Switzerland

Beratungshotline: Der lange Weg zur Schuldenfreiheit

Jahrelang füllte er keine Steuererkärung aus. Experimente mit Drogen und ein teures Auto liessen den Schuldenberg anwachsen. Eine Schuldenberaterin skizziert einen typischen Fall.

M. hatte 95’000 Franken Schulden. Die Schuldenberatung konnte ihn sehr unterstützen.

M. hatte 95’000 Franken Schulden. Die Schuldenberatung konnte ihn sehr unterstützen.

Symbolbild: Getty Images

Die Schulden türmen sich bei Schweizerinnen und Schweizern immer weiter auf. Ein Klick im Internet reicht – und schon hat man Zugang zu Konsumkrediten, Kreditkarten und Leasings. Die Erfahrungen aus der Berner Schuldenberatung zeigen: Die Angebote sind immer zahlreicher, die Werbung dafür immer aggressiver. Gleichzeitig sei auch der Druck gestiegen, dazuzugehören. Viele definieren sich durch Konsum und Statussymbole. Durch diese Faktoren nehme das Leben auf Pump zu.

M. ist schon vor mehr als zehn Jahren in die Schuldenspirale geraten. Bereits während seiner Ausbildung füllte er seine Steuererklärung nicht aus. Dies hatte hohe Ermessensveranlagungen zur Folge. Nach seiner Ausbildung begann M., mit Drogen zu experimentieren, für sein Traumauto nahm er schliesslich einen Kredit auf. Wegen seines Drogenkonsums stockte er diesen Kredit immer weiter auf. Post, die bei ihm im Briefkasten landete, öffnete er nicht.

Anita Nydegger, Sozialarbeiterin bei der Berner Schuldenberatung, sagt, dass sich Leute oft schon in jungen Jahren, sogar in der Lehrlingszeit, verschulden. «Der erste Lohn kommt und wird ausgegeben. Was danach alles für Rechnungen kommen, davon wissen viele nichts.» Nach mehreren Steuerperioden können dann bald hohe Forderungen entstehen. Leute aus dem Niedriglohnsektor würden es schon nach kurzer Zeit nicht mehr schaffen, die Schuldenspirale zurückzudrehen.

Was die Schuldenberaterin ärgert: die Leasingversprechen bei Autos. Die Werbung sei verführerisch, teils aggressiv. «Den Leuten wird der Speck durch den Mund gezogen», sagt Nydegger. Manchmal sei das Auto bereits schrott, trotzdem müsse es noch jahrelang weiter abbezahlt werden. «Menschen, die nicht so planerisch denken können, laufen so in die Schuldenfalle.»

Scham übernahm die Kontrolle

Das Leben von M. war schon früh von Härte geprägt. Sein Vater war gewalttätig, den Kontakt zu ihm hat er abgebrochen. Seine Mutter hat selber grosse Probleme mit Geld, ist verschuldet. Aber dann lernte M. seine jetzige Ehefrau kennen, sie gab ihm Stabilität, seine Situation beruhigte sich. Er füllte seine Steuererklärungen aus, versuchte, die angehäuften Schulden abzuzahlen. Doch er scheiterte, sein Lohn wurde gepfändet, sein Leben ein Scherbenhaufen. Er trennte sich von seiner Freundin, die Scham übernahm die Kontrolle, ein Nervenzusammenbruch und eine Einweisung in eine stationäre Therapie folgte.

Nach der Therapie der Neustart: Er arbeitete als Pflegefachmann, zog wieder mit seiner Freundin zusammen. Gemeinsam wollten sie nun versuchen, den Schuldenberg von 95’000 Franken abzutragen. Keine einfache Sache, wie auch Anita Nydegger, erklärt: «Sein Sanierungsbudget ergab keinen genügenden Überschuss, um den Gläubigern ein realistisches Angebot zu unterbreiten.» Um seine Situation zu beruhigen, meldete M. Privatkonkurs an. Dies mit dem Ziel, die Verlustscheine später zurückzuzahlen.

Hilfe durch Dritte

Mittlerweile ist M. mit seiner langjährigen Partnerin verheiratet, er ist Vater von eineinhalbjährigen Zwillingen. Die Familie gibt ihm Halt. Seit der Konkurseröffnung konnte M. alle seine Rechnungen bezahlen und trotz knappem Budget einen Betrag für die Regelung der Konkurs-Verlustscheine ansparen. Doch das Einkommen der jungen Familie generiert immer noch keinen ausreichenden Überschuss, der für eine Schuldensanierung eingesetzt werden könnte.

Deshalb wird die Familie von einer ständigen Angst begleitet: Was passiert, wenn ein Konkursgläubiger ihn erneut betreiben will? Dass für einen Rückkauf der Verlustscheine zu wenig Geld vorhanden ist, macht ihm zu schaffen. Ohne Schulden leben zu können, das schien der jungen Familie zu diesem Zeitpunkt ein weit entferntes Ziel zu sein.

Doch M. hat Glück. Die Familie seiner Frau hat ihn in den letzten Jahren immer mehr ins Herz geschlossen und ist bereit, seine Schuldensanierung zu unterstützen. M. unterbreitete seinen Gläubigern ein realistisches Angebot, zunächst aussergerichtlich. Die Mehrheit der Gläubiger nahm das Angebot an und war bereit, auf einen Teil ihrer Forderung zu verzichten. Doch ein Gläubiger sträubte sich und verweigerte die Zustimmung zum Nachlassvertrag – dies trotz intensiver Verhandlungen.

Daraufhin wurde eine gerichtliche Nachlassstundung eingeleitet, auch wenn dieses Verfahren aufwendig und teuer für die Familie ist. «Ich spürte bei M. die grosse Belastung durch die Schuldensanierung», sagt Anita Nydegger. «Die Familie lebt sehr bescheiden und muss ihr Geld immer vorsichtig einteilen.» Die Schuldenberaterin bestätigt, dass es zunehmend schwieriger werde, einvernehmliche Lösungen zu finden.

Zur grossen Erleichterung wird die Nachlassstundung vom Gericht genehmigt, obwohl wieder der gleiche Gläubiger die Nachlassofferte abgelehnt hat. Da wie im aussergerichtlichen Verfahren alle anderen Gläubiger den Nachlassvertrag angenommen haben, konnte der ablehnende Gläubiger allerdings überstimmt werden.

Während der Zusammenarbeit mit der Schuldenberatung hat M. gelernt, sich an das Haushaltsbudget zu halten. Sein Einkommen deckt die laufenden Kosten. Nach vielen Jahren voller Anspannung sind M. und seine junge Familie nun schuldenfrei.

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