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Besser als befürchtet und doch unter dem Schnitt: Die Klimaerwärmung setzt den Trauben zu

Mit grosser Spannung warten die Weinbauern an ihrer Herbstversammlung immer auf die Neuigkeiten von der Fachstelle Liebegg. Für sich weiss natürlich jeder Winzer, wie viele weisse und blaue Trauben er geerntet hat. Aber beim Branchenverband Aargauer Wein, diesmal gut besucht im Gasthof Schützen in Aarau, kommt erstmals die Bilanz 2019 auf den Tisch.

Am Ende des Jahres sieht es deutlich besser aus, als nach den teils starken Frostnächten im Mai befürchtet: Die 2,1 Millionen Kilogramm Trauben aus dem ganzen Kanton ergeben 16'000 Hektoliter Wein.

«Das sind 13 Prozent weniger als im zehnjährigen Mittel und 27 Prozent weniger als im Vorjahr», betont Fachspezialist Urs Podzorski. Jahrhundert-Jahrgänge wie 2015 und 2018 kann es nicht immer geben.

Das gilt auch für die Qualität, die aber einem sehr guten Durchschnitt entspricht, mit einem Zuckergehalt von rund 95 Oechsle bei den Blauburgundern und 81 Oechsle bei den Riesling-Sylvanern. Der Vergleich mit den 107 Oechsle im Vorjahr ist unfair, denn es war ein sensationeller Ausreisser nach oben. Das Resultat des extrem trockenen Hitzesommers 2018.

Folgen des Klimawandels in den Weinbergen spürbar

Direkt wird der Klimawandel bei den Weinbauern nicht angesprochen, aber in den Fakten ist er allgegenwärtig. «2019 war der drittwärmste Sommer seit Messbeginn 1864», betont Podzorski. Nach viel zu mildem Winter folgte der Austrieb zu früh, mit teils schlimmen Folgen: In den Nächten auf den 6. und 7. Mai gab es teils starke Fröste, die «wie ein Schlag auf den Kopf der jungen Triebe wirkten».

Nach dem viel zu kalten Mai ging im Juni und Juli die Post ab, mit Hitze bis 38 Grad Celsius. Die Rebbauern wurden auf Trab gehalten, Pilzkrankheiten, Falscher Mehltau, Echter Mehltau, Sonnenbrand, im Herbst Botrytis und Essigfäule mussten bekämpft werden.

Den grossen Herausforderungen war die Branche gewachsen, bei der frühen Haupternte zwischen Mitte September und 20. Oktober kamen ausgereifte, schöne Trauben im Rebberg in die Standen, dann in die Trotten. Von den insgesamt 70 Rebsorten dominieren Pinot Noir (Blauburgunder) und Riesling-Sylvaner mit 71 Prozent der Fläche, aber sie sind weiter rückläufig. Dies zu Gunsten der Spezialitäten Sauvignon blanc, Chardonnay, Pinot gris, Merlot und vielen weiteren.

Die Aargauer Rebfläche ist um drei auf 387 Hektaren gesunken. Höchst positiv ist das bei der Ernte noch kräftige, dunkelgrüne Blattwerk. Damit gehen die Rebstöcke im Aargau mit starken Reserven ins nächste Weinjahr.

Winzerfest Döttingen als Höhepunkt des Jahres

Besonders stolz auf das Jahr ist Landstatthalter und Finanzdirektor Markus Dieth, weil die Winzerinnen und Winzer mit Herzblut ans Fête de Vignerons nach Vevey reisten und den Aargau mit seinen Weinen im besten Licht präsentierten. «Auf die Weine 2019 freue ich mich schon», versichert Dieth.

Verbandsdirektor Roland Michel nennt das Winzerfest Döttingen als weiteren Höhepunkt, ebenso die Expovino und alle Wettbewerbe. Viele Goldmedaillen, einmal sogar grosses Gold, belegten immer wieder die überdurchschnittliche Qualität der Aargauer Weine.

Die Konsumenten müssten noch mehr überzeugt werden, hiess es an der Versammlung. Der für Marketing zuständige Markus Fuchs und Urs Bolliger präsentierten den neuen Internet-Auftritt mit Swiss Wine. Via soziale Medien will man junge Leute ansprechen, vermehrt auch die Städter aufs Land locken. Für direkte Kontakte ist der Tag der offenen Weinkeller am 1. Mai ideal, in den nächsten drei Jahren fällt er zudem auf Freitag, Samstag und Sonntag.

Spritzmittel-Kritik bereitet den Weinbauern Sorgen

Sorgen bereiten den Rebbauern und der Landwirtschaft allgemein die zunehmende Kritik gegen Spritzmittel. Als Beispiel diente in der Diskussion das Kaolin, das die Kirschessigfliegen von den Trauben fernhält. Es ist eine harmlose Kalklösung, deren weissliche Farbe die Laien zum falschen Schluss verleitet, das müsse doch sehr giftig sein.

Beim Pflanzenschutz kritisiert Andreas Meier vom Weingut Sternen in Würenlingen, die Produzenten der Mittel liessen die Anwender im Stich, statt die Wirkung den Leuten plausibel zu erklären. «Aus Frust darüber habe ich unseren Betrieb auf Bio umgestellt», sagt Meier. Als Präsident des Bauernverbandes Aargau doppelt Alois Huber scharf nach: «Medien geben lieber den Bauen auf den Grind, statt aufzuklären und sachgerecht zu informieren».

Beim umstrittenen Mittel Glyphosat stammten zum Beispiel rund 70 Prozent von den SBB. Die Weinbranche unternehme grosse Anstrengungen, um den Einsatz von Spritzmitteln auf ein Minimum zu beschränken. Aber weltweit gebe es keinen Weinbau ohne Pflanzenschutz. Vielleicht ein Lichtblick: Im Aargau hat man dieses Jahr erstmals Drohnen eingesetzt, mit guten Erfahrungen.

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