei kamen die regelmässigen Bauchbeschwerden zur Sprache, derentwegen die Frau in den vorangegangenen drei Monaten ein Dutzend Mal ihre Ärztin aufgesucht hatte.

Die junge Frau habe sich im Vorgespräch mit dem geplanten Vorgehen des Mediziners einverstanden erklärt und auch gesagt, dass sie gerade Bauchschmerzen habe, hält der Verteidiger in seinem Plädoyer fest. Deshalb habe sich sein Mandant für eine rektale Untersuchung entschieden. Er habe die Patientin während der Behandlung stets über den geplanten nächsten Schritt informiert. Sie habe stets eingewilligt und in keinem Moment ihr Unbehagen über einzelne Untersuchungshandlungen geäussert.

Später allerdings wurde ihr unwohl beim Gedanken an das Geschehene. Sie erzählte dies ihrem Freund, der in der Folge zornig in die Praxis stürmte und mit vulgären Worten seinen Ärger äusserte. Der Vorgesetzte stellte nach eigener Aussage den Arzt zur Rede. Dieser soll den sexuellen Übergriff gestanden und erklärt haben, dass er sich schäme.

Vor Gericht sagt der Beschuldigte allerdings auch zu diesem Punkt nichts. Der Verteidiger bestreitet diesen Sachverhalt und relativiert, dass sein Klient lediglich bedauert habe, dass seine Patientin die medizinisch indizierte und keineswegs sexuell motivierte Behandlung derart negativ erlebt habe. Er habe keineswegs irgendeine Schuld auf sich genommen.

Lebenslang statt fünf Jahre

Das Gericht hält den vaginalen Übergriff jedoch für erstellt, nicht zuletzt deshalb, weil der Arzt dieses Element der «Untersuchung» in seiner sehr ausführlich abgefassten Krankengeschichte mit keinem Wort erwähnt hatte. Dies sei sicher nicht aus Versehen geschehen, argumentiert der Gerichtsvorsitzende. Auch seien die Aussagen der Privatklägerin sehr überzeugend gewesen; die junge Frau habe nie den Eindruck gemacht, dass sie den Arzt bösartig belasten wollte.

Und schliesslich habe der Beschuldigte, so der Richter weiter, sowohl das Freistellungsdokument unterschrieben, in welchem seine Verfehlung aufgeführt war, als auch die Kündigung wenige Tage später, in der ein sexueller Übergriff gegen eine Patientin explizit erwähnt wurde. «Die Untersuchung der Vagina war eine Schändung, die anale Untersuchung war es nicht.» Das Gericht spricht den Arzt antragsgemäss der Schändung schuldig, reduziert aber das von der Staatsanwältin geforderte Strafmass von 24 auf 22 Monate.

Viel heftiger als die bedingte Freiheitsstrafe wird den Arzt aber das lebenslange Tätigkeitsverbot schmerzen, das mit diesem Schuldspruch einhergeht. Zwar hatte die Staatsanwältin «nur» fünf Jahre Berufsverbot gefordert. Sie übersah allerdings, dass das betreffende Gesetz seit einer Revision vom 1. Januar 2019 für eine Schändung im Gesundheitsbereich mit direktem Patientenkontakt zwingend die «Höchststrafe» vorsieht. Allerdings kann der Arzt das Verdikt noch beim Obergericht und später beim Bundesgericht anfechten und damit versuchen, einen Freispruch zu erwirken. Seine Frau weiss noch nichts von dem Verfahren.

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